Eine bergische Sommerfrische im Bergischen Land.
© Heribert Bechen, flickr

Das Schöne

Kultur, Architektur und Landschaft im Wandel

Der Anmeldeschluss für diese Veranstaltung ist bereits eingetreten. Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte telefonisch unter 02204 408 472 oder per E-Mail an "> Vielen Dank!

„Das Schöne ist ein Urphänomen, das zwar nie selber zur Erscheinung kommt, dessen Abglanz aber in tausend verschiedenen
Äußerungen des schaffenden Geistes sichtbar wird und so mannigfaltig und so verschiedenartig ist als die Natur selber.“
Johann Wolfgang von Goethe

Sehnen Sie sich auch danach, endlich wieder schöne Dinge zu unternehmen, Kunst und Kultur zu genießen sowie interessanten Menschen zu begegnen? Das letzte Jahr hat uns gezeigt, wie sehr wir die „schönen Dinge“ für unser Leben brauchen. Sie geben uns ein Gefühl von Befriedigung, häufig auch von Leichtigkeit. Aber warum verlangt der Mensch nach Schönheit? Was wird als schön empfunden? Wie sehr ist dies vom Zeitgeist abhängig?

Das Staunen über Schönheit gehört seit der Antike zu den wichtigsten Themen der Philosophie. So galt die Schönheit lange gar als Abglanz des Göttlichen und als Beleg für die Existenz eines Schöpfergottes. Spätestens im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts kommt es allerdings zu einem Bruch: Schönheit habe in der industrialisierten Moderne ihren Geltungsanspruch verwirkt, da es in der Welt so hässlich zugehe. Jüngst aber deutet sich eine Kehrtwende an und findet die Erkenntnis Zuspruch, dass wir Menschen den Trost des Schönen benötigen.

Ihre Referenten/innen und Tagungsleitung

Donnerstag, 15. Juli 2021

Ab 13.00 Uhr
Willkommen in Bensberg!
Individuelle Anreise nach Bensberg

14.30 Uhr
Bon Café
Begrüßung bei Kaffee, Tee und Kuchen

  • Andrea Hoffmeier
    Akademiedirektorin, Bensberg
  • Dr. Andreas Thiel
    Kunsthistoriker und Archäologe, Bad Soden

16.00 Uhr I Vortrag und Gespräch
Schönheitshandeln in der beschleunigten Gesellschaft
Auf der Suche nach Resonanzerfahrungen?
Schönheit ist nicht nur ästhetisches Empfinden und Erscheinen, sondern auch ein wirkmächtiges Kommunikationsmedium, welches keiner Worte bedarf. Schönheitshandlungen – vom Spiegelblick bis zur Faltenkorrektur – gehören für die allermeisten Menschen zum Alltag dazu. Wir kommunizieren, wer wir sind, wer wir sein möchten und wie wir wahrgenommen werden wollen. Schönheit aber unterliegt auch den Einflüssen des Wandels. Mit steigenden Ressourcen und zunehmender Individualität dient Schönheit mehr denn je der Selbstpositionierung sowie der Orientierung in einer globalisierten und immer mehr auf das Visuelle ausgerichteten Gesellschaft.
Anna-Eva Nebowsky
Kulturwissenschaftliches Institut, Universität Duisburg-Essen

18.00 Uhr
Abendessen

19.30 Uhr I Vortrag und Gespräch
Vom Feigenblatt bis zum Schönheitspflaster
Eine augenzwinkernde Kostümkunde durch die Jahrtausende
Seit der Vertreibung aus dem Paradies war es aus mit der idealen Nacktheit. Das hübsch geschnittene Feigenblatt erweist sich auf die Dauer als unpraktisch. Stoffe aller Art, von der „gewebten Luft“ ägyptischen Königsleinens bis hin zur schweren Wolle der schöngefälteten Toga im griechisch-römischen Stil ersetzen das Blatt. Mit Purpur, Seide und Gold entsteht prunkvolle Schönheit bei Kaiser und Klerus, während das Bürgertum des Mittelalters und der frühen Neuzeit schlank geschnittenes Leder, pelzverbrämten Samt oder feingefärbten Stoff trägt. Seither definiert jede Generation Schönheit neu: einmal üppig, dann wieder zart, heute in Farben prunkend gleich dem Pfau, morgen in edlem Weiß. Vieles von dem, was man einst für „schön“ hielt, vom Rokokoreifrock bis zum Jugendstilreformkostüm, entlockt dem modernen Menschen in Drillichhosen aus indigoblauem Baumwollstoff ein Lächeln …
Dr. Andreas Thiel

Freitag, 16. Juli 2021

7.30 Uhr I Morgenimpuls
Frühstück
9.15 Uhr I Exkursion
Hinweis: Dieses Ziel wird von jeweils einer Gruppe am 16. und 17. Juli besucht.

„Ich bin verliebt in meine zahnbröckelnde Stadt, wo brüchige Treppen so hoch aufsteigen, unvermutet in einen süßen Garten, oder geheimnisvoll in ein dunkleres Viertel der Stadt.”
Else Lasker-Schüler

11.00 Uhr I Museumsführung
An die Schönheit
Von der Heydt-Museum, Wuppertal
Das Von der Heydt-Museum lädt ein zu einem Rendezvous mit den „Stars der Sammlung“. Das klassizistische Gebäude am Turmhof, einst das Rathaus Elberfelds, beherbergt kostbare Kunstschätze. Der Ausstellungs-Parcours führt durch die wichtigsten Epochen und Stilrichtungen der vergangenen 200 Jahre; vorgestellt werden Entwicklungen der Kunst vom 19. bis ins 20. Jahrhundert, von der Romantik zum Biedermeier, vom Impressionismus zum Expressionismus und Kubismus, über die Kunst der 1920er und 1930er Jahre bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Den Ausklang bilden verschiedene Kunstrichtungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit Otto Dix und Max Beckmann stehen sich hier zwei prägende Künstler der Neuen Sachlichkeit gegenüber. Dem Dix-Gemälde „An die Schönheit“ (1922) ist der beziehungsreiche Titel der Schau entliehen.
Dr. Wolfgang Till Busse
Kusthistoriker, Köln
mit Unterstützung ortskundiger Führer/innen

13.00 Uhr
Mittagessen
Café Podest, Wuppertal

14.00 Uhr I Führung
Eine ästhetische Sicht auf die Welt
Skulpturenpark Waldfrieden
Der britische Bildhauer Tony Cragg kaufte 2006 die 1947 bis 1950 von Franz Krause in organischen Formen erbaute Villa in Wuppertal und den sie umgebenden Park. Das Gelände ist, wie die ganze Stadt Wuppertal, durch eine steile, steinige, bewaldete Hanglage geprägt. Etwa 30 eigene Plastiken stellt Cragg hier aus. Hinzu kommen 20 Werke von befreundeten Künstlerinnen und Künstlern – wie Cragg allesamt internationale Stars und auf den großen Schauen wie Biennale und Dokumenta vertreten. So ergibt sich ein beeindruckendes Panorama zeitgenössischer Plastik: Es werden Werke großer Klassiker wie Joan Mirò und Henry Moore gezeigt, aber auch die zarten, klassizistisch anmutenden Frauenköpfe von Jaume Plensa oder die versponnen-ironischen Arbeiten des Wiener Bildhauers Erwin Wurm. Hinzu kommen zwei Ausstellungshallen in teils an Mies van der Rohe orientierter Glasarchitektur, die eine reizvolle Symbiose von Innenraum und Natur herstellen. Die Schau im Sommer 2021 befasst sich mit dem Zero-Künstler Heinz Mack, dessen Lichtbesessenheit im Park mit seinen variablen Beleuchtungssituationen einen geradezu kongenialen Ort finden dürfte. Anders als der geschlossene Ausstellungsraum konfrontiert der Park das Werk und den Betrachtenden mit vorübergehenden Erscheinungen des Tages- und Jahreslaufs. Der mächtige Waldschirm alter Laubbäume verbindet sich mit der Parkkulisse zum höchst lebendigen Ausstellungsgelände, das Wärme und Kälte, Nässe und Trockenheit, Laubfarben und Lichtreflexe des jahreszeitlichen Sonnenstands auf die Skulpturen einwirken lässt und Einfluss auf ihre plastische Erscheinung nimmt.
Dr. Wolfgang Till Busse

15.45 Uhr
Kaffee und Kuchen
Café Podest, Wuppertal

16.45 Uhr
Rückreise nach Bensberg

18.30 Uhr
Abendessen

19.30 Uhr I Musik mit Einführung
Musikalische Reise
Musik vom 17. bis 20. Jahrhundert
Reimund Merkens,
Klavier, Leverkusen

Samstag, 17. Juli 2021

7.30 Uhr I Morgenimpuls
Frühstück
9.15 Uhr I Exkursion
Hinweis: Dieses Ziel wird von jeweils einer Gruppe am 16. und 17. Juli besucht.

„Schön ist, was durch Vollkommenheit in seiner Art die Idee der Vollkommenheit im allgemeinen erweckt.“
Franz Grillparzer

11.00 Uhr I Museumsführung
Schön leben wie der Adel
Herrenhaus und Fabrik Cromford, Ratingen
Unmittelbar am Flüsschen Anger gelegen und eingebettet in einen alten englischen Landschaftspark befindet sich eine der ältesten erhaltenen Industrieanlagen in Deutschland: die Baumwollspinnerei Cromford in Ratingen. 1783/84 von dem Wuppertaler Kaufmann und Unternehmer Johann Gottfried Brügelmann gegründet, gilt sie als erste vollmechanische Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent. Direkt neben der Fabrik errichtete Brügelmann sein prachtvolles Herrenhaus. Das Gebäude war nicht nur die Schaltzentrale eines der bedeutendsten Unternehmen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, sondern gleichzeitig bürgerliches Wohnhaus einer der führenden Fabrikantenfamilien ihrer Zeit. Im Stil eines adligen Lustschlosses des Spätbarocks gebaut, spiegelt das Herrenhaus in Ausstattung und Ausmaßen Brügelmanns Erfolg wider und zeigt das Selbstbewusstsein der aufstrebenden „Klasse“ der Großindustriellen, welches sich auch in späteren Bauwerken im Rheinland und Ruhrgebiet ausdrückt.
Dr. Andreas Thiel mit Unterstützung ortskundiger Führer/innen

13.15 Uhr
Mittagessen
Restaurant Wasserburg, Ratingen

14.45 Uhr I Gartenführung
Von der künstlichen Schönheit der Natur
Parkanlagen von Schloss Benrath
Bei einem Spaziergang durch die weiten Parkanlagen von Schloss Benrath wird die unterschiedlich veredelte Natur entdeckt: vom waldähnlichen Jagdgarten über die Obstbaumwiese und den geordneten Küchengarten führen die Wege in ein italienisch inspiriertes Gartenparterre, einen französischen Garten voller Statuen und Wasserspiele in der Nähe des Rokokoschlosses bis hinein in einen kleinen romantischen Landschaftsgarten in englischem Stil.
Dr. Andreas Thiel

16.00 Uhr
Kaffee und Kuchen
im Schlosscafé, Düsseldorf-Benrath

17.00 Uhr
Rückreise nach Bensberg

18.15 Uhr I Vortrag und Gespräch
Von der natürlichen Schönheit der Kunst
Der antike Garten, der „locus amoenus“ als „lieblicher Ort“, wird seit Homer besungen und gemalt. Eine Spielart ist der schönste aller Gärten, der Garten in Eden. Als „hortus conclusus“, der „geschlossene Garten“, wird er zum Mariensymbol, zum „Paradiesgärtlein“, zum Klostergarten. In der Renaissance öffnen sich verspielte Pespektiven, drängen im Barock in eine unendliche Weite und finden in der Romantik zurück zur Natur. Monets Garten fängt einen Strahl der Schönheit des Elysium ein ...
Dr. Andreas Thiel

19.30 Uhr I KulturDinner
Eingedeckt
Die Umstände unseres neuen Alltags haben die Achtsamkeit für die verwendeten Zutaten bei Tisch deutlich gesteigert. Wir kaufen bewusst regional und saisonal, wir achten auf nachhaltige und gerechte Produktionsbedingungen und kochen vielleicht selbst wieder ein bisschen mehr. Dasjenige aber, das schon da ist, wenn wir uns an den gedeckten Tisch setzen, nehmen wir nach wie vor kaum wahr.
Dabei verdienen auch Geschirr, Besteck, Gläser und Servietten unsere Aufmerksamkeit. Auch sie werden von Menschen hergestellt, genutzt und mit einer Bedeutung versehen, die über das rein Funktionale hinausgeht. Denn die Tischkultur im engeren Sinne ist ein spannendes Instrument sozialer Distinktion und letzten Endes ein ganz wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Totalphänomens „Essen und Trinken“. Der Autor und Kulturanthropologe Johannes J. Arens dreht in kursorischen Erkundungen zwischen den Gängen des KulturDinners Teller und Tassen einmal um und geht ihren Geschichten auf den Grund.
Johannes J. Arens
Autor und Kulturanthropologe, Köln

Sonntag, 18. Juli 2021

Frühstück

10.00 Uhr I Wortgottesdienst
„Alles an dir ist schön, meine Freundin,
kein Makel ist an dir.“
Hohelied 4,7

11.15 Uhr I Matinee
Texte, Musik, Gespräche
Irritierende Schönheit
Gespräch mit
Dr. Stefan Kraus
Kunsthistoriker, Leiter des Museums Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln
Das architektonisch bereits vielfach prämierte Kunstmuseum des Erzbistums Köln wurde 2013 zum „Museum des Jahres“ gewählt. Erbaut hat es der Schweizer Architekt Peter Zumthor, jeder Saal ist eine Feier des Lichts und der Baukunst – und gleichzeitig bis ins Detail auf Begegnung mit den präsentierten Werken abgestimmt. Aber auch konzeptionell läuft im Kolumba vieles anders als im sonstigen Ausstellungsbetrieb. Sakrale Gegenstände stehen hier ganz selbstverständlich neben modernem Design und Gegenwartskunst, es gibt keinerlei Wandtexte oder Beschriftungen .

Rezitationen
Dr. Andreas Thiel

Musikalischer Beitrag
My Home Is My Castle
Da leben unter einem Dach unterschiedliche Musikstile, Sprachen, Temperamente und vor allem: je ein Musikinstrument, das in der Musik des anderen in der Regel nicht vorkommt. Das reizvolle Ergebnis: eine exklusive Begegnung von C-Klarinette und Cembalo mit ältesten jiddischen Melodien und barocken Spielerfahrungen.
Bernd Spehl (ehem. A Tickle In The Heart), C-Klarinette, Erftstadt
Natalia Spehl (Cölner Barockorchester), Cembalo, Erftstadt

13.15 Uhr
Mittagessen

14.30 Uhr I Verabschiedung
Auf Wiedersehen!

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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