Ostern - Ein Beitrag von Pfarrer Axel Hammes - Mehr im Blog der

Aufbruch ins Leben

‚Ich will mein Leben zurück!‘ – Diesen Satz bekam ich über viele Jahre meines Dienstes nur aus dem Mund von Menschen zu hören, die ihre Existenz gründlich verpfuscht hatten. Seit den Wellen der Pandemie aber drangen solche Töne viel öfter an mein Ohr. Er schien das Lebensgefühl recht vieler Zeitgenossen widerzuspiegeln. Auf einmal hatte so manche liebgewonnene Lebensgewohnheit ihre Selbstverständlichkeit verloren. Eine ungewohnte Vorsicht und Distanz bestimmten unseren Alltag. Auch digitale Möglichkeiten konnten sie nicht gänzlich aufwiegen. Gerade die Älteren unter uns sehnten sich danach, wieder mit den Menschen zusammentreffen zu können, die ihnen so viel bedeuteten: mit Verwandten und Freunden; aber auch in Vereinen, Chören und Verbänden. Im Entzug wurde vielen erst bewusst, wie kostbar eine einzige Umarmung sein kann. Was macht das Leben eigentlich aus? Welche Kultur gehört unbedingt dazu? Worauf können wir aber auch auf lange Sicht verzichten?

Nichts wird nach der Pandemie so bleiben, wie es war. So hieß es. Gerade die Kirchen bekommen das derzeit zu spüren. Kaum etwas kann so bleiben, wie es bisher gewesen ist: nicht nach der Pandemie, erst recht nicht nach der Erschütterung durch den sexuellen Missbrauch so entsetzlich vieler Schutzbefohlener. Die heilige Kirche wurde und wird eingeholt von schwerer Schuld in ihrer Mitte. Eine ähnliche Erfahrung musste schon der Apostel Paulus mit seiner jungen Gemeinde in Korinth machen. Ihren blinden Flecken am stolzen Selbstbewusstsein hält Paulus entgegen: „Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert (1 Kor 5,6b). Ungeheuerliches ist in ihrer Mitte passiert. Da sollte ihnen klar sein, dass es alle in der Kirche betrifft. Deshalb muss auch schnell und entschlossen gehandelt werden: „Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! Ihr seid ja schon Ungesäuerte“ (Vers 7). Am Ostersonntag erklingt diese Botschaft als zweite Lesung.

Christen haben mit der Taufe ein neues, ein anderes Leben aufgenommen. Auch sie fallen immer wieder in alte Muster zurück. Auch sie geben der Versuchung zu Machtspielen nach. Auch sie nehmen sich einfach, was sie begehren. Doch müssen sie nicht ins Bodenlose stürzen. Paulus erinnert an das ‚Passalamm Christus‘ (Vers 7b). Bis aufs Blut hat es sein Leben für uns eingesetzt, damit wir uns trennen können von allem, was das Leben verdirbt. Mit dem österlichen Passa beginnt auch unser Auszug aus dem alten Leben, aus seinen Ängsten und Zwängen, in die Freiheit hinein.

Der Appell des Apostels gilt uns allen: Werft dieses neue Leben nicht leichtfertig weg! Verspielt nicht die Freiheit, die aus dem Glauben an die Auferstehung kommt! Keine Macht der Welt kann uns das nehmen, solange wir uns an Christus halten, das wahre Passalamm. Er schenkt Leidenschaft ohne Verbissenheit; Hoffnung ohne Illusionen, die wahre Freiheit jenseits von Willkür und Gier.

Der Osterglaube öffnet weite Türen, nicht in eine moralische Besserungsanstalt, sondern in eine Kirche, in der die Freude den Ton angibt. Paulus zufolge sind wir nämlich berufen zum ‚Fest ohne Ende‘, zu einer permanenten Passafeier, dem Fest des Aufbruchs und des Neuanfangs. Ob und wie wir zu feiern verstehen, daran zeigt sich unser Glaube an die Auferstehung. Folgen wir mit den ersten Christen von Korinth der Einladung des Apostels (vgl. Vers 8):

„Lasst uns also feiern,

nicht mit dem alten Sauerteig

 …

sondern mit den ungesäuerten Broten

der Aufrichtigkeit und Wahrheit“.

Matthias Grünewald | Lamm Gottes – Detail aus dem Isenheimer Altar | 1512-1516 (gemeinfrei – wikipedia)

31. März 2024 || ein Beitrag von Pfarrer Dr. Axel Hammes, geistlicher Berater der Thomas-Morus-Akademie Bensberg

Axel Hammes - Thomas-Morus-Akademie Bensberg
Das gesamte Team der Thomas-Morus-Akademie Bensberg wünscht frohe & gesegnete Ostern!