Die Literatur der 2010er Jahre
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Gegenwart und Geschichte(n)

Die Literatur der 2010er Jahre

Die 2010er Jahre stehen politisch im Zeichen der ersten deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die seit Ablösung der rot-grünen Koalition von 2005–2009 sowie von 2013–2021 eine Große Koalition mit der SPD und von 2009–2013 eine Koalition mit der FDP führte. Durch den Einzug der 2013 gegründeten rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD) in das Europaparlament 2014 und in den folgenden Jahre in alle deutsche Landesparlamente sowie 2017 in den deutschen Bundestag änderte sich das politische Klima in Deutschland nachhaltig. Nach der europäischen Staatsschuldenkrise 2011 führte vor allem die „Flüchtlingskrise“ von 2015 und der Klimawandel zu gesellschaftspolitischen Zerreißproben.

Vor dem Hintergrund der zeitgeschichtlichen Ereignisse beschäftigen auch zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller die Auswirkungen der Wende auf das Leben in Deutschland. In den 2010er Jahren finden Erzählwerke große Beachtung, die der deutschen Vergangenheit und ihrer Bedeutung für die Gegenwart nachspüren, etwa von Jenny Erpenbeck, Eugen Ruge, Ferdinand von Schirach, Uwe Timm, Juli Zeh u.a. Eine Reihe von Romanen, die die Probleme Jugendlicher aufgreifen (z.B. von Wolfgang Herrndorf, Robert Seethaler) stoßen auf eine ebenso breite Resonanz wie solche, die sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzen (etwas von Arno Geiger, David Wagner u.a.).

Wir laden Sie herzlich nach Bensberg ein, um über die genannten Autorinnen und Autoren und einige ihrer wichtigsten Werke zu sprechen, die diese Dekade nachhaltig beeinflusst haben!

Samstag, 29. Oktober 2022

14.00 Uhr
Von der Jahrtausendwende zur Zeitenwende
– zeit- und kulturhistorischer Überblick
Ein kurzer Überblick skizziert die zeitgeschichtlichen Entwicklungen von der Jahrtausendwende bis zur Zeitenwende und konturiert einige kulturelle Strömungen, die sich in den 2010er Jahren herauskristallisieren. Außer politischen und ökonomischen Aspekten finden besonders solche künstlerischen und technischen Tendenzen Berücksichtigung, die auch die Lebensverhältnisse in den „alten“ und „neuen“ Bundesländern betreffen. Dabei rückt auch die filmische und literarische Bewältigung der sich verändernden Zeitumstände in Deutschland in den Mittelpunkt.

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr
Vergangenheitsfokusierung und Gegenwartsfixierung
Der Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart nachzugehen, motiviert viele Autorinnen und Autoren zu den unterschiedlichsten Darstellungsformen (in Gedichten, Dramen und Erzählwerken). Die häufig durch eigene Erfahrungen oder die von Freunden und Verwandten ausgelösten Erinnerungen haben etwa ihren literarischen Niederschlag gefunden in den viel beachteten Romanen von Jenny Erpenbeck, Robert Menasse, Rolf Rothmann, Eugen Ruge, Martin Walser u.a. Mitunter hat auch die berufliche Beschäftigung die literarische Betätigung angeregt, etwa bei den Juristen Herbert Rosendorfer, Ferdinand von Schirach und Bernhard Schlink oder ihrer Kollegin Juli Zeh, die allesamt erkenntnisfördernde Fallgeschichten von zeitgeschichtlicher Relevanz veröffentlicht haben.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Lyrik am Abend: zwischen Tradition und Innovation
Die Abendveranstaltung ist dem gemeinsamen Gespräch über Gedichte vorbehalten. Es werden ausgewählte Texte besprochen, die sich an lyrische Traditionen anschließen oder avantgardistische Tendenzen repräsentieren, denen in den 2010er Jahren wieder größere Resonanz beschieden waren als in vorangegangenen Dekaden. Besondere Aufmerksamkeit haben Lyrikerinnen und Lyriker erhalten wie Nora Gomringer, Durs Grünbaum, Nadja Küchenmeister, Christian Lehnert, Marion Poschmann, Monika Rinck, Jan Wagner, Judith Zander u.a., von deren Gedichttexten einige gemeinsam analysiert und interpretiert werden.

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 30. Oktober 2022
ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

8.00 Uhr
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes in der Edith-Stein-Kapelle

9.30 Uhr
Zwischen Herkunft und Zukunft
In den 2010er Jahren publizieren einige Autorinnen und Autoren Romane, in denen sie nach der eigenen Herkunft und zugleich nach deren Folgen für die eigene Zukunft fragen, wie z.B. Ulrike Draesner, Harald Gesterkamp, Felicitas Hoppe, Eugen Ruge, Saša Stanišić und Botho Strauß. Andere Schriftstellerinnen und Schriftsteller entführen in lesenswerten Büchern ihre Leserinnen und Leser in fremde Welten, wie Christoph Leisten (nach Marokko), Marion Poschmann (nach Japan), Jochen Rausch, Linus Reichlin und Norbert Scheuer (jeweils nach Afghanistan), Frank Schablewski (in die Türkei), Gernot Wolfram (nach Tunesien) u.a.

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Adoleszenz und Demenz in der Gegenwartsliteratur
Einige Schriftstellerinnen und Schriftsteller beschäftigen sich in den 2010er Jahren mit zwei für verschiedene Lebensalter wichtigen Themenkreisen: Während die Auseinandersetzung mit dem Jugendalter auf eine lange literarische Tradition zurückblickt, scheint die Demenz, die den Alterungsprozess möglicherweise begleitet, erst in den letzten Jahrzehnten auch Literatinnen und Literaten intensiver herauszufordern. Beeindruckende Beispiele für Adoleszenzromane bieten z.B. Wolfgang Herrndorf, Rolf Lappert, Wolf Haas und Robert Seethaler. Der Demenz und den von ihr betroffenen Menschen – häufig (Groß-)Eltern oder Ehepartner – nähern sich Michael Buselmeier, Arno Geiger, Stefan Schütz, David Wagner, Maren Wurster u.a. in ebenso einfühlsamer wie literarisch versierter Manier an.

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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