Bunte Kirche in Soest. Kulturreise nach Westfalen
© Arne Maxi (CC BY-SA 4.0)

Vision – Fiktion – Illusion

Wandmalereien in westfälischen Kirchen

Westfalen besitzt die größte Dichte mittelalterlicher Dorfkirchen in Westdeutschland. Viele dieser Kirchen bewahren ihre historischen Ausmalungen, die größtenteils aus der Zeit von circa 1170 bis 1260 stammen – ein in ganz Deutschland einzigartiger romanischer Schatz. Die über ein Jahrhundert standardisierten und dennoch weiterentwickelten Dekorationselemente aus ornamentalen und marmorierten Schmuckbändern oder stilisierten Lebensbäumen finden sich so nur hier.
Auch die Folgezeiten der Gotik und der Renaissance hinterließen bedeutende Schöpfungen in Westfalen. Ein zunehmendes Interesse an der Erzählung führte seit dem 14. Jahrhundert zu großformatigen szenischen Bildern. Im 16. Jahrhundert schließlich entstanden illusionistische Dekorationssysteme, die einen Raum seinem architektonischen Bestand nach völlig umzuinterpretieren wussten.

Montag, 6. September 2021
Busreise von Köln (8.00 Uhr) und Bensberg (8.45 Uhr) nach Hallenberg
St. Mariä Himmelfahrt und St. Heribert in Hallenberg
Während sich in der Marienkirche das westfalentypische Dekorationssystem mit Rankenbändern und Lebensbäumen der Zeit um 1200 erhalten hat, ist in der benachbarten Heribertkirche 1558 ein illusionistisches Dekorationssystem angebracht, das die gratgewölbte romanische Halle täuschend echt als spätgotischen rippengewölbten Bau erscheinen lässt.
St. Peter und Paul in Wormbach
Die 800 Jahre alte Raumfassung mit aufgemalten Kapitellen und Säulen ist ergänzt durch die Tierkreiszeichen im Gewölbe und eine Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Apsis. Letztere ist eine der ältesten erhaltenen figürlichen Ausmalungen Westfalens (um 1190).
St. Cyriakus in Berghausen
Der mit Wormbach und der Marienkirche in Hallenberg vergleichbaren dekorativen Ausmalung des Langhauses steht die um 1210 angebrachte Chorausmalung mit Majestas Domini sowie alttestamentarischen und allegorischen Szenen gegenüber.

Dienstag, 7. September 2021
Nikolaikapelle und St. Patrokli
In der kleinen Zweistützenhalle St. Nikolai aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert lassen zartfarbige, schlaufenförmige Ornamentbänder die Gewölbe als luftig schwebende Zeltbahn erscheinen. Die figürliche Ausmalung in der Apsis von etwa 1250 ist in einer bereits ausgeprägten Form des rheinisch-westfälischen Zackenstils gehalten.
Die rekonstruierte schlichte Raumfassung des St. Patroklimünsters wurde 1954/55 ergänzt. Weitgehend original hat sich eine thronende Muttergottes mit Huldigung der Heiligen Drei Könige von etwa 1200 erhalten.
St. Petri
Die im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts entstandene romanische Raumfassung der Kirche gibt Leitmotive der westfälischen Dekorationssysteme der folgenden 50-60 Jahre vor. Gotische Figurenmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts ergänzen das System, darunter eine Kreuzigung aus der Werkstatt Conrad von Soests.
St. Maria zur Höhe
Auch wenn die Ausmalungen in der „Hohnekirche“ weitgehend Rekonstruktionen sind, vermitteln sie, inklusive der erhaltenen originalen Ausstattungsstücke – so das Scheibenkreuz von 1220/30 –, den Gesamteindruck eines typisch westfälischen Kirchenraums vor 800 Jahren.

Mittwoch, 8. September 2021
Evangelische Kirche St. Urbanus in Bad Sassendorf-Weslarn
Aus dem 13. Jahrhundert stammen das Langhaus und seine aus den üblichen Begleitbändern oder Lebensbäumen bestehende, filigran ausgebildete Dekorationsmalerei. Der frühgotischen Marienkrönung in der Nordapsis stehen in der Sakristei Fragmente der ältesten erhaltenen romanischen Figurenmalerei Westfalens von etwa 1160/70 gegenüber.
Evangelische Marienkirche in Lippstadt
Die bau- und regionalgeschichtlich bedeutsame, mit gotischem Hallenumgangschor versehene Kirche zeigt an der Südwand des romanischen Chorvorjochs eine im Westen seltene Darstellung der Entschlafung Mariens. In der späten Reformationszeit wurden die aufwendig marmorierten Gliederungselemente der spätromanischen Gewölbe mit allegorischen Tugendmalereien ergänzt.
St. Kilian in Lügde
Die wegen ihrer Steinsichtigkeit archaisch anmutende kreuzförmige Basilika aus der Zeit um 1170 zeigt im Langhaus ein zurückhaltendes, aber dennoch zeittypisches Dekorationssystem. Wie so häufig in Westfalen wurde die Figurenmalerei im Chorraum deutlich später ausgeführt (um 1210). Hier sind es die Apostel, die in Mahlgemeinschaft den Altar umstehen, ein Motiv, das sich in den folgenden 300 Jahren von Westfalen ausgehend bis an den Rhein verbreitete.

Donnerstag, 9. September 2021
Evangelische Kirche St. Andreas in Soest-Ostönnen
Die Gewölbebasilika ist nahezu unverfälscht in ihrem Erbauungszustand um 1170 erhalten. Die gesamte Raumgestalt wird durch bauzeitlich aufgemalte Architekturen und Ornamentbänder gegliedert. Die fast 100 Jahre jüngere Apsisausmalung zeigt das für die Romanik typische Bild der Majestas Domini, weist aber bereits gotische Stilelemente auf.
Evangelische Dorfkirche in Bochum-Stiepel
Die Ausmalung der Dorfkirche gleicht einem Katalog zur Entwicklung westfälischer Kunst des Mittelalters. Das mit figürlichen Szenen wie den Allegorien der Paradiesflüsse oder dem bethlehemitischen Kindermord angereicherte dekorative System des späten 12. Jahrhundert wurde in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts ergänzt. Der Drachenkampf des Hl. Georg (um 1470/80) oder der Apostelzyklus mit Paradiesszenen (Ende 16. Jahrhundert) künden von gotischen und frühneuzeitlichen Erweiterungen der Kirche.
Evangelische Kirche St. Johann Baptist in Dortmund-Brechten
Die zartfarbige und durch einen Hang zur Geometrisierung sich auszeichnende Dekorationsmalerei an Gewölben und Wänden aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wird überhöht durch eine in Malweise und Ikonographie äußerst anspruchsvolle Weltgerichtsszene im Chorgewölbe.

Rückreise nach Bensberg (Ankunft ca. 19.00 Uhr) und Köln (Ankunft ca. 19.45 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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