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Die Droste. Das Leben der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff-Seminar in Bensberg

© Prof. Eckhard Jung, Bremen

2022 jährt sich Annette von Droste-Hülshoffs Geburtstag zum 225. Mal, weshalb ihr die Bundesregierung eine Sondermarke – das bekannte Bildnis im blauen Kleid – widmet. Ein Anlass, sich Deutschlands großer Dichterin im Rahmen eines Seminars zu nähern.

Annette von Droste-Hülshoff stammte aus einem der ältesten Adelsgeschlechter Westfalens und gehörte urkundlich bekannt der 20. Generation ihrer Familie an. Sie kam zur Welt als zweites von vier Kindern am 12. Januar 1797, hineingeboren in eine Zeit politischer Umbrüche, dem Biedermeier. Ihr Leben verbrachte die Dichterin in den preußischen Provinzen Westfalen und Rheinland sowie dem Großherzogtum Baden.

Von Kind an war Annette kränklich; nur etwa 1,50 m groß und auffallend zierlich – und extrem kurzsichtig.

Von Anfang an standen die gesundheitlichen Einschränkungen und die gesellschaftlichen Konventionen, denen sie unterworfen war, in einem Spannungsfeld zu ihrer lebhaften Vorstellungskraft und ihrer vielfach bekundeten Sehnsucht nach „Ferne“.

Schon früh betrachtete sich Annette von Droste-Hülshoff trotz des ersten literarischen Misserfolges zur Dichterin berufen. Von ihrem persönlichen Umfeld war keine Anerkennung für ihre Literatur zu erwarten: Annettes offenkundige geistige Überlegenheit, aber auch ihr Zugang zum Übersinnlichen waren ihren Zeitgenossen ein Dorn im Auge. Eine sich anbahnende Verbindung zerbrach, und die Jahre danach verbrachte sie zurückgezogen in ihrem Elternhaus Hülshoff; sie sollte ledig bleiben.

Eine erste größere und längere Reise schließlich führte sie 1825 nach Köln, zum Teil mit den damals ersten Eisenbahnen und Dampfschiffen. Die beginnende Industrialisierung und die sich daraus entwickelnden gesellschaftlichen Umbrüche flossen in ihrer Ambivalenz in ihre Dichtung ein.

Ab 1841 lebte die Dichterin auf Schloss Meersburg am Bodensee. In Meersburg fand Droste die Balance zwischen öffentlichem Leben und Einsamkeit und fühlte sich dort weniger bedrängt von den Erwartungen und Anforderungen an sie als unverheiratete Frau, war freier, sich ihrer Dichtung zu widmen.

Am Nachmittag des 24. Mai 1848 verstarb Annette von Droste-Hülshoff in ihrer Wohnung auf Schloss Meersburg an einer Lungenentzündung. Ihre letzten, von ihrer Schwester Jenny berichteten Worte sollen gewesen sein: „Ja! Der liebe Gott meint es gut mit mir!“

Droste-Hülshoff gilt zwar als katholische Dichterin, doch waren viele ihrer nahen Bekannten und auch Verwandten evangelisch. Sie setzte sich auch mit religionskritischen Schriften, z. B. von Ludwig Feuerbach, auseinander, die im Ringen zwischen aufgeklärtem Bewusstsein und tiefer Spiritualität Spuren in ihrem Werk hinterließen: Ein wichtiges Dokument ihrer Religiosität etwa ist ihr Gedichtzyklus „Das geistliche Jahr“.

Annette von Droste-Hülshoff gilt heute als größte deutsche Dichterin – „Der Knabe im Moor“, „Am Turme“ oder „Lebt wohl“ legen davon Zeugnis ab, ebenso wie ihre wohl bekannteste Erzählung „Die Judenbuche“. Dabei hat sich die Literaturwissenschaft vom Bild des konservativen, altmodischen Adelsfräuleins in den letzten zehn Jahren endgültig verabschiedet. Annette von Droste-Hülshoff ist eine moderne Klassikerin, die sich in ihren Texten den Herausforderungen ihres Jahrhunderts mit Industrialisierung, Säkularisierung und Beschleunigung stellt und ganz eigenständige Antworten auf die Fragen ihrer Gegenwart fand. Gerade aus der „Traditionsverfallenheit“ der Autorin entstehen die Modernitätseffekte und die Aktualität ihrer Texte. Die Auseinandersetzung mit dem Werk der Droste zeigt: Der Biedermeier ist uns näher als wir denken.

Unser Seminar am 23. und 24. April 2022 wird sich Drostes literarischer Individualität und Qualität widmen, aber auch die Schreibende selbst, mithin die Person Annette von Droste-Hülshoff und ihren Werkprozess in den Blick nehmen. Welche biographischen Spuren lassen sich im OEuvre finden, wie werden persönliche traumatische Ereignisse in den Texten verarbeitet? Welche Rolle spielte die fast vierzigjährige Arbeit an dem Gedichtzyklus „Das geistliche Jahr“ für die Dichterin?

Gehen Sie mit uns diesen Fragen im Licht der aktuellen Forschungslage nach.

23. bis 24. April 2022 (Sa.-So.)
Die Droste
Annette von Droste-Hülshoff – eine aktuelle Klassikerin
Seminar in Bensberg

Auf den Spuren von Annette von Droste Hülshoff - Erkundung der Thomas-Morus-Akademie Bensberg

© Rufus46 – CC BY-SA 3.0_commons.wikimedia

Burg Hülshoff – ein Ort großer literarischer Bedeutung im schönen Münsterland

Die Burg Hülshoff ist eine typisch westfälische Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert, hier wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. 1417 erwarben die Vorfahren der Dichterin Annette von Droste-Hülshoffs das Herrenhaus, das einem Stil der Spätgotik und der beginnenden Renaissance entspricht.

Zwischen 1540 und 1545 wurde unter Heinrich I. von Droste zu Hülshoff der heute älteste Teil der Burg erbaut. Das Interieur der Burg wurde Ende des 18. Jahrhunderts umgebaut, und als letzte große Neuerung entstand die Kapelle im neugotischen Stil.

In dieser Burg wurde Annette von Droste-Hülshoff im Jahr 1797 geboren und wuchs mit ihren drei Geschwistern in einer sehr behüteten und durchaus begüterten Atmosphäre auf.

Heute steht uns die Burg eingerahmt in einer gepflegten Parkanlage als Museum zur Verfügung. Diese Anlage lädt zum Spazieren, Picknicken und Verweilen ein.

Es befinden sich kostbare Möbelstücke und Gemälde der Familie in den öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten, wobei eine besondere Attraktion mit Sicherheit der Blick in die prall gefüllte Bibliothek des Hauses ist.

Einblicke in die Lebensweise des Münster‘schen Adels zur Zeit des Klassizismus und des Biedermeier werden hier eröffnet. Zu erkunden sind beispielsweise das große Speisezimmer oder das Empfangszimmer. Man sagt, die Aussicht aus dem Gartensaal lässt das Lebensgefühl des damaligen Adels erahnen.

Seit 2014 wurden wichtige Restaurierungen der Burg vorgenommen, damit wir und auch unsere Nachfolgen weiterhin dieses prachtvolle Gebäude mit seiner Geschichte besuchen können.

Zusätzlich befindet sich seit 2018 auf der Burg das „Centre of Literature“. Hier verschmelzen Kunst und Literatur zu einem Diskurs, der mit verschiedenen Formaten auch unsere jetzige Gesellschaft widerspiegeln soll. Hier ist ein offener Raum für die Partizipation des Besuchers entstanden.

Auf unserer Erkundung nach Münster werden wir auch das Rüschhaus besuchen. Der westfälische Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun (1695 – 1773) erbaute von 1745 bis 1749 das spätbarocke Gebäude, das heute von der Innenstadt sehr schnell zu erreichen und ein beliebtes Ausflugsziel ist.

1825 hatte der Hausherr von Burg Hülshoff und Vater von Annette von Droste-Hülshoff, das bäuerliche, jedoch repräsentative und herrschaftliche Landhaus gekauft. Annette von Droste-Hülshoff lebte nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Jenny im Rüschhaus.

Zum Schreiben zog sie sich in ihr Wohnzimmer – auch „Schneckenhaus“ genannt zurück. Insgesamt bewohnte sie im Rüschhaus drei kleine Zimmer gemeinsam mit ihrer Amme. Hinter dem Haus befinden sich zwei kleine Pavillons, die in die wunderschöne und barocke Parkanlage eingebettet sind; auch sind hier Skulpturen im Park zu sehen. Im Inneren des Gebäudes erwartet den Besucher ein Blick in die Wohn- und Wirtschaftsräume sowie die Küche, die „Deele“, den Gartensaal, das “italienische Zimmer“ und als Höhepunkt Drostes „Schneckenhaus“.

Zusätzlich befindet sich noch originalgetreue Küchenausstattung der Familie, sowie die Kutsche und verschiedene Sammlungen wie beispielsweise die Kupferstichsammlung im Besitz des Museums.

Erkunden Sie mit uns diesen kleinen westfälischen Schatz!

1. Juni 2022 (Mi.)
Geistreich und humorvoll
Auf den Spuren von Annette von Droste-Hülshoff

 

Bildnachweis:
Büste Annette von Droste-Hülshoff © Marc Ryckaert (MJJR), CC BY 2.5 , via Wiki
Sondermarke © Prof. Eckhard Jung, Bremen
Burg Hülshoff © Rufus46 – CC BY-SA 3.0_commons.wikimedia

 

18. März 2022 || ein Beitrag von Felicitas Esser, Referentin für Kultur und Gesellschaft, und Janine Lattarulo, Bereichskoordinatorin Referat Erkundungen

Janine Lattarulo_Bereichskoordinatorin Referat Erkundungen