© Paulae

Humorist, Moralist, Gedichtakrobat

Erich Kästner: Leben und Werk

Erich Kästner (1899–1974) ist nicht nur als Verfasser zeitkritischer Kinderkrimis („Emil und die Detektive“) und spannender Jugendbuchklassiker („Pünktchen und Anton“, „Das Fliegende Klassenzimmer“, „Das doppelte Lottchen“) bekannt geworden und geblieben, sondern auch als Autor aufsehenerregender Großstadtromane für Erwachsene wie „Fabian“ und komödiantischer – meist erfolgreich verfilmter – Bücher wie „Drei Männer im Schnee“.

Aber auch als Dichter origineller Lyrikbände („Gesang zwischen den Stühlen“, „Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke“) und hintergründiger Balladen („Der Handstand auf der Loreley“, „Das Eisenbahngleichnis“) hat Kästner für Furore gesorgt – und vielfach Bewunderung, aber auch vehemente Ablehnung hervorgerufen, vor allem von Vertretern der nationalsozialistischen „Kulturpolitik“.

Während des literaturgeschichtlichen Seminars werden deshalb, nach einem Überblick über Kästners Leben, sowohl die humoristische Seite als auch die tiefere Bedeutung von Scherz, Satire und Ironie seiner bekannten und unbekannteren Texten aufgezeigt. Kästners Gedichte und Balladen stehen dann am Abend im Mittelpunkt, um über diese zu diskutieren, sie zu analysieren und zu interpretieren.

Samstag, 6. Juni 2020

14.00 Uhr
Begrüßung

Vom Muttersöhnchen zum Kinderonkel
Erich Kästner – eine erste Annäherung
Die Grundlagen für Erich Kästners Karriere als gefragter Journalist und promovierter Germanist, als Theaterkritiker und Drehbuchschreiber sowie als Lyriker und Romancier werden bereits in seiner Kindheit gelegt und von seiner ehrgeizigen Mutter zielstrebig vorangetrieben – was hinsichtlich der literarischen Artefakte des Autors nachzuzeichnen ein aufschlussreiches Unterfangen darstellt. Seiner menschlichen und künstlerischen Entwicklung – über die Schul- und Studienzeit bis hin zu ersten journalistischen Erfolgen und seinem Durchbruch als Dichter – gilt deshalb der erste Blick des Seminars.

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr
Humor und Moral
… kein Gegensatz in Kästners Gedichten
Das Spektrum von Kästners Lyrik erstreckt sich von einfachen Kinderversen und aufklärungsorientierten Jugendgedichten über zeitkritische Politpoeme bis hin zu erotischen Liebesgeschichten und traumatisch anmutenden Beziehungsanalysen in Strophenform. Dabei erweist sich der Erfolgsautor in seiner – von ihm selbst so bezeichneten – „Gebrauchslyrik“ als versierter Verseschmied, der traditionelle Gedichtformen (Balladen, Sonette u. a.) souverän beherrscht und diese für seine Zwecke einfallsreich adaptiert und virtuos variiert.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Gedichte für alle?!
Erich Kästners „Gebrauchslyrik“
Die Abendveranstaltung steht im Zeichen des gemeinsamen Gesprächs über ausgewählte Kinder- und Erwachsenen-Gedichte Kästners, von denen viele zum Kanon der deutschsprachigen Lyrik gehören. Dabei sollen sowohl die einschlägigen Themen und eingängigen Formen zur Sprache kommen als auch ihre Wirkungen auf die jeweiligen Zeitgenossen und auf uns „Nachgeborene“ heute.

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 7. Juni 2020

Frühstück für Übernachtungsgäste ab 7.00 Uhr

8.00 Uhr
Gelegenheit zur Mitfeier der Eucharistie in der Edith-Stein-Kapelle

9.30 Uhr
Emils Detektive und Fliegende Klassenzimmer
Kinderkrimis und Jugendbücher
Berühmt geworden ist Kästner vor allem durch seinen Kinderkrimi „Emil und die Detektive“ (1929) und dessen frühe Verfilmung von 1931. Auch in seinen folgenden Jugendbüchern „Pünktchen und Anton“ (1931), „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933), „Das doppelte Lottchen“ (1949) sowie in seinen ‚phantastischen Bilderbüchern‘ – beispielsweise „Der 35. Mai“ (1931) oder „Die Konferenz der Tiere“ (1949) – erweist er sich geradezu als Anwalt für die Bedürfnisse von Kindern gegen die Erwachsenen im Allgemeinen und Eltern im Besonderen.

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.15 Uhr
Egoisten und Moralisten
Berliner Leben in den „Goldenen Zwanzigern“
Als einer der – neben Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ – wichtigsten Romane der Weimarer Republik gilt Kästners „Fabian. Geschichte eines Moralisten“, der mit Werken von Hans Fallada, Leon Feuchtwanger oder Irmgard Keun zur so genannten „Neuen Sachlichkeit“ gezählt wird und die Atmosphäre des oft als Babylon bezeichneten Berlin in einprägsame Bilder und Szenen, melancholische Monologe und kontroverse Dialoge fasst. Kästner wird hier einmal mehr als hellsichtiger wie scharfzüngiger Epochenkritiker erkennbar.

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende der Akademietagung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

.