Rainer Land, RSK

Auf ein Wort mit …

… Rainer Land.
Rainer Land ist Leiter des Kultur- und Sportamtes des Rhein-Sieg-Kreises und seit Jahren an der Vorbereitung des Beethoven-Jubiläums 2020 in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis beteiligt. Zusammen mit der Stadt Bonn, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bundesrepublik Deutschland trägt und finanziert der Rhein-Sieg-Kreis die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft in Bonn, die das gesamte Jubiläumsprogramm verantwortet und fördert. Rainer Land ist ein „Eigengewächs“ der Kreisverwaltung in Siegburg. Nach verschiedenen Verwaltungsstationen übernahm er im Jahr 2000 die Verantwortung für die Kulturarbeit des Kreises. In dem Beethoven-Jubiläum sieht er einen Höhepunkt seines Berufslebens.

Deutschland zählt zu den weltweit wichtigsten Ländern in der Orgelkunst. Die UNESCO hat diese Tradition daher in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das Projekt “Orgelkultur im Rhein-Sieg-Kreis” verspricht zahlreiche intensive musikalische Erlebnisse rund um die “Königin der Instrumente” und hebt durch seine unterschiedlichen Angebote versteckte Schätze in der Region. Im Rahmen des Beethovenjubiläums 2020 realisiert die Thomas-Morus-Akademie in Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis 10 Konzerte, 8 OrgelExkursionen, ein OrgelCamp für Nachwuchsorganisten und ein OrgelErlebnis für Kinder.

Warum fällt im Jubiläumsjahr 2020 gerade ein Blick auf Beethoven und die Orgel?

Als wir uns vor vier, fünf Jahren erste Gedanken über ein Jubiläumsprogramm im Rhein-Sieg-Kreis gemacht haben, stellte sich schnell das Orgelthema als ein Schwerpunkt heraus. Die Verbindung Beethoven und Orgel mutet auf den ersten, schnellen Blick ungewöhnlich an, sind von ihm doch nur wenige Werke für die Orgel bekannt, deren Authentizität zudem nicht sicher ist. Aber er hat als Heranwachsender das Orgelspiel gelernt und regelmäßig auf hohem Niveau ausgeübt. Schon mit zwölf Jahren vertrat er seinen Lehrer Christian Gottlob Neefe an der Orgel, später wurde er dessen Nachfolger als Hoforganist. Überliefert ist, dass er auch an einigen Orten im Rhein-Sieg-Kreis die Orgel gespielt hat. Der junge Beethoven ist in seiner Heimat, die er auch in Wien nie vergessen sollte, vielerorts zuerst als Organist wahrgenommen worden und hat sich die Orgel mit dieser Tätigkeit erschlossen.
Unser Festival „OrgelKultur“ greift dies als Bezugspunkt auf. Es ist gewissermaßen eine musikalische und kulturelle Entdeckungsreise durch die Kirchen und zu den Orgeln unserer Heimat – und schlägt den Bogen aus der Beethovenzeit in die Gegenwart, insbesondere auch durch die Vielfalt der musikalischen Stile und Epochen.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Festivals OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis?

Die Programmstruktur macht die Schwerpunkte deutlich. Die OrgelKonzerte werden von erstklassigen Organistinnen und Organisten bestritten. Sie bieten ein breites musikalisches Spektrum von der Barockzeit bis zur zeitgenössischen Musik. Es wird aber immer auch einen geistlichen Impuls und einen kurzen Wortbeitrag zu der jeweiligen Kirche und ihrer Orgel geben. Das gehört einfach zusammen.
Die OrgelExkursionen führen immer zu vier, fünf benachbarten Kirchen. Sie lassen auf kleinerem Raum die Vielfalt unserer Kirchen- und Orgellandschaft erleben und werden gewiss auch Anlass geben, über deren prägende Bedeutung nachzudenken. Auf die Exkursionen trifft das Wort von der Reise zu den mitunter versteckten Schätzen der Region besonders zu. Reizvoll ist dabei auch, dass jede Exkursion einen roten Faden, d. h. ein übergeordnetes Thema hat.
Das OrgelCamp und die OrgelErlebnisse tragen dem Ziel Rechnung, im Beethoven-Jahr besonders etwas für die musikalische Bildung und für den Nachwuchs zu tun. Dies ist ein Aspekt, der auch bei anderen Projekten Richtschnur ist.

Auf welche Weise wollen Sie mit dem Festival junge Menschen für das Instrument Orgel faszinieren?

Auf zwei Wegen: Die OrgelErlebnisse sind ein spezielles Angebot für Grundschulen. Klassenweise kann eine Doppelstunde in einer nahe gelegenen Kirche gebucht werden. Dort erleben die Kinder eine Orgel hautnah. Sie hören ein Musikstück, das für ihre Altersgruppe besonders geeignet ist und dessen Melodie sie vielleicht schon kennen, sie können sich das Instrument aus nächster Nähe anschauen, sie dürfen Fragen stellen. Das ist kulturelle Bildung am konkreten Objekt vor der Haus- bzw. Schultür.
An Jugendliche und junge Erwachsene, die bereits Grundkenntnisse und erste Erfahrungen auf dem Klavier haben, richtet sich das OrgelCamp. Es findet in den Herbstferien 2020 im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Michaelsberg in Siegburg und in Siegburger Kirchen statt. An vier Tagen werden die Teilnehmer intensive Erfahrungen mit der Orgel machen, aber auch interessante Ausflüge zur Orgelbaufirma Klais in Bonn und zum Kölner Dom unternehmen, wo sie eine exklusive Vorführung der Domorgel durch den Domorganisten Winfried Bönig erleben. Philipp Klais, der in sein weltbekanntes Unternehmen einlädt, stand uns übrigens mit Rat und Tat von Anfang an zur Seite.

Was ist Ihr persönliches Highlight des Festivals? Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich sehr, wenn es am 12. Januar in Swisttal losgeht. Das Eröffnungskonzert ist eine besonders enge Kooperation mit der Gemeinde Swisttal und der örtlichen Kirchengemeinde St. Martinus Swisttal. Vor fünf Jahren durfte ich dabei sein, als die historische Barockorgel von Christian Ludwig König, die zwei Jahre vor Beethovens Geburt errichtet wurde, nach einer umfassenden Restaurierung durch die Firma Klais wieder in Dienst gestellt wurde. Jetzt bin ich auf das Konzert des Speyrer Domorganisten Markus Eichenlaub gespannt.
Zum Abschluss schlägt das Konzert am 22. November in der Abteikirche St. Michael in Siegburg wieder den Bogen zu Beethovens Werk. Die Aufführung der Kantate auf den Tod Kaiser Josephs II. und der Messe in C vereint viele Mitwirkende und setzt damit auch einen symbolischen Schlusspunkt.
Besonders freue ich mich aber auch darauf, am 23. August die Jazzorganistin Barbara Dennerlein auf der Orgel der Evangelischen Auferstehungskirche in Siegburg zu erleben.

Sehr geehrter Herr Land, wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf die Veranstaltungen im Rahmen des Projektes OrgelKultur mit Ihnen! Die Fragen stellte Andreas Würbel, Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

Herzliche Einladung zum Eröffnungskonzert am 12. Januar in der katholischen Pfarrkirche St. Martinus in Swisttal-Ollheim. Tickets erhalten Sie für 15,00 € (Jugendliche von 7-17 Jahren 7,50 €, Kinder bis 6 Jahre frei) hier.
Mehr Informationen zum Festival OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis finden Sie hier.