Rom und das Latium. Erfahren Sie mehr über ihre Bedeutung in Renaissance und Barock
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Rom zwischen Renaissance und Barock

Die ewige Stadt im Zeitalter der Gegenreformation

Papst Paul III. begegnet den Einflüssen und Auswirkungen der Reformation mit der Einberufung des Konzils von Trient im Jahr 1545. Es entsteht in der Folge eine Art gegenreformatorische Aufbruchstimmung, die die Auseinandersetzung mit den Wissenschaften sowie eine Erneuerung von Theologie und Liturgie bewirkt.

Auch über die Rolle der Künste wird dort gestritten. Klar und deutlich solle diese sein in der Darstellung der Glaubensinhalte, nicht durch Mythologie oder hochgelehrte Allegorie verunklärt. Das Zeitalter des Barocks wird sich an diese Vorgaben halten und klare Pathosformeln finden.

Doch zwei Künstlergenerationen verlieren auf der Suche nach neuen Wegen fast die Orientierung … und sie müssen feststellen, dass die Kirchenfürsten für ihre Paläste und Gärten genau die Themen und Formen schätzen, die sie in Trient verdammt haben.

Was macht die Kunst in Rom und Latium zwischen 1550 und 1600 so besonders? Welche Regeln werden gebrochen, um das Neue hervorzubringen, welchen älteren Einflüssen kann sich niemand entziehen?

Samstag, 10. Juli 2021

14.00 Uhr
Die Gegenreformation als umfassende Aufbruchsbewegung
Kirchen- und Geistesgeschichte im päpstlichen Rom vom Tridentinum bis zum Heiligen Jahr 1600
Nach dem Konzil von Trient (1545-1563), mit dem die Katholische Kirche auf die Forderungen und Lehren der Reformation reagiert, geht von Rom eine bemerkenswerte „gegenreformatorische“ Aufbruchsbewegung aus. In ihrem Zentrum stehen eine neue Auseinandersetzung mit den Wissenschaften (Collegio Romano), ein neues Bemühen um die Priesterausbildung (Seminar-Idee) und die Pastoral (Katechismus, Philipp Neri), eine neuen Musikkultur der Liturgie (Palästrina) sowie überhaupt ein neues kulturelles Selbstverständnis (Barock). Erstmals ist das päpstliche Rom nicht nur (kirchen-)politisches Zentrum des Katholizismus, sondern auch dessen geistig-geistlicher Mittelpunkt. Die Jesuiten spielen dabei eine aus­schlaggebende Rolle.
Prof. Dr. Armin G. Wildfeuer, Professor für Philosophie an der Katholischen Hochschule NRW, Köln

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr
Im Banne Michelangelos
Kunstschaffen eines „Göttlichen“
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts malt Michelangelo die Decke der Sixtinischen Kapelle aus und meißelt die Figuren für das Grab Julius II. Seine Fresken und Skulpturen beeinflussen mehrere Generationen von Malern und Bildhauern. Nach dem Tod des Jahrtausendgenies im Jahr 1564 variieren Meister wie Landini oder Carracci vielfach die Motive Michelangelos. Wirklich Neues entsteht erst nach 1600 wieder.
Dr. Andreas Thiel, Kunsthistoriker und Archäologe, Bad Soden

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Päpstlicher Nepotismus
Der Einfluss der Familie Farnese
Papst Paul III. belehnt seine Familienmitglieder mit großen Herrschaften. Der römische Stadtpalast der Farnese, vor allem aber der Sommerpalast von Caprarola in Latium werden ausgestattet wie königliche Residenzen. Die gelehrten Bildprogramme der Festsäle suchen ihresgleichen. Hochkomplizierte Allegorien und Historiendarstellungen künden vom Ruhm des Geschlechtes über nicht weniger als die ganze bekannte Welt.
Dr. Andreas Thiel, Kunsthistoriker und Archäologe, Bad Soden

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 11. Juli 2021

ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

8.00 Uhr
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes in der Edith-Stein-Kapelle
Aufgrund der aktuellen Sicherheitsstandards ist eine Anmeldung unter https://bit.ly/2SijQIQ erforderlich.

9.30 Uhr
Lustschloss und Ordensheiligtum
Architektur im Zeichen der Gegenreformation
Giacomo da Vignola ist der wichtigste Architekt der Epoche. Er arbeitet mit Michelangelo an der Peterskuppel und für die Farnese an deren Palästen. Sein Meisterwerk aber ist „Il GesÙ“, die Mutterkirche der Jesuiten in Rom. In ihr kündigt sich der Barock in der römischen Architektur an. Daneben zeichnet Vignola sich auch verantwortlich für kleinere Gartenpaläste, wie etwa die Villa Giulia von Papst Julius III. in Rom.
Dr. Andreas Thiel, Kunsthistoriker und Archäologe, Bad Soden

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Bizarre Fürsten – bizarre Gärten
Zur Gartenkultur der Spätrenaissance
Aus dem kleinen Orangenhain des Belvedere im Vatikan entwickeln sich erst die großen Gartenterrassen des Papstpalastes und schließlich die herrlichen Gartenanlagen des späten 16. Jahrhunderts: die Villa d‘Este in Tivoli, die Villa Lante in Bagnaia und der „Sacro Bosco“ der Fürsten Orsini in Bomarzo. Die Gartenkultur der Spätrenaissance im päpstlichen Mittelitalien ist Weltkulturerbe.
Dr. Andreas Thiel, Kunsthistoriker und Archäologe, Bad Soden

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende der Akademietagung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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