Beethovens schottische Lieder – Sehenswerte TV-Dokumentation

Im wahrsten Sinne „aufhorchen“ lassen neuere Erkenntnisse um Beethovens schottische Lieder. Denn, so deckte der Bonner Gälisch-Experte Michael Klevenhaus auf: In den Volksmusik-Melodien, die Beethoven so faszinierten und die dieser bearbeitete, klingen auch Klagelieder des verdrängten Volkes der Gälen an. Klevenhaus‘ Nachforschungen führten ihn nun mit einem WDR-Team in die schottischen Highlands, nach Bonn und Wien. Auch in Gesprächen mit lokalen Fachleuten bestätigte sich die Annahme, dass Beethovens Liedbearbeitungen gälische Originalmelodien integrieren – ohne dass der Komponist dies wusste: eine interessante Spur im Beethoven-Jubiläumsjahr, die diese atmosphärisch dichte Dokumentation mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen und unverwechselbarer Musik sehenswert macht.

© privat

Michael Klevenhaus gründete 2002 das Deutsche Zentrum für Gälische Sprache und Kultur in Bonn, hat als erster Deutscher den Masterabschluss auf Gälisch, verfasst gälische Kurzgeschichten und Romane und singt in einem Ensemble traditionelle gälische Lieder. Im Rahmen seiner Dissertation untersucht er die Verbindung zwischen den schottischen Liedern von Beethoven und Haydn und der gälischen Musiktradition. Im Rahmen von Kultur-Dinnern kooperierte die Akademie mehrmals mit ihm, denn er ist im Hauptberuf Gastronom (Café im Kunstmuseum, Restaurant „Speisesaal“ in der Bundeskunsthalle).

Über die Dokumentation unter der Regie von Michael  und Friedrich Moser schreibt ARTE:

„Beethovens Volksliederbearbeitungen bilden sicherlich den unbekanntesten und unterschätztesten Anteil seines Gesamtwerks. Der Bonner Gälisch-Experte Michael Klevenhaus will mehr darüber erfahren und begibt sich auf Spurensuche. Von der schottischen Dudelsack-Legende Allan McDonald erfährt er, dass Beethoven ein gälisches Lied per Post zugesandt bekam. Beethoven machte daraus eine klassische Liedbearbeitung. Die Ähnlichkeiten in der Melodie sind frappierend, doch in Beethovens Version findet sich keine Spur des Gälischen. Stattdessen enthält sie einen Text des schottischen Nationaldichters Sir Walter Scott – in englischer Sprache.

Beethoven hatte im Auftrag des schottischen Verlegers George Thomson zwischen 1809 und 1820 rund 180 schottische, walisische und irische Volkslieder für eine Begleitung durch klassisches Klaviertrio bearbeitet. Doch weder im Text noch im Titel ist ein Zusammenhang mit dem gälischen Original zu erkennen.

Die Dokumentation begleitet Michael Klevenhaus, während er von der konfliktreichen Beziehung zwischen dem Komponisten und seinem schottischen Auftraggeber erfährt, und in Bonn, Wien und in den atemberaubenden Landschaften der schottischen Highlands recherchiert. Mithilfe von lokalen Musikern und Fachleuten findet er immer mehr Hinweise darauf, dass sich in den Liedbearbeitungen einige gälische Originalmelodien verstecken. Vor Beethoven wurde geheim gehalten, dass die Gälen in brutalen Säuberungsaktionen aus den Schottischen Hochländern vertrieben wurden. Auch ihre Sprache und Kultur wurden fast ausgelöscht. Der von revolutionärem Geist beflügelte Beethoven wusste nichts davon.“

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27. Juni 2020 || empfohlen von Elisabeth Bremekamp, Referatsleiterin Ferienakademien