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“Spuren einer Existenz”

Goethes Gedichte

Goethe gilt heute als der größte deutsche Lyriker und als einer der Großen der Weltliteratur. Er selbst hat lange seine Lyrik nicht so hochgeschätzt wie seine Prosa und seine Dramen. Das änderte sich erst während der italienischen Reise, als er in seinen ‚kurzen Gedichten‘ „Spuren“ seiner „Existenz“ erkannte. Das Wort meint mehr als nur biographische Spuren, die sich in seiner Lyrik natürlich auch finden lassen. Es soll als Motto dienen für einen Durchgang durch sein reiches, in jeder Hinsicht vielfältiges lyrisches Werk bei Lektüre teils weithin bekannter, teils weniger beachteter und noch zu entdeckender Gedichte. Dabei sollen neuere Versuche ihrer Deutung, auch ihrer Kritik, ebenso einbezogen werden wie bedeutende musikalische Interpretationen. Das macht wesentlich den Reiz der Lyrik Goethes aus: dass sie bis heute immer wieder zu neuen Lektüren einlädt. Das Programm bietet neben Vorträgen und Gesprächen auch die Möglichkeit, Blicke auf kostbare Handschriften im Goethe- und Schiller-Archiv zu werfen.

 

Donnerstag, 4. März 2021

Individuelle Anreise zum Hotel Dorint Am Goethepark Weimar****s

15.00 Uhr
Willkommen zur Goethe Akademie!
Begegnungen und Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck
Elisabeth Bremekamp, Bensberg
Referatsleiterin, Thomas-Morus-Akademie Bensberg
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

16.00 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hotel
Das „Summa Summarum seines Lebens“
Goethes existentielle Lyrik
„Wie wenig Spur bleibt doch von einer Existenz zurück“, schrieb Goethe über seine Gedichte, als er in Rom an seiner ersten Werkausgabe arbeitete. Mit dieser Formulierung lenkte er die Aufmerksamkeit auf den Teil seiner Lyrik, der existentiell genannt werden kann. Existentiell sind Gedichte dann, wenn sie von menschlicher Existenz, zunächst des Verfassers oder der Verfasserin, sprechen. In ihnen geht es weniger um einzelne Erlebnisse als um das Erleben eines Menschen, seine Identität und sein Selbst-Bewusstsein, seinen Blick auf sich und die Welt, seine Beziehungen zu anderen, ebenso um Glaube, Krankheit und Tod. Goethe schrieb solche Gedichte zu allen Zeiten seines langen Schaffens.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz
Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

18.30 Uhr | Abendessen im Hotel­restaurant

20.00 Uhr I Lesung im Hotel
„Vieles reicht ich meinen Lieben“
Gemeinsame Lektüre ausgewählter Gedichte
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

Freitag, 5. März 2021

Frühstück

9.15 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hotel
„Es schlug mein Herz“
Die Lyrik der Geniezeit
Anfang der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts schrieb Goethe die ersten großen Gedichte – im Ton wie in der Form zuvor ungekannte, ja für die Zeit unerhörte Gedichte: Liebeslieder wie „Es schlug mein Herz“, das er später „Willkommen und Abschied“ nannte, oder seine großen Hymnen. So unterschiedlich die Texte sind, so zeigen sie ihn doch als jugendliches Genie, das neue Ausdrucksweisen für sein Erleben sucht: Die Lyrik macht Goethe so auch zu einer Form der Selbstaussprache, zumal über sein Lebensgefühl, seine Liebesfähigkeit und Bindungsunfähigkeit.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

11.00 Uhr | Spaziergang zum Goethe- und Schiller-Archiv

11.30 Uhr I Besuch und Präsentation
Gedichte Goethes, handschriftlich überliefert
Besuch des Goethe- und Schiller-Archivs – Teilgruppe 1
Im reichen handschriftlichen Nachlass Goethes sind Gedichthandschriften aus allen Epochen seines Schaffens überliefert; einige dieser Kostbarkeiten werden präsentiert und kundig erläutert.
Dr. Silke Henke, Weimar
Abteilungsleiterin Medienbearbeitung und -nutzung, Goethe- und Schiller-Archiv, Klassik Stiftung Weimar

Gelegenheit zur Mittagspause

14.30 Uhr I Besuch und Präsentation
Gedichte Goethes, handschriftlich überliefert
Besuch des Goethe- und Schiller-Archivs – Teilgruppe 2
Dr. Silke Henke, Weimar

16.30 Uhr I Vortrag und Gespräch
Goethe in Gesellschaft
Besuch der Goethe-Gesellschaft im Residenzschloss Weimar
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels Walther Wolfgang von Goethe wurde auf Anregung der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach 1885 die Goethe-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute die größte literarische Gesellschaft Deutschlands mit 2 500 Mitgliedern in 40 Ländern der Welt und kann auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken.
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

18.30 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

20.30 Uhr I Vortrag und Gespräch im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums
„Fülle des Wohllauts“
Gedichte Goethes in der Gestaltung großer Komponisten
Goethes Lyrik galt die besondere Zuneigung von Komponisten. Lieder u. a. von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Robert Schumann und Hugo Wolf werden in herausragenden Interpretationen zu Gehör gebracht.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

Samstag, 6. März 2021

Frühstück

9.00 Uhr I Vortrag und Gespräch im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums
„Warum gabst du uns die tiefen Blicke“
Die Lyrik der ersten Weimarer Jahre
Die ersten zwölf Weimarer Jahre waren nicht die fruchtbarste Zeit des Schriftstellers Goethe. Zwar fing er viel an, konnte aber nicht alles vollenden. Dennoch gelangen ihm einzelne große Gedichte – etwa ein Liebesgedicht wie das an Charlotte von Stein gerichtete „Warum gabst du uns die tiefen Blicke“ – oder Naturlyrik, die schon sein Bedürfnis nach Rückzug auf sich selbst in einer Zeit wachsender äußerer Inanspruchnahme verraten.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

11.00 Uhr I Vortrag und Gespräch im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums
„So wunderbar ist das Leben gemischt“
Gedichte der mittleren Jahre
In Rom und mehr noch über Rom schrieb Goethe Gedichte in antiken Metren, die er vor allem durch die klassische lateinische Dichtung (neu) kennengelernt hatte. Mit ihnen begann eine Epoche seines Schreibens, die in der Zusammenarbeit mit Schiller gipfelte. Hinter den antiken Formen scheint allerdings die Person bald zu verschwinden. Inmitten einer zunehmend rollenhaften Lyrik, bis hin zu den „Divan“-Gedichten, in denen er sich von antiken Vorbildern wieder löste, gestaltete Goethe jedoch auch eigenes Erleben unterschiedlicher Art, nicht zuletzt seine Liebessehnsucht.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

Gelegenheit zur Mittagspause

Nachmittags Gelegenheit zum individuellen Besuch der Weimarer Museen und Parks.

18.30 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

20.00 Uhr | Theaterbesuch
Lotte in Weimar
Ein „Goethe-Götter-Lustspiel“ nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann. Besuch der Aufführung im Theater im Gewölbe, mit Regine Heintze, Heike Meyer und Detlef Heintze. Inszenierung: Michael Kliefert/Detlef Heintze.
„Welch buchenswertes Ereignis!“, ruft der Kellner Mager aus, als er erfährt, wer da in seinem Gasthaus „Zum Elephanten“ abgestiegen ist: Die berühmte Heldin aus Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, Charlotte Kestner, geborene Buff aus Wetzlar, – das „Urbild“ der Lotte sozusagen! Eine heiter-ironische Abrechnung mit dem Starkult anno 1816 fast am Originalschauplatz.

Sonntag, 7. März 2021

Frühstück

9.00 Uhr I Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes

10.00 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hotel
„Schon ist alle Nähe fern“
Goethes Alterslyrik
Das Alter bescherte Goethe noch eine Zeit reicher lyrischer Produktion, die zu einem guten Teil von sentenzhaften, nicht selten polemischen Sprüchen bestimmt ist. In den Dornburger Gedichten, auch in den „Chinesisch-deutschen Jahres- und Tageszeiten“ reflektiert er sein Leben und seinen Blick auf die Welt und die Natur im Alter. Er widmet Menschen, die ihm nahestanden, intime Verse, mit dem „Vermächtnis“ verfasst er ein frühes existenzphilosophisches Gedicht. Mit solchen Texten beschließt Goethe seine subjektiv-persönliche Lyrik, die den verschiedensten Aspekten seiner Existenz galt.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

12.15 Uhr | Mittagsimbiss im Hotelrestaurant und Verabschiedung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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