Diener zweier Herren? Der heilige Heribert und die Ottonen-Seminar in Bensberg
© R. Spekking / CC BY-SA 4.0

Diener zweier Herren?

Der heilige Heribert und die Ottonen

Im Jahr 1021 ist der heilige Heribert als Erzbischof von Köln in seiner Heiligen Stadt gestorben und dort in seiner eigenen Klostergründung in Deutz bestattet worden. Bis heute liegt dort sein Leichnam, dort wird er verehrt. In Köln feiert man in diesem Jahr sein 1000-jähriges Gedächtnis.

Dieser Jahrestag ist Anlass, das Wirken und die Gestalt Heriberts in seinem historischen Kontext zu verorten und verständlich zu machen. Heribert hatte vor seiner Ernennung zum Erzbischof eine fast zeittypische Karriere hinter sich, die ihn eng sowohl mit den kulturellen und religiösen Strömungen der Zeit als auch mit dem Königs- und Kaiserhof in Verbindung brachte. Er wurde 994 zum Kanzler für Italien, 998 zum Kanzler für „Germanien“ und 999 schließlich zum Erzbischof von Köln ernannt. Die Nähe zur Macht war nicht frei von Fallstricken. Am Ende sollte der Bruch mit König Heinrich II. dazu führen, dass Heribert sich aus der großen Politik zurückzog und sein Wirken auf die Stadt Köln konzentrierte – mit Spuren, die bis in die Gegenwart sichtbar sind.

All dies bietet viel Stoff für ein vielfältiges Programm, zumal zwei mittelalterliche Lebensbeschreibungen aus dem 11. und 12. Jahrhundert überliefert sind, die zwar nicht frei von Verzerrungen und legendenhaften Ausschmückungen sind, aber gerade dadurch auch einen Einblick in das Denken und Fühlen der Zeit geben. Sie sollen in dem Seminar immer wieder zu Wort kommen.

Freitag, 1. Oktober 2021

14.00 Uhr
Europa um das Jahr 1000 -
Der historische Horizont Heriberts von Köln
Um 970 geboren, wurde Heribert in jungen Jahren Zeuge des frühen Todes Kaiser Ottos II., der Auftakt politischer Unruhen war, da Ottos Sohn gerade erst drei Jahre alt war und unter der – umstrittenen – Regentschaft seiner Mutter und Großmutter stand. An der Seite des heranwachsenden Otto III. wurde Heribert schließlich Zeuge politischer Stabilisierungen, ehe er sich nach dem Tod des Kaisers 1002 gegen den – am Ende erfolgreichen – Thronkandidaten Heinrich II. stellte. Das Reich war in Unordnung! Ähnliches galt für England, Frankreich und Italien, während in Ungarn und Polen die Königsherrschaft stabilisiert wurde. Parallel dazu hatten unter anderem der bevorstehende Jahrtausendwechsel und demographische Entwicklungen einen reformreligiösen Eifer entfaltet, der ganz Europa in eine vielfältige Unruhe versetzte. An den biographischen Etappen Heriberts entlang werden die gesamteuropäischen Entwicklungen beschrieben und das Handeln Heriberts verständlich gemacht, der von einem zeittypischen Reformeifer ergriffen war und zugleich in der hohen Politik mitwirkte.

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

16.00 Uhr
Adelsspross – Kanzler – Erzbischof
Eine geistlichen Karriere in der Reichskirche
Heribert war ein Kind seiner Zeit. Bedeutsam waren für ihn seine adligen Vorfahren. Zu seinen Lebensstationen gehörte die Ausbildung im Bildungszentrum Worms, seine reformreligiöse Prägung im berühmten lothringischen Kloster Gorze bis zu seinen hohen Ämtern in der Hofkapelle als Kanzler für Italien und schließlich sein Amt als Erzbi­schof. Jede dieser Stationen erweist sich im Nachhinein als fast folgerichtig, waren es doch zum Teil obligatorische Karriereschritte eines hohen Geistlichen. Aber auch Atypisches von Heriberts Karriere wird deutlich.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Die Konstruktion eines Heiligen
Lektüre aus den mittelalterlichen Lebensbeschreibungen des hl. Heribert
Heribert wurden in den 100 Jahren nach seinem Tod zwei Lebensbeschreibungen gewidmet. Den Anfang machte um das Jahr 1050 der aus Lüttich stammenden Mönch Lambert, der damals als Leiter der Schule in dem von Heribert gegründeten Kloster Deutz fungierte. Etwa 100 Jahre nach Heriberts Tod wurde dann der gelehrte Mönch und spätere Abt Rupert von Deutz mit einer weiteren Vita beauftragt. Beide Biographen beabsichtigten mit ihren Berichten allerdings nicht eine realistische Beschreibung des Protagonisten, sondern ein handlungsleitendes Idealbild, das den Mitbrüdern vor Augen gehalten werden konnte. Nach einer quellenkritischen Einführung folgt die Lesung ausgewählter Passagen aus beiden Viten mit anschließender Kommentierung und gemeinsamer Diskussion.

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Samstag, 2. Oktober 2021

ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

 9.30 Uhr
Diener zweier Herren: Heribert und die ottonischen Herrscher:
Konsens – Konflikt – Konzessionen
Lange stand Heribert in engstem Kontakt zu Otto III. und seinem Hof. Diese Königsnähe war mit politischer Teilhabe und persönlicher Treue verbunden. Kaum zufällig war Heribert 1002 in Italien an der Seite des sterbenden Kaisers Otto III., dessen Gebeine er dann aus Italien nach Aachen überführte. Mit den Reichsinsignien in seiner Verfügung versuchte er damals, Einfluss auf die nachfolgende Königswahl zu nehmen. Allerdings scheiterte er mit dem Versuch, seinen Verwandten, den Herzog Hermann von Schwaben, ins Spiel zu bringen. Zu dem stattdessen 1002 gewählten Heinrich II. blieb das Verhältnis dann eher kühl. Neben seinem reichspolitischen Wirken wird am Bespiel Heriberts auch deutlich, wie heikel und kontingent die Stellung eines Bischofs am Hof des Königs war.

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Heribert und Köln
Seit seiner Ernennung zum Erzbischof im Jahr 999 war Heribert mit Köln verbunden. In den ersten Jahren war er jedoch kaum am Rhein präsent, sondern an der Seite des Kaisers unterwegs, zumeist in Italien. Mit Verlust seiner führenden Rolle am Hof nach der Wahl Heinrichs II. nimmt die Präsenz und damit auch der Einsatz in Köln merklich zu, beginnend mit der Gründung der Abtei Deutz unmittelbar nach der Wahl Heinrich II. Die abschließende Einheit widmet sich dem belegbaren, aber auch legendenhaften Wirken sowie der späteren Verehrung und Verklärung Heriberts in Köln und diskutiert die Frage, welche Bedeutung Heribert, sein Wirken oder seine Legenden heute (noch) haben.

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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