Annette von Droste-Hülshoff-Seminar in Bensberg
© Prof. Eckhard Jung, Bremen

Die Droste

Annette von Droste-Hülshoff - eine aktuelle Klassikerin

2022 jährt sich Annette von Droste-Hülshoffs Geburtstag zum 225. Mal, weshalb ihr die Bundesregierung eine Sondermarke – das bekannte Bildnis im blauen Kleid – widmet. Ein Anlass, sich Deutschlands großer Dichterin im Rahmen eines Seminars zu nähern.

Vom Bild des konservativen, altmodischen Adelsfräuleins hat sich die Literaturwissenschaft in den letzten zehn Jahren endgültig verabschiedet. Annette von Droste-Hülshoff ist eine moderne Autorin, die sich in ihren Texten den Herausforderungen ihres Jahrhunderts mit Industrialisierung, Säkularisierung und  Beschleunigung stellt und ganz eigenständige Antworten auf die Fragen ihrer Gegenwart findet.

Das Seminar wird sich Drostes literarischer Individualität und Qualität widmen, aber auch die Schreibende selbst, mithin die Person Annette von Droste-Hülshoff  und ihren Werkprozess in den Blick nehmen. Welche biographischen Spuren lassen sich im Œuvre finden, wie werden persönliche traumatische Ereignisse in den Texten verarbeitet? Welche Rolle spielte die fast vierzigjährige Arbeit an dem Gedichtzyklus „Das geistliche Jahr“ für die Dichterin?
Abschließend wird die Aktualität ihrer Texte zu prüfen sein.

 

Unsere Empfehlung:
1. Juni 2022 (Mi.)
Geistreich und humorvoll
Auf den Spuren von Annette von Droste-Hülshoff
Erkundung mit dem Kunsthistoriker Dr. Till Busse

Samstag, 23. April 2022

14.00 Uhr
Konservatives Adelsfräulein?
Neue Perspektiven auf Annette von Droste-Hülshoff und die Literatur der Biedermeierzeit
Als Autorin und auch als Mensch war Annette von Droste-Hülshoff traditionsbewusst, keine Frage. Aber war sie  deshalb auch altmodisch? Und sind ihre Texte überkommen? Wie die Literaturwissenschaft gezeigt hat, ist genau das Gegenteil der Fall: Gerade aus der Traditionsverfallenheit der Autorin entstehen die Modernitätseffekte und die  Aktualität ihrer  Texte. Die Auseinandersetzung mit dem Werk der Droste zeigt: Der Biedermeier ist uns näher als wir denken.

16.15 Uhr
Kaffee- und Teepause

16.30 Uhr
Ich schreibe, also bin ich
Die Unbedingtheit des Schreibprozesses der Droste
Annette von Droste-Hülshoff hat ihr Leben lang geschrieben. Selbst über Verbote ihrer Ärzte setzte sie sich hinweg und füllte Seite um Seite. In dieser Sektion wird es um Drostes Schreibprozess gehen, der ein ganz besonderer ist: Die Dichterin schreibt im Miniaturformat, sie bringt hunderte Verse auf ein kleines Blatt, sie streicht und ergänzt, überarbeitet wieder und wieder, bis wahre Textkunstwerke auf dem Papier entstehen. Das Blatt wird mithin zu einer von Droste selbst gestalteteten Welt. Um die Schönheit dieser Schriftwelten wird es gehen in diesem Teil des Seminars.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Ökologie im 19. Jahrhundert?
Über das Mensch-Umwelt-Verhältnis bei Droste-Hülshoff

Drostes Judenbuche gilt als eine der Meistererzählungen des 19. Jahrhunderts; die Novelle zählt bis heute zum Kanon der Schulliteratur. Der Text handelt von Kriminalverbrechen und familiären Vergehen – einerseits. Andererseits aber kreist die Erzählung um Mensch-Umwelt-Verhältnisse, mithin um die Frage, wie der Mensch nachhaltig mit der Natur umgehen kann. Von dieser Beobachtung ausgehend wird Drostes Novelle interpretiert, Seitenblicke werden geworfen auf andere „ökologische“ Texte Annette von Droste-Hülshoffs wie das Erzählfragment „Bei uns zu Lande auf dem Lande“ und das Gedicht „Das öde Haus“.

  • Die Judenbuche
  • Bei uns zu Lande auf dem Lande
  • Das öde Haus

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 24. April 2022

ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

8.00 Uhr
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes in der Edith-Stein-Kapelle

 9.45 Uhr
Das Geistliche Jahr
Religiöse Lyrik und die Anforderungen der Moderne
Mit dem Geistlichen Jahr hat Droste den Weg in den Kanon gefunden. Die Sammlung geistlicher Gedichte auf alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres war bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts der bekannteste Text der Autorin. Gelesen wurde es als ein Versuch der Ordnungsstiftung: Der anstürmenden Moderne setzt Droste einen Gedichtzyklus entgegen, der Ordnung und Struktur in der Religion findet. Ob damit das Lebensprojekt des Geistlichen Jahres, das Droste-Hülshoff über fast vierzig Jahre begleitete, exakt beschrieben ist, darum wird es in diesem Vortrag gehen.

11.15 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Selbstbewusste Setzungen
Leben und Literatur in Drostes Lyrik

Annette von Droste-Hülshoff gilt als größte deutsche Dichterin. Im Mittelpunkt der lyrischen Betrachtung stehen einige der bekanntesten Gedichte der Autorin: „Lebt wohl“, „Am Turme“, „Der Knabe im Moor“. Es wird einerseits darum gehen, die Gedichte zu analysieren, ihre Form, ja ihre Schönheit zu beschreiben. Andererseits rückt in den Blick, wie Droste-Hülshoff in ihrer Lyrik Leben und Literatur verbindet: Wie sich biographische Ereignisse in die Texte einschreiben, wie traumatische Erlebnisse verarbeitet werden – und wie Droste-Hülshoff die Literatur zu einem Ort der Souveränität macht.

  • Lebt wohl
  • Am Turme
  • Der Knabe im Moor

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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