Berlin und seine Sammlungen der Avantgarde - Ferienakademie der Thomas-Morus-Akademie Bensberg
© F. Freudenfett, CC BY-SA 4.0

Am Puls der Zeit

Berlin und seine Sammlungen der Avantgarde

Nach langer Vorbereitung, endlosen Diskussionen und etlichen Konzeptänderungen ist im September 2021 das Humboldt Forum Berlin in einer Rekonstruktion des Berliner Schlosses eröffnet worden. Damit zeichnet sich eine Vision der Berliner Mitte mit ihrer Museumsinsel ab, die einerseits die barocke und klassizistische Architektur des „Spree-Athens“ wiedererstehen lässt, andererseits aus der Berliner Mitte ein kulturelles Zentrum mit Objekten der ganzen Welt und Weltgeschichte schafft – vom Jahrtausende alten Goldhut im Museum für Vor- und Frühgeschichte bis zum Königsthron aus dem afrikanischen Bamum im Humboldt Forum. In den vergangenen Jahren wurden eine Reihe von Berliner Museen renoviert, die jetzt wieder zugänglich sind. Ein idealer Zeitpunkt, um Berlin und seinen Sammlungen einen Besuch abzustatten.

Dienstag, 5. April 2022
Individuelle Anreise zum Leonardo Hotel Berlin Mitte****.
14.30 Uhr
Das facettenreiche 19. Jahrhundert
Ein erster Rundgang widmet sich Berlins neuer Mitte. Der Fokus liegt zunächst auf der Alten Nationalgalerie mit ihrer Sammlung des 19. Jahrhunderts und der beginnenden Moderne. Der liebevoll rekonstruierte Museumsbau ist Schatzhaus für die Malerei und Skulptur des Berliner Klassizismus, der Romantik und der Impressionisten. Die progressive Ankaufspolitik der Alten Nationalgalerie legte den Grundstein für die zahlreichen Sammlungen der Moderne in Berlin.
Anschließend wird die städtebauliche Umgebung des nahegelegenen Humboldt Forums erkundet.

Mittwoch, 6. April 2022
Modern und zeitgenössisch
Am zweiten Tag geht es in die westliche Antwort auf die Ostberliner Museumsinsel. Durch die Teilung der Berliner Sammlungen bis 1989 entstand hier mit Philharmonie, Neuer Nationalgalerie, Staatsbibliothek, Gemäldegalerie und Kunstgewerbemuseum ein neues, durch die Moderne charakterisiertes Kulturzentrum Westberlins, das sich bewusst vom Prunk der Museumsinsel absetzte. Die nach umfassenden Renovierungsarbeiten wieder eröffnete Neue Nationalgalerie im Bau von Ludwig Mies van der Rohe bietet einen Überblick moderner Kunst mit einem Schwerpunkt auf die ersten 70 Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Jahre nach 1975 werden im Hamburger Bahnhof gezeigt, der nachmittags auf dem Programm steht. Die dort ausgestellte Sammlung Marx bietet Werke von Beuys bis zur zeitgenössischen Kunst der Jetztzeit.

Donnerstag, 7. April 2022
Tempel und Bunker für die Kunst
Der Tag beginnt mit einem Besuch im Museum Berggruen, das sich im westlichen Stülerbau gegenüber dem Charlottenburger Schloss befindet. Es beherbergt die Sammlung des Kunsthändlers Heinz Berggruen, die mit Meisterwerken von Pablo Picasso, Giovanni Giacometti, George Braque, Paul Klee und Henri Matisse als eine der weltweit bedeutendsten Kollektionen der klassischen Moderne gilt. Titelgebender Schwerpunkt der Dauerausstellung „Picasso und seine Zeit“ sind die über 100 Exponate aus dem Werk des spanischen Künstlers, mit dem Heinz Berggruen freundschaftlich verbunden war.
Die unmittelbare Gegenwart wird dagegen im Kunstbunker Boros vorgestellt. In einem Flakbunker aus dem 2. Weltkrieg zeigt der Unternehmer Christian Boros in Sonderausstellungen seine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst. Es sind fast ausschließlich noch junge Kunstschaffende, die sich jedoch auf den verschiedenen Biennalen und großen Kunstschauen schon einen Namen gemacht haben. Die Galerienszene Berlins soll durch einen Gang über die Auguststraße erkundet werden. Ganz anders als im Westen Deutschlands dominiert hier noch immer die Nachkriegsmoderne der DDR-Epoche mit Akzenten vor allem auf die Leipziger Malerschule - wenngleich sich die Galerienszenen in Ost und West allmählich thematisch annähern.

Freitag, 8. April 2022
Kunst made in Berlin
Erstes Highlight am Morgen ist die Berlinische Galerie. Sie sammelt Kunst, die in Berlin entstanden ist, von 1870 bis in die Gegenwart. Die interdisziplinäre Sammlung umfasst Malerei, Skulptur, Installations- und Medienkunst, Grafik, eine der bedeutendsten Fotografiesammlungen Deutschlands und die dokumentarischen Nachlässe von Künstlern. Zu den rund 5 000 Objekten der Sammlung Bildende Kunst gehören Werke von prominenten Künstlerinnen und Künstlern wie Max Beckmann, Hanna Höch, Naum Gabo und Georg Baselitz. Auch zahlreiche Künstlergruppen sind vertreten, so etwa die Berliner Secession, Dada Berlin, die osteuropäischen Avantgarden, die Neuen Wilden und die junge Kunstszene nach dem Mauerfall 1989. Einen Schwerpunkt bilden die „Goldenen Zwanziger Jahre“. Die einerseits spezifisch Berliner und andererseits international aufgestellte Sammlung steht für den Kosmopolitismus der Spree-Metropole - bei gleichzeitiger lokaler Verwurzelung.
Nachmittags geht es ins Brücke-Museum in Berlin-Dahlem, wo der Nachlass Karl Schmidt-Rottluffs den Grundstock für eine der vollständigsten Sammlungen dieser Künstlergruppe bildet. Mit etwa 400 Arbeiten dokumentiert sie die erste deutsche Avantgardegruppierung des 20. Jahrhunderts, die sich 1905 in Dresden zusammenfand. Die expressive, oft sperrige und starkfarbige Kunst leitete die Moderne in Deutschland ein und fand zahlreiche Nachahmende bis hin zur Malerei der Neuen Wilden in den 1980er Jahren.

Samstag, 9. April 2022
Ein Universalmuseum in hybridem Gewand
Das gerade eröffnete Humboldt Forum vereint Sammlungen zur Geschichte Berlins, Objekte aus der Historie des Schlosses und vor allem die berühmten asiatischen und ethnologischen Kollektionen Berlins, die früher in Dahlem aufbewahrt wurden. Die hybride, teils moderne, teils rekonstruierte Architektur bildet einen faszinierenden, wenn auch problematischen Rahmen für die grandiosen Sammlungen. Umstritten ist neben der imperialen Kulisse die Provenienzgeschichte der Objekte, die aber sehr klar dargestellt wird.

Verabschiedung und individuelle Rückreise (ab ca. 13.00 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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