Kreta gab ihm das Leben, Toledo die bessere Heimat

Lange stieß das Werk des aus Kreta stammenden manieristischen Malers Domínikos Theotokópoulos, genannt El Greco, bei vielen auf Unverständnis und Ablehnung.

Erst die beginnende Moderne erkennt das Genie des lange vergessenen Manieristen Theotokopoulos, genannt El Greco. Der Ikonenmaler aus Kreta entwickelt die venezianische Malerei Tintorettos weiter, orientiert sich an Michelangelo und findet in Spanien zu seiner eigenen, unverwechselbaren Kunst. Seine Farben, seine Formen inspirieren die Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Es gibt bedeutende Künstler, die lange vergessen und plötzlich wiederentdeckt werden. Oft sind sie ihrer Epoche weit voraus und erst der Geist nachfolgender Generationen vermeint sie recht zu verstehen. So geht es auch El Greco, der am Ende des 19. Jahrhunderts in Spanien nach 250 Jahren des Vergessens neu bewertet wird. Sofort vergleicht man ihn mit französischen Zeitgenossen, vor allem mit Cezanne. Die El Greco-Begeisterung wird noch einmal befördert, als der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe den Maler nach 1910 in Deutschland bekannt macht und damit die Augen der Expressionisten auf diesen Außenseiter des späten 16. Jahrhunderts lenkt. Seine Zeit war damit gekommen und das Interesse an seiner Malerei hat in den seither vergangenen über 100 Jahren nicht abgenommen. Auf die europäische Malerei des 20. Jahrhunderts übte er nachhaltigen Einfluss aus und gilt heute unbestritten als einer der großen Meister, welche die bildende Kunst Europas hervorgebracht hat.

Folgen Sie dem Kunsthistoriker Dr. Andreas Thiel während der Ferienakademie durch das spanische Toledo, der Wahlheimat des kretischen Malers.

© gotitstudio

18. Dezember 2023 || ein Beitrag von Akademiereferentin Anne Pesch

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8. bis 13. Februar 2024 (Do.-Di.)
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