Ein Seminar zu Autor und Werk: Friedrich Dürrenmatt
© Metzger, Jack, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Friedrich Dürrenmatt zum 100. Geburtstag

Moralische Gesellschaftsdramen und kulinarische Kriminalromane

Friedrich Dürrenmatt (1921–1990) hat – nach ersten Theatererfolgen („Romulus der Große“, 1949) – in den 1950er Jahren als Verfasser von bis heute populären Kriminalgeschichten für Aufsehen gesorgt. Seine frühen Romane „Der Richter und sein Henker“ (1950), „Der Verdacht“ (1951) und „Das Versprechen“ (1958) haben nicht nur die Geschichte der Kriminalliteratur nachhaltig beeinflusst, sondern gehören noch immer zum schulischen Lektürekanon. Die teils mehrfachen Verfilmungen der genannten Titel haben zusätzlich für ihre mediale Verbreitung gesorgt – was in ähnlicher Weise auch für die verschiedenen Versionen von „Die Panne“ (1956) gilt, die der Autor als Prosa- und Theatertext, als Hörspiel und Filmdrehbuch eingerichtet hat; und sein letzter, ungewöhnlicher „Justiz“-Roman (1985) hat Leserinnen und Leser fasziniert, aber auch irritiert.

Der internationale Durchbruch als hintergründiger Dramatiker ist Dürrenmatt mit den Welterfolgen „Der Besuch der alten Dame“ (1956), „Die Physiker“ (1962) und „Der Meteor“ (1966) gelungen. Die überzeitliche Aktualität dieser Stücke zeigt sich sowohl in den in ihnen verhandelten Themen, die um Macht und Moral, Pflicht und Verantwortung kreisen, als auch durch die zahlreichen Inszenierungen auf in- und ausländischen Bühnen, welche die jeweiligen Stoffe auf recht verschiedenartige Weisen interpretieren.

Die Tagung konzentriert sich auf die Besprechung der genannten und einiger weniger bekannter Dürrenmatt-Texte, die sich durch ihre tiefsinnigen Gedankengänge, ihre mitunter grotesk wirkenden Figuren und aufgrund ihrer Ironie durch ein hohes Unterhaltungspotential auszeichnen.

Samstag, 26. Juni 2021

14.00 Uhr
Der Dichter und seine Mörder –
kulinarische Henkersmahlzeiten
Ein biografischer Überblick führt in Friedrich Dürrenmatts Leben ein, wobei auch die geschichtlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit Berücksichtigung finden werden. Besonders Dürrenmatts Suche nach seiner Identität als bildender Künstler und Schriftsteller, als Ehemann und Familienmensch nötigen ihm fundamentale Lebensentscheidungen ab, die nicht zuletzt – und anfangs fast wider Willen – zur Verfertigung einiger epochemachender Krimis führen. Dass diese ebenso den versierten wie engagierten Erzähler erkennen lassen, der sich darüber hinaus als Gesellschaftskritiker erweist, dessen bevorzugtes Ziel sein Heimatland darstellt, verbindet ihn mit seinem schweizer Landsmann Max Frisch, mit dem er zeitlebens eine konfliktreiche Freundschaft gepflegt hat. Besonders die Fälle, die Kommissär Bärlach in „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“ beschäftigen, genießen seit ihrem Erscheinen keineswegs nur bei Krimi-Leserinnen und -Lesern höchstes Ansehen – vielleicht auch wegen der ausgewählten Gerichte und angebotenen Getränke.

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

16.00 Uhr
Pannen ohne Ende –
edle Tropfen und lukullische Genüsse
Ein dominantes literarisches Thema, das sich durch fast alle Texte Dürrenmatts hindurchzieht, stellt die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Schuld, Sünde und Sühne dar, das vor allem in „Die Panne“ in besonders pikanter Manier zur Sprache gebracht wird. Wie genussvoll Dürrenmatt den verhandelten Fall als eine Art alternativer Gerichtsprozess entfaltet, belegen die – meist alkoholischen – Getränke und die auserlesenen Speisen, die in zunehmend angeheiterter Atmosphäre serviert und konsumiert werden. In diesem und anderen Stücken zeigt sich auch der Genussmensch, als der er sich einen Ruf als veritabler Feinschmecker erworben hat, der sowohl etwas von „edlen Tropfen“ als auch von kulinarischen Delikatessen versteht – und deren Bedeutungen nachzuspüren sich lohnt.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Szenische Lesung und literarische Unterhaltung:
Delikate Eskapaden
Eine literarische Blütenlese stellt die schönsten und witzigsten Stellen aus verschiedenen Schriften Friedrich Dürrenmatts vor. Außerdem haben die Teilneh­merinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zum Gespräch über ihre Lektüre- und Theatererfahrungen mit Dürrenmatts Texten.

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 27. Juni 2021

ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

 9.30 Uhr
Macht und Moral in „Der Besuch der alten Dame“
Sein wahrscheinlich berühmtestes Bühnenstück „Der Besuch der alten Dame. Eine tragische Komödie“ versammelt typische Themen und charakteristische Stilelemente von Friedrich Dürrenmatts dichterischem Universum: absurd anmutende Handlungskonstruktionen, existentielle Fragestellungen und skurrile Figuren. In diesem Werk wird deutlich, warum der anhaltende Erfolg dieses ebenfalls verfilmten Klassikers des modernen Nachkriegstheaters gerade auch daraus resultiert, dass die von Dürrenmatt mehrfach proklamierte „schlimmstmögliche Wendung“ einer Handlung in eine menschliche Katastrophe mündet, die zugleich für Leser/innen und Zuschauer/innen eine Aufforderung bedeutet, eigene Standpunkte in moralischer, religiöser und rechtlicher Hinsicht zu finden.

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Fortschritt versus Verantwortung in „Die Physiker“
Die Frage nach Möglichkeiten und Gefahren, Chancen und Risiken wissenschaftlicher Fortschritte und technischer Errungenschaften hat Friedrich Dürrenmatt zeitlebens intensiv beschäftigt, was sowohl einige filmische und malerische Artefakte dokumentieren als auch einige seiner dichterischen Werke. Eines der erfolgreichsten Beispiele dafür bietet die Komödie „Die Physiker“, in der u.a. die gesellschaftlichen Verpflichtungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Bezug zu ihrer persönlichen Verantwortung gestellt werden. Das Verhältnis von Macht(-Missbrauch) und Moral(-Verständnis) fordert und überfordert die in einer psychiatrischen Klinik behandelten Physiker und führt zu mehreren Verbrechen, die angeblich im Dienste übergeordneter Werte stehen sollen – und genau diese dadurch zur Disposition stellen. Mit Blick auf politische Entscheidungen, die auch wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen müss(t)en, rücken die von Dürrenmatt aufgeworfenen Fragen vor allem in Krisenzeiten, beispielsweise während einer Pandemie, in den Mittelpunkt.

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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