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Auf ein Wort mit …

… Andreas Fuhrmann. Er ist Diplom-Theologe, systemischer Berater und Gestalter. In seinen drei Jahren in einem benediktinischen Kloster in Süddeutschland erlebte er eine intensive Zeit des spirituellen Lernens und Lebens. Zusammen mit seiner Frau Beate Cyrus, Diplom-Pädagogin und systemische Beraterin, leitet er den Jahreswechsel der Einkehr im Kloster Schöntal vom 28.12.2019 bis 1.1.2020, der sich dem persönlichen Inne halten und Kraft schöpfen in dieser Zeit widmet.

Anne-Katrin Kleinschmidt war im Gespräch mit Andreas Fuhrmann über Zeiten, Orte und Möglichkeiten einer persönlichen Einkehr:

Zur Ruhe kommen, das eigene Tun reflektieren, spirituellen Wurzeln nachspüren oder sie entdecken – dies kommt bei vielen Menschen im Alltag zu kurz. Warum „vertagen“ wir die Sinnsuche allzu oft auf Urlaube und besondere Zeiten wie den Jahreswechsel?

Ich würde das lieber positiv formulieren. Ich glaube, Auszeiten, Urlaube und besondere Jahreszeiten, wie die Zeit zwischen den Jahren, sind vor allem eine besondere Chance und haben oft auch eine besondere Kraft und Intensität für unsere Fragen, Sehnsüchte und für Neuausrichtung. AndersZeiten und AndersOrte sind wichtig. Vieles, was in solchen Zeiten möglich ist, ist im Alltag gar nicht machbar. Und das ist auch gut und richtig. Auch Lebensformen, die sich „hauptberuflich“ mit Sinnsuche beschäftigen, nehmen sich spezielle Auszeiten, Klausur- und Besinnungszeiten. Die Herausforderung ist es dann allerdings oft, etwas Wertvolles aus diesen Zeiten mit in den Alltag zu nehmen. Hier ist wichtig, dass man sich nicht überfordert und kleine Schritte geht und es vor allem als Übung ansieht, bei denen immer wieder auch „Ehrenrunden“ erlaubt sind.

Wie können historisch geprägte oder auch Orte in der Natur dazu verhelfen, neue Blicke auf sich selbst zuzulassen und zu öffnen?

Jeder Ortswechsel ermöglicht erst einmal einen Perspektivwechsel. Ein neues Umfeld mit anderer Luft, anderen Düften und anderen Geräuschen regt die Wahrnehmung an und erleichtert das Abschalten. Oft ist der Ortswechsel an sich schon eine erste wichtige Intervention für mehr innere Offenheit und Selbstwahrnehmung.

Historische Orte, alte und neue Klöster, Bildungs- und Seminarhäuser, das Meer oder ein Wald sind oft auch ruhiger und einsamer als unser Alltag, zumindest unter bestimmten Aspekten. Wir werden nicht ständig von anderen angefragt, hinterfragt, beurteilt und bewertet, wir haben keine Termine außer einer festen Tagesstruktur, und die meisten Menschen haben das gleiche Tempo wie wir. Natürlich hilft auch, dass man an solchen Orten oft das Handy auslässt oder eh keinen Empfang hat und sich nicht ums Essen kümmern muss. Die reizärmere und weniger alltägliche Situation macht es uns dann einfacher, uns selbst wahrzunehmen und uns selbst nicht aus dem Weg zu gehen.

Besondere Orte und die Natur haben natürlich darüber hinaus noch eine ganz eigene Kraft. In einem Kloster stellt man sich in eine Tradition oft Jahrhunderte langer Zentrierung, Introversion und Gottsuche. Ich glaube, dass man das spürt.

Das Leben im Kloster gestaltet sich nach festen Zeiten und Rhythmen, im Jahr, aber auch innerhalb eines Tages. Was können wir von der klösterlichen Spiritualität lernen und aufgreifen?

Für mich persönlich sind es im Wesentlichen fünf Punkte:

  1. Der Tagesrhythmus ist natürlich eines der klassischen Merkmale und wesentlichen Elemente im monastischen Leben. Feste Zeiten für Gebet, Essen, Rückzug, Erholung, Meditation und Gemeinschaft wechseln sich ab. Im Mittelpunkt stehen die Gebetszeiten, die den Tag immer wieder unterbrechen. Der Hl. Benedikt schreibt, dass dem Chorgebet nichts vorzuziehen ist. Die Arbeit soll liegenbleiben, sobald die Glocke läutet. Neben der Kraft, die das Gebet und der Meditation an sich haben, ist die tägliche Übung aber auch, den Wert unseres Schreibtisches nicht übermäßig wichtig zu nehmen und sich immer wieder neu auszurichten – seien es auch nur 20 Minuten, oder 5 oder manchmal auch nur 30 Sekunden.
  2. Zum Rhythmus der Mönche gehören auch die täglichen Stillezeiten auf seinem Zimmer. Für den Mönch ist seine Klosterzelle ein Ort der Alleinzeit, des Horchens und der Auseinandersetzung. Der heilige Benedikt rät einem sogar, viel Zeit in der Zelle zu verbringen, sie würde einem alles lehren, was man braucht. Ich denke es kann hilfreich sein, sich solche Stillezeiten und geschützte Räume zu schaffen – egal wie sie konkret aussehen mögen.
  3. Der heilige Benedikt schreibt in seiner Regel auch, dass man alles wie heiliges Altargefäß behandeln soll. Das klingt erstmal sehr katholisch, aber so oder so ähnlich gibt es diese Übung in vielen Spiritualitäten und Philosophien. Es heißt vor allem, dass wir achtsam mit den Dingen umgehen sollen und auch den scheinbar alltäglichsten und einfachsten Gütern einen Wert und eine Aufmerksamkeit beimessen sollen, um sie nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Diese Haltung ändert schnell unseren Rhythmus, unsere Wahrnehmung und auch unseren Umgang mit Zeit. Probieren Sie es mal aus. Es fängt beim ersten bewussten Kaffee an, geht über das Spülen des Geschirrs bis zum Schließen der Jalousien.
  4. Außerdem habe ich erfahren, wie wertvoll es sein kann, mit wenigen und ganz anderen, als den sonst üblichen Dingen und Gewohnheiten auszukommen. Im Benediktinischen soll man sich bei jeder Anschaffung fragen: „Brauch ich das wirklich? Wenn ja, warum?“ Hierbei geht es nicht um Askese und übertriebenes Nichts-Haben, sondern um die Frage, welches Bedürfnis hinter dem Wunsch steckt. Auch ein emotionales Bedürfnis kann hier seine Berechtigung haben und gut sein. AndersZeiten und AndersOrte können helfen, die eigenen, echten Bedürfnisse besser zu reflektieren und zu spüren.
  5. Als letztes habe ich den Wert von Zeiten erfahren, in denen man auf sich selbst schaut. Besonders ganz am Anfang der Zeit im Kloster durfte ich eine intensive Zeit der Selbsterfahrung und Selbstkonfrontiertheit erfahren. Ich habe erfahren, wie wichtig es ist, sich Zeiten oder Räume zu nehmen, in denen man in seinen Prozessen nicht abgelenkt ist, wo man nicht weglaufen und den Dingen gut begleitet und sicher in die Augen schauen kann – ohne sich nach außen rechtfertigen zu müssen. Wie gut und wichtig es sein kann (nicht muss), auch mal schlechte Zeiten haben zu dürfen.

 

Sehr geehrter Herr Fuhrmann, wir danken Ihnen für das Gespräch und sind gespannt auf die Veranstaltung zum Jahreswechsel im Kloster Schöntal!

Die Fragen stellte Anne-Katrin Kleinschmidt, Referentin der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

Weitere Informationen zur Veranstaltung „Inne halte. Kraft schöpfen.“ finden Sie hier.

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Auf ein Wort mit …

… Elisabeth Mölders. Sie ist Trainerin für das Bensberger Mediations-Modell und Trainerin für den No Blame Approach. Seit 1997 arbeitet sie an ihrer Schule (Gymnasium) mit dem Modell. Seit 2001 leitet sie Workshops zum Bensberger Mediations-Modell, zudem koordiniert sie die Angebote für die Sekundarstufe.

Sie sind als Trainerin seit vielen Jahren in der Thomas-Morus-Akademie bei der Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern, Schulsozialarbeitern und Pädagogen im Bereich der Streitschlichtung aktiv. Was fasziniert Sie immer noch an der Schulmediation?

Zu erleben, wie zwei Streithähne, die sich so ineinander verbissen haben, dass sie gar nicht mehr fähig sind, dem Unterricht zu folgen, aber nach dem Gespräch mit dem Schlichtern zufrieden in die Klasse kommen und wieder ungestört meinem Unterricht folgen können. Zu erleben, dass schon Grundschüler keine Angst mehr vor Streit haben, weil sie lernen, konstruktiv damit umzugehen. Zu erleben, dass junge Menschen empathisch „in den Schuhen des anderen laufen“ können, um sich gegenseitig besser zu verstehen. Zu erleben, dass Streit von uns Erwachsenen nicht mehr unter den „Teppich gekehrt“ oder negiert wird, sondern alle gemeinsam nach Lösungen suchen. Zu erleben, dass Kinder und Jugendliche Verantwortung für ihr Verhalten im Konflikt übernehmen, ist für mich ein ungemein wichtiger Beitrag zur heutigen Demokratieerziehung. All das fasziniert mich heute mehr denn je und überzeugt mich, auf dem richtigen Weg zu sein.

Die Qualifizierung erfolgt nach dem in Bensberg entwickelten Bensberger Mediations-Modell. Was macht dieses Modell so einzigartig?

Einzigartig sind die zwei identischen Säulen, auf denen das Modell aufgebaut ist, die Intervention und die Prävention. Die Säule der Intervention greift sofort im konkreten Streitfall. Gemeint ist damit das klassische Konfliktgespräch im Streitschlichtungsraum, aber auch die von uns entwickelte und sehr wirkungsvolle „Erst-Hilfe im Streit“, eine Kurzintervention zum Beispiel für den Pausenhof. Krönung ist der Umgang mit dem Hosentaschenbuch, mit dessen Hilfe Kinder und Jugendliche ihre Streitigkeiten eigenständig lösen können. Darüber hinaus schaffen wir mit dem Ansatz des No-Blame-Approach ein aktives und zugleich effektives Vorgehen gegen Mobbing in unserem Modell.

Die Säule der Prävention ist das Klassenprogramm „Anders streiten“ mit besonders nachhaltiger Wirkung. Hierbei erwerben Kinder und Jugendliche die notwendigen Schritte für den Ernstfall. Diese Struktur schafft eine positive Haltung und Vertrauen zum und im Konflikt. Unterstützend wirkt sich die Arbeit mit entsprechenden Werten für die Klassengemeinschaft aus. Diese Nachhaltigkeit belegt eine Dissertation des Lehrstuhls für Kriminologie der Ruhruniversität Bochum.

Einzigartig macht das BMM auch, dass wir von der Kita bis in die Sekundarstufen in beiden Säulen immer nach den gleichen Regeln und Ritualen vorgehen können. Das schafft gelebte Nachhaltigkeit.

In der Schule werden Schülerinnen und Schüler zu Streitschlichtern/Schulmediatoren ausgebildet und lernen, kleineren Mitschülern bei der Konfliktlösung zu helfen. Welche Kompetenzen lernen sie dabei auch für ihren persönlichen Umgang mit Konflikten?

Schülermediatorinnen und Schülermediatoren erwerben bzw. erweitern in ihrer Ausbildung ihre sozialen Kompetenzen, so z.B. ihre kommunikativen Fähigkeiten, „aktives Zuhören“. Sie erlernen in Rollenspielen die Gesprächsführung im Konfliktgespräch. Das ist nicht nur „Handwerkszeug“, sondern vielmehr auch Haltung, lösungsorientiert, nach vorne schauen. Sie werden dadurch in die Lage versetzt, kompetent Verantwortung im System Schule zu übernehmen. Dies bleibt sicherlich nicht ohne Folgen für ihre zukünftige Rolle in der Gesellschaft. Ausgebildeten praxiserfahrenen Schlichterinnen und Schlichtern vermittelt die Schule erfahrungsgemäß so wichtige Zusatzqualifikationen für ihre spätere berufliche Ausrichtung.

Die Streitschlichterinnen und Streitschlichter sind in der Schule nur eine kleine Gruppe. Wenn das Verfahren der Mediation so gut hilft, Konflikte zu lösen, müsste diese dann nicht ein verpflichtender Baustein der Pädagogik in der Schule sein?

Ich würde gerne noch eine Ebene vorschalten: Da die Lehrerinnen und Lehrer die Multiplikatoren der Schulmediation sind, sollten diese schon während ihres Studiums bzw. des Referendariats Möglichkeiten der Information bzw. Ausbildung erhalten. Es sind schon längst keine Einzelfälle mehr, dass uns in dieser Phase ehemalige Schlichterinnen und Schlichter begegnen, ein sicheres Signal dafür, dass die Mediation in unserer Gesellschaft angekommen ist und als selbstverständliches Verfahren akzeptiert wird.

Ja, ich erlebe dieses Modell als einen Gewinn für jede Schule. Alle Beteiligten, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, auch Betreuerinnen und Betreuer im Ganztag, Eltern, kurz: Alle sprechen die gleiche Sprache im Konflikt.

Das Bensberger Mediations-Modell (BMM) hält für die verschiedenen pädagogischen Institutionen ein breitgefächertes Angebot bereit. Wünschenswert wäre, wenn dieses Angebot noch mehr flächendeckend von unseren Schulen angenommen würde. Sicherlich ein ehrgeiziges Ziel. Mit dem zukünftigen Blick auf das System Schule und auf die kommenden Generationen aber ein unverzichtbarer Schritt, um konstruktiv Verantwortung in unserer Gesellschaft zu übernehmen.

Sehr geehrte Frau Mölders, wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf die kommenden Mediations-Workshops mit Ihnen.

Die Fragen stellte Andreas Würbel, Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

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10. Bergische Landpartie mit Ministerin in Bensberg

Bei sommerlichen Wetter eröffnete NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser mit einem Grußwort den „bergischen Markt“. Ministerin Heinen-Esser betonte die Wichtigkeit von Regionalität und Biodiversität.

42 Austeller beteiligten sich dies10BGL_ KSHmal an der Bergischen Landpartie. Die Ministerin gratulierte den Akteuren der Bergischen Landpartie zum zehnjährigen Jubiläum und hob die Wertigkeit von Lebensmitteln hervor.

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Köstliches, Frisches und echtes Handwerk, das bot der „bergische Markt“ auf den Wiesen des Kardinal Schulte Hauses den ca. 3.800 Besuchern. Sie konnten die landwirtschaftliche, kulinarische und kunsthandwerkliche Vielfalt der Region erleben und Nachschmecken.

 

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Im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung standen das Schaf, seine Haltung und Produkte vom Schaf. Auf der Wiese demonstrierte Gert Dumke die Schafschur. „Mit den Schafen kann man besonders ertragsschwache Flächen beweiden, die so Grünland bleiben. So bleibt die typische Kulturlandschaft erhalten“, begeistert sich Biokreis-Landwirt Peter Schmidt vom Klosterhof Bünghausen für das Tier.

 

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Die Veranstalter der 10. Bergischen Landpartie – die Thomas-Morus-Akademie, das Kardinal Schulte Haus, der Landschaftsverband Rheinland sowie der Naturpark Bergisches Land – freuen sich über den großen Erfolg und werden sich weiterhin für Regionalität einsetzen.

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Begeistert ist auch die Direktorin der Thomas-Morus-Akademie Bensberg, Andrea Hoffmeier (linkes Foto links) nach dem Erlebnis der 10. Bergischen Landpartie: „Es ist eine Freude, unseren Gästen zu begegnen. Ein reichhaltiger Schatz an Menschen, die wie wir die Welt erkunden wollen.“ Der Stand der Thomas-Morus-Akademie Bensberg war auf der 10. Bergischen Landpartie rege besucht und es ergaben sich viele interessante Gespräche. „Wir freuen uns auf ein Wiedersehen bei unseren Veranstaltungen!“, so Andrea Hoffmeier.

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Auf ein Wort mit …

Peter Schmidt, Aussteller auf der 10. Bergischen Landpartie. Der Biokreis-Landwirt kümmert sich auf dem Klosterhof Bünghausen als Betriebsleiter um den Bereich der Schaf- und Rinderhaltung. Bei der Kampagne „Vielfalt lebt“ des Naturparks Bergisches Land wirkt er daran mit, dass Vielfalt von Kulturpflanzen und Nutztieren gefördert wird. Außerdem hat er bereits mehrere Bücher mit Freizeittipps und Wanderungen im Bergischen Land veröffentlicht.

Mit großer Überzeugung züchtet Peter Schmidt Schafe auf dem Klosterhof Bünghausen. Seinen Namen hat der Klosterhof von der alten Hofschaft Kloster in Gummersbach-Bünghausen. Hofeigentümer sind Peter Schmidt und seine Frau Susanne Schulte. Sie wollen alten Rassen Perspektiven geben und gehen dafür auch ungewöhnliche Wege wie zum Beispiel „Tier-Patenschaften“, die sie vergeben. Das Schaf und das Bergische Land sind für Peter Schmidt ein ideales Paar und auch die 10. Bergischen Landpartie will die Bedeutung des Schafes für die Region besonders herausstellen. Daher hat Babette Braun von der Thomas-Morus-Akademie Bensberg den Schafexperten zum Gespräch eingeladen.

Herr Schmidt, Sie sagen, das Schaf sei ein ganz besonderes Glück für das Bergische Land. Was hat das Schaf denn anderen Tieren, wie z.B. Ziegen oder Kühen, voraus und was tut es dem Bergischen Gutes?

Das Schaf weidet einfach anders als Ziegen oder Kühe. Mit den Schafen kann man besonders ertragsschwache Flächen beweiden, die so Grünland bleiben. So bleibt die typische Kulturlandschaft erhalten. Zudem arbeiten die Schafe als Samentaxi und tragen Blumen-, Gräser- und Kräutersamen weiter. So sorgen sie für pflanzliche Vielfalt auf den Weiden.

Im Bergischen Land weiden viele Schafrassen, die nicht aus der Region stammen. Auf anderen Gebieten von Flora und Fauna heißt es aber doch, dass die fremden Arten unsere angestammten verdrängen und so Probleme schaffen …

Das ist ja rasse- und sortenabhängig. Bei den Pflanzen hat z.B. die Herkulesstaude keine natürlichen Feinde und ist gefährlich für Menschen. Der Wolf wiederum ist eine immense Gefahr für unsere weidenden Schafe – die Ausbreitung solcher Rassen und Sorten gefährdet die Bergische Kulturlandschaft. Andererseits hat das Bergische keine wirklich einheimische Schaf-Rasse – alle Rassen sind irgendwann zu uns geholt worden. Diese Rassen haben hier eine gute Heimat gefunden – egal, ob es das Bentheimer Landschaf ist, das Coburger Fuchsschaf oder auch das Bergschaf. Der Klimawandel macht es auch möglich, dass künftig neue Rassen und Sorten bei uns heimisch werden – dies gilt für die Nutztiere genauso wie für die Pflanzen und Tiere in der Natur.

Was brauchen Schaf und Schafhalter, damit sie solide fußfassen und dem Bergischen dienen können?

Die Schafe und Schafhalter haben ja nun im Bergischen Land bereits Fuß gefasst – das Bergische ist eine Hochburg der Landschafzucht in NRW. Allerdings sind die Zukunftsperspektiven nicht einfach – Schafhaltung bedeutet Arbeit, die Erlöse für die Produkte sind zu gering, die Auflagen für Einsteiger in die Schafhaltung hoch, die Angst vor dem Wolf groß. Wenn wir mehr junge Schafhalter gewinnen wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen bessern und bessere Erlöse für die Produkte der Schafhaltung ermöglichen. Erster Schritt: Bei heimischen Schafhaltern einkaufen – und nicht ständig nach den billigsten Produkten suchen.

Sehr geehrter Herr Schmidt, wir danken für das Interview und freuen uns, dass wir Sie und einige Ihrer Schafe bei der 10. Bergischen Landpartie zu Gast haben.

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Ein Programm mit Denkgenuss und Entdeckerfreude

Gemeinsam neue Welten und Sichtweisen zu entdecken, das ist die Leidenschaft der Thomas-Morus-Akademie Bensberg. Dies spiegelt sich auch in unserem neuen Akademie-Programm (August 2019 bis Februar 2020) wider. Unsere Veranstaltungen greifen Blickpunkte in Kirche und Gesellschaft auf. Politik, Kultur, Religion – gemeinsam mit Ihnen schauen wir genauer hin, beleuchten Hintergründe und suchen nach neuen Ansätzen. Dies alles bietet Ihnen die Thomas-Morus-Akademie Bensberg in vielfältigen Veranstaltungsformaten. Denkgenuss und Austausch in der Diskussion bieten z.B. unsere Akademietagungen. „Von Gott unter Menschen reden – geht das gut?“, „Bilder lesen lernen“, „Hagios – Mitsing-Liederabend mit dem Komponisten Helge Burggrabe“ im Kölner Dom, „Energiewende intelligent gestalten“ – sind einige Hinweise aus dem Programm. Erkunden können Sie mit uns Künstlerateliers im Rheinland, ungewöhnliche Kirchen in Köln oder auch die Erinnerungslandschaft Hürtgenwald. Unsere Workshops vermitteln Kenntnisse in Schulmediation und Ferienakademien tragen Sie in neue Welten, wie nach Krakau, Triest oder ins faszinierende Andalusien. Wenn Sie sich informieren oder weiterbilden möchte, können Sie sich der Akademie anvertrauen. Wir freuen uns auf Sie.

Halbjahresprogramm

Das Programm als pdf-Datei zum Download.

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Auf ein Wort mit … Dr. Arno-Lutz Henkel, Theologe und Kunsthistoriker, katholischer Priester mit portugiesischen Wurzeln, Pfarrer in der Pfarreiengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler

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Eine geistvolle Zeit: Das ist Pfingsten für Christinnen und Christen, die an diesem Hochfest die Aussendung des Heiligen Geistes feiern.

Geistvoll zu sein ist auch der Wunsch, von dem sich viele Menschen durch ihr Leben tragen lassen. Was aber kann es bedeuten, tatsächlich geistvoll zu sein? An zwei Abenden in der Woche vor Pfingsten lädt Herr Pfarrer Arno-Lutz Henkel ein, auf den biblischen Spuren dieser Frage „45 Minuten in das eigene Leben“ zu investieren. Ihn hat Herr Dr. Michael Hartlieb gefragt, was er selbst unter einem geistvollen Leben versteht …

Lieber Herr Pfarrer Henkel, geistvoll zu sein, davon träumt wohl jeder Mensch. Was zeichnet diesen Zustand für Sie aus?

Die meisten Menschen wollen in der Tat nicht von allen guten Geistern verlassen sein. Für mich bedeutet „geistvoll“ ein Zweifaches: Zunächst und ganz wesentlich erfüllt, angefüllt zu sein von dem, was mein alltägliches Leben nährt: in und durch Beziehungen, der bleibenden Zusage, dass mein Leben von Gott zum Sinn berufen ist und ich mich vertrauend darauf verlassen darf – inmitten dieses Lebens und darüber hinaus! Sodann eine geistliche Spannkraft – ein geistvoller Mensch lässt sich hineinnehmen in Gottes Auftrag der Welt- und Lebensgestaltung.

Haben Sie selbst schon in dieser Hinsicht die Erfahrung gemacht, vom Geist erfüllt zu sein? Wie haben Sie dies erlebt?

Ein Kennzeichen des Geistes ist nach meinem Dafürhalten, dass er sich jeglicher menschlicher Verfügbarkeit entzieht. Er weht ja, wo er will. So bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als in der Rückschau von Ereignissen nach solchen Momenten Ausschau zu halten. Auch ich deute heute im Rückblick die eine oder andere Situation als eine von Gottes Geist durchwirkte und geformte. Konkret denke ich an die Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen, denen ich als Priester nahe sein durfte, aber auch an eine in Armenien, im Kloster Geghard, wo mich durch den Gesang in einer der dortigen Höhlenkirchen eine tiefe Ruhe und ein tiefer Frieden erfüllte.

Sie legen großen Wert darauf, die Bibel als Sammlung menschlicher Urerfahrungen auszudeuten. Welche Geschichte des AT erscheint Ihnen am geistvollsten?

Für mich bleiben die Gestalten der Erzväter und -mütter prägend. Sie konjugieren in ihrem Leben das durch, was letztlich zum Glauben als Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch unwiderruflich dazugehört. Beziehung will geistgewirkt sein: Im Anruf durch das Du an mein Ich und in meiner Antwort, die durch mein Ich immer auch (meine) Welt dem Du vorstellt und unweigerlich den anderen und das andere, von mir Unterschiedene miteinschließt. Für mich zählen Abraham und Sara zu jenen Gestalten, die dieses Geschehen sehr ansprechend verkörpern und menschlichen Lebensraum als Möglichkeit geisterfüllter Wirklichkeit veranschaulichen.

Sehr geehrter Herr Herr Pfarrer Henkel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Dr. Michael Hartlieb, Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

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10. Bergische Landpartie – Die Vielfalt einer Region

Lernen Sie kennen:

‚Tier- und Pflanzenzüchter, die über ihre Betriebe und Produkte informieren,‚ Verbände und Institutionen mit Informationen und Mitmachangeboten.

Es erwartet Sie außerdem:‚

Aktionen für Kinder: waldpädagogische Angebote der Biologischen Stationen, Nassfilzen von kleinen Objekten, Rallye mit Gewinnspiel, Ponyreiten, Tiere zum Streicheln …

Bergische Spezialitäten: von Bergischen Waffeln über Dippekochen bis zu Grill- und Pfannengerichten – zubereitet vom Team um Küchenchef Stefan Stock im Kardinal Schulte Haus.

‚Führungen durch das Kardinal Schulte Haus.

Wann und Wo:

Bergische Landpartie Sonntag, 7. Juli 2019, 10.00 bis 17.00 Uhr

Veranstaltungsort: Thomas-Morus-Akademie/Kardinal Schulte Haus, Bensberg, Overather Str. 51-53, 51429 Bergisch Gladbach.‚

Der Eintritt ist frei.

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Auf ein Wort mit Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des ZdK

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wirbt mit einer neuen Homepage „europa-stimmt“ dafür, sich für ein starkes und geeintes Europa einzusetzen. Die Idee Europa wird dort noch mal verdeutlicht und es wird dazu aufgerufen, zur Wahl zu gehen – sogar nach Anregungen und Hinweisen fragt das ZdK dort. Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des ZdK, zu Beweggründen und Reaktionen …

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Europawahl: Thema für Katholiken

„Wir rufen alle Wahlberechtigten auf, am 26. Mai ihre Stimme für ein solidarisches Miteinander abzugeben“, so die Bundesvorsitzende der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Elisabeth Vanderheiden. Sie spricht für den Zusammenschluss von katholischen Trägern der Erwachsenenbildung mit 58 Mitgliedern und rund 575 Einrichtungen der Katholische Erwachsenenbildung.

Thomas-Morus Akademie Bensberg am Wahltag aktiv

Viele Einrichtungen der Katholischen Erwachsenenbildung werden darüber hinaus Veranstaltungen zu diesem Thema anbieten oder die Kampagne mit Aktionen begleiten.

Die Thomas-Morus Akademie Bensberg veranstaltet am Wahltag selber, den 26. Mai 2019, ein „politisches Frühstück“ zum Thema „Die USA und Europa am Scheideweg“.

Die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) am 14. Mai 2019 zu den Kölner Europa-Gesprächen ein.

Die KEB Rheinland-Pfalz erstellt Videos, in denen ihre Mitglieder ihre Gründe darlegen, warum Ihnen die EU wichtig ist und sie wählen gehen.

Europawahl steht in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen

In der durch den Brexit geschwächten EU besteht die Gefahr, dass EU-skeptische und rechtspopulistische Parteien ihre jüngsten Wahlerfolge fortsetzen. Die KEB Deutschland hält es deshalb für geboten, sich für ein vereintes und demokratisches Europa einzusetzen.

Jede*r kann sich für Europa und die Europawahl stark machen

Die KEB Deutschland hat dazu einen Button entwickelt, den jede*r, der/die sich für ein vereintes und demokratisches Europa einsetzt, auf seine Homepage und in den sozialen Medien einsetzen darf.

„Wir wollen unseren Mitgliedern ein niederschwelliges Angebot unterbreiten, um gemein-sam ein Zeichen zu setzen und an diesen wichtigen Termin zu erinnern“, sagt dazu die Bundesvorsitzende Vanderheiden.

 

Wer mitmachen möchte – bitte sehr:

Hier finden Sie den Button

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150 Teilnehmer verfolgten die Fachtagung

Internationale Fachtagung unter Schirmherrschaft von NRW-Innenminister Herbert Reul diskutiert Thema Suizide

Die internationale Fachtagung „Wenn jemand sich das Leben nimmt…“ setzte die Reihe ähnlicher Fragestellungen aus den letzten Jahren fort, die sich mit Fragen des Opferschutzes, der Opferbetreuung und der Opfernachsorge befassen. Die diesjährige Tagung, die gemeinsam von der Thomas-Morus-Akademie Bensberg, dem Bund Deutscher Kriminalbeamter und evangelischen Militärpfarramt Bonn unter der Schirmherrschaft von NRW-Innenminister Herbert Reul vom 24. bis zum 26. Februar veranstaltet wurde, setzte sich mit Suiziden, Suizidversuchen, der Prävention von Suiziden und der Nachsorge von Hinterbliebenen auseinander. Nach wie vor ist dieses Thema ein großes gesellschaftliches Tabu. Dadurch werden leider auch Angebote der Prävention und Nachsorge oft nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt. Die Tagung machte deutlich, wie viele Tausende von Menschen von der Trauer nach Suiziden betroffen sind. Der Tod durch Suizid stellt Lebenspartner und Angehörige, Unternehmen und Organisationen, aber auch Einsatzkräfte in Polizei und Bundeswehr vor besondere Herausforderungen, nicht zuletzt aufgrund der belastenden Fragen danach, ob ein Suizid nicht im Vorfeld hätte bemerkt und verhindert werden können. Internationale Studien wurden vorgestellt, Hilfsangebote und Strategien zur Prävention diskutiert – und damit dazu beigetragen, das Thema stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

Fotos: Rolf Rainer Jaeger, BDK

NRW-Innenminister Herbert Reul führt in die Thematik als Schirmherr einDie Diskussionerunde des 1. VeranstaltungstagesJustizminister NRW Peter Biesenbach