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Auf ein Wort mit Sabine Loch, Senior-Projektleiterin beim Rheingold Institut

Erstmals einer breiten Öffentlichkeit wurden die Ergebnisse der Rheingoldstudie zum Thema „Was Menschen in der Kirche hält“ auf einer Fachtagung der Thomas-Morus-Akademie Bensberg vorgestellt. Sabine Loch erläuterte die Ergebnisse der vom Erzbistum Köln beim Kölner Markforschungsinstitut „rheingold“ in Auftrag gegebenen qualitativen Studie, die sich auf tiefenpsychologische Interviews stützt.

Frau Loch, wie waren die Reaktionen zu Beginn der Studie?

Wir waren überrascht, wie begeistert die angefragten Probanden einer Teilnahme zugestimmt haben. Es bestand ein großer Wunsch, über Kirche zu sprechen. Es war aber auch eine tiefe Brüchigkeit spürbar. Zu Beginn der Gespräche mussten sich viele Probanden erstmal den Frust von der Seele sprechen. Sehr viele schimpften auf die wahrgenommenen negativen Entwicklungen. Insgesamt gab es eine hohe Wertschätzung dem Bistum gegenüber, dass die Kirche in Köln Interesse an ihren Gläubigen zeige und wissen möchte, wie sie zu ihrer Kirche stehen. Auffallend war allerdings auch, dass der Wunsch über den eigenen Glauben zu sprechen da ist, aber es vielen sehr schwer fiel, ihren Glauben zu verbalisieren.

Sie haben in Ihrer Studie sechs Bildungsfaktoren identifiziert. Stellen Sie uns diese kurz vor. Wie werden diese wahrgenommen?

In der Studie wurden sechs Bindungsfaktoren identifiziert, die die unterschiedlichen Sehnsüchte der Befragten – interviewt wurden engagierte bis passive Kirchenmitglieder, Ausgetretene und Rückkehrwillige, aber auch evangelische und freikirchliche Christen – repräsentieren.

  1. Bindungsfaktor: seelsorgerische Kirche: Die Leute wollen angenommen werden mit ihren Schwächen und Fehlern. Der Kirche fällt in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, zuzuhören, Rat zu geben, Erweiterung für Familie zu sein, sprich eine zusätzliche Wertegemeinschaft zu bieten. Die Seelsorge ist durch den Pfarrer geprägt.
  2. Bindungsfaktor: gemeinschaftliche Kirche: Die Befragten wünschen sich eine Gemeinde, in der sie Solidarität und Freundschaft spüren und wo sie aktiv werden können. Auch die Bindungspflege mit dem Pfarrer im Alltag ist wichtig. Vielen freuen sich, den Pfarrer im Karneval oder bei sonstigen Festen zu treffen.
  3. Bindungsfaktor: fürsorgliche Kirche: Viele möchten sich in der Gemeinde engagieren, sich um Bedürftige, Alte oder Geflüchtete kümmern, verbunden mit der Hoffnung, dass einem in Not auch geholfen wird.
  4. Bindungsfaktor: beschützende Kirche: Die Regeln und Gebote der Kirche werden geschätzt. Die Gesellschaft wäre ohne die Kirche liebloser und würde weniger Verantwortung für den Nächsten übernehmen, so die Einschätzung der Probanden.
  5. Bindungsfaktor: spirituelle Kirche: „Dem Alltag entrücken und dem Himmel nah sein“, das berührt viele Probanden. Sie suchen eine sinnliche Spiritualität und erfreuen sich an Orgelmusik, Weihrauch und Kerzen. Vor allem die erste heilige Kommunion ist vielen in guter Erinnerung. Kirchen werden gern außerhalb der Gottesdienste besucht, die Leute setzen sich für ein paar Minuten in die Bank, wollen ruhen, in sich kehren, zünden eine Kerze an. Friedhöfe sind ähnliche Orte.
  6. Bindungsfaktor: erlösende Kirche: Das Weiterleben nach dem Tod, die Erlösung der Sünden, Transzendenz… der Glaube daran ist für die Probanden schwer zu verteidigen. Sie trauen sich nicht, darüber zu sprechen.

Ganz klar auszumachen ist, dass die größte Stärke der katholischen Kirche, die himmlischen Bindungsfaktoren (vier, fünf und sechs) immer noch hoch geschätzt werden. Die weltlichen Aspekte schwächeln, kirchliche Institutionen werden durch Missbrauch-Skandale weiter in Frage gestellt. Wer sich von der Kirche abwendet, findet für die eigenen Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Schutz oder Engagement weltliche Substitute wie Vereine und soziale Medien, Versicherungen oder caritative Organisationen.

Aus den Bindungsfaktoren lassen sich unterschiedliche Bindungstypen ausmachen. Wen droht die Kirche zu verlieren? Wer bleibt ihr treu?

Sicher gebunden an ihre Kirche sind die Anlehnungsbedürftigen, die die Kirche als Schutzmacht wahrnehmen, die auch ein moralisches Regelwerk vorgibt, die Gemeinschaftsorientierten, die in ihrer Kirche eine starke Wertegemeinschaft spüren, und die Hilfsbereiten, also die Laienhelfer, die Krankenbesuche übernehmen und bei Festen in der Gemeinde mithelfen. Locker an ihre Kirche gebunden sind die pragmatischen Nutzer, beispielsweise Eltern, denen es wichtig ist, dass ihre Kinder in einen katholischen Kindergarten gehen. Dort angekommen, engagieren sie sich gern. Ebenso die spirituellen Ausflügler, die ein bis zwei Mal im Jahr in die Kirche gehen, meist an Weihnachten und Ostern. Auf dem Absprung sind die inneren Einkehrer, die keine Gemeinschaft suchen, die sich auf Grund einer Krise zurückgezogen haben, sowie die christlichen Rebellen, die oft charismatische Streiter sind, die ein Gegenüber brauchen, das sich ihren kritischen Fragen stellt, sie wollen sich angenommen fühlen.

Wie hält man nun die unterschiedlichen Typen in der Kirche oder kann sie zurückholen?

Es gibt für die pastorale Arbeit sehr unterschiedliche Lösungen, die an den Bindungsfaktoren ansetzen. Jede Gemeinde sollte herausfinden, welche Gruppen und welche Aspekte gestärkt werden müssen und kann sich dabei an den Bindungsfaktoren orientieren.

Sehr geehrte Frau Loch, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und für die Präsentation der Ergebnisse bei unserer Fachtagung.

Die Fragen stellte Anne Pesch, Thomas-Morus-Akademie Bensberg.


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KulturExpress Vasarely

Virtuosität, Pop und Moderne: KulturExpress auf den Spuren des Jahrhundertkünstlers Victor Vasarely

Ästhetisch und verwirrend wirken die starkfarbigen Raumverzerrungen und die suggestiven Spiele mit der Perspektive auf der Leinwand: Der KulturExpress am 2. Oktober führte ins Frankfurter Städel Museum und widmete sich dem faszinierenden Werk des ungarischen Malers und Grafikers Victos Vasarely. Die Kunsthistorikern Corinna Fehrenbach führte durch die Sonderausstellung und zeigte dabei entlang der zumeist großformatigen, beeindruckend verwirrenden Op-Art-Kunstwerke die Prinzipien von Vasarelys scheinbar psychedelischer und doch so kontrollierter Malerei: Geometrische Reduktion der Bauhaus-Schule wie auch Abstraktionen im Geist moderner Kompositionsregeln, wie etwa das „Plastische Alphabet“. (AKK, 4.10.2018)

KulturExpress Vasarely KulturExpress Vasarely KulturExpress Vasarely

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Beitrag zur Fachtagung „Bleiben? Oder doch gehen?“ von Emer. O. Univ.-Prof. DDr. Paul Michael Zulehner, Bensberg, 21. Sep. 2018

Kirchenraum

Was hält Menschen in der Kirche? Forschungsbeiträge, Lösungsansätze, Einschätzungen. Fachtagung in Bensberg

„Wenn Katholiken über ihren Glauben reden sollen, dann müssen sie plötzlich ganz schnell auf der Toilette verschwinden“. Mit diesem Satz fasste Sabine Loch ihre Erfahrungen aus der Kirchenstudie zusammen, die vom Rheingold Institut Köln für das Erzbistum Köln erstellt wurde. „Bleiben? Oder doch gehen?“ – so war die Fachtagung in der Thomas-Morus-Akademie Bensberg überschrieben, bei der diese aktuelle Kirchenstudie wie auch diejenige aus dem Bistum Essen diskutiert wurde. Deutlich wurde dabei, dass die Entscheidung zur kirchlichen Bindung bis heute oft von starken Emotionen geprägt ist, die noch aus den Erfahrungen in der Kinder- und Jugendzeit herrühren. Weihrauchgeruch, die überwältigende Kraft der Gotteshäuser, das Vertrauen zur Kirche als Trägerin von Caritas, Kindergärten und Schulen, kirchliches Vereinsleben – das bricht sich mit der Schwierigkeit, über den Glauben und seine Auswirkungen auf die eigene Biographie zu sprechen.
Doch wie gelingt es, die Bindungskräfte an die Kirche zu stärken? Obwohl Simon Hesselmann vom Bistum Aachen dazu faszinierende Beispiele aus katholischen Gemeinden in Chicago präsentierte, warnte er gleichzeitig vor einer „Schnittblumenpastoral“: Erfolgreiche pastorale Konzepte aus anderen Kulturkreisen einfach nur zu übernehmen könne nicht funktionieren, so seine Einschätzung. Wenn etwas blühen solle, müsse der Samen vor Ort eingepflanzt werden.  Neben einem Gespräch mit dem Pastoralreferenten Michael Göcking, der bald im Bistum Osnabrück die Leitung einer Gemeinde übernehmen wird, wurden von Florian Wallot schließlich auch noch Perspektiven für das Erzbistum Köln entwickelt, wie mit den Ergebnissen der Studie von Rheingold umzugehen sei. Ein flammendes Plädoyer für den angstfreien Blick nach vorn und den Mut, außerhalb institutioneller Rahmenbedingungen und Zwänge zu denken, hielt am Ende eines diskussionsreichen Tages über den status quo der Kirche der Pastoraltheologe und –soziologe Paul Zulehner der Universität Wien – ein Plädoyer, das von den Teilnehmerinngen und Teilnehmern mit großem Beifall aufgenommen wurde. (Ha, 24.09.2018)

Der Beitrag von Emer. O. Univ.-Prof. DDr. Paul Michael Zulehner, Institut für Praktische Theologie, Universität Wien, kann hier nachgehört werden.

Fachtagung Bleiben? Oder doch gehen?  Fachtagung Bleiben? Oder doch gehen?  Fachtagung Bleiben? Oder doch gehen?  Fachtagung Bleiben? Oder doch gehen?

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Wie mit Kindern über Gott reden?

Wie mit Kindern über Gott reden? Anregungen & Ideen in Bensberg

Kinder lernen mit allen Sinnen, begreifen die Welt Stück für Stück. In Gemeinden bietet sich die Chance, über Glaubensinhalte oder Gottesbilder in Austausch zu kommen, denn Kinder sind selbst Subjekte der Seelsorge. Der Workshop des Forum :PGR fragte danach, wie mit Kindern über ihre Gottesvorstellungen gesprochen werden kann. Entwicklungspsychologische Aspekte wurden ebenso betrachtet wie geeignete Methoden und Gestaltungselemente für Gottesdienste. Dabei brachten die Teilnehmenden des Workshops eigene Erfahrungen und Anregungen mit ein. (AKK, 24.09.2018)

Kartoffel

Herrliche Vielfalt. Aromatischer Geschmack. Die Kartoffel.

In verarbeiteter Form – als Pommes frites oder Chips – scheint die Kartoffel immer noch am beliebtesten zu sein. Dennoch zeigt sich ein Trend zur mehr Sortenfülle auch in den Supermärkten. Von der Vielfalt der Kartoffel konnten sich die Gäste des KulturDinners auf dem Bauerngut Schiefelbusch beim Empfang selbst ein Geschmacksbild machen: acht unterschiedliche Sorten gab es zur Begrüßung zum Kosten und Probieren. Landwirt Albert Trimborn erklärte Anbau und Ernte der Kartoffel, auch im Hinblick auf das aktuelle Wetterphänomen. Die Kartoffel kann wahrlich als Powerfood bezeichnet werden: sie enthält viele Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Vitamine, Eiweiß und Mineralstoffe. So viele Nährstoffe pro Anbaufläche bietet kaum ein Gemüse. Zudem hält sie sich gut und kann problemlos mehrere Monate gelagert werden. Welche unterschiedlichen Kindheitserinnerungen die Kartoffel auslöst – von Kartoffelfeuer, Kartoffelferien, Sammeln von Kartoffelkäfer und dem Kartoffelkeller – berichtete Johannes Arens (Studium der Kulturanthropologie), der auch alte Kartoffelrezepte vorstellte und einen Bogen von ihren Anfängen in Südamerika über den „Kartoffelbefehl“ von Friedrich des Großen bis zu den Trends in den Küchen der Gastronomen von heute spannte. (21.09.2018, Pe)

 

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Wege in den Herbst

Spirituelle Wanderung in den Herbst hinein

Mit großartigen Fernblicken auf Köln und das Rheinland wurden bei der spirituellen Wanderung „Sich von der Natur beschenken lassen. Wege in den Herbst“ die Teilnehmer belohnt. Auf abwechslungsreichen Wegen führte der Weg von Odenthal über die Höhenzüge des Bergischen Landes, begleitet von Texten und kurzen Übungen. Damit führte die Wanderung aus dem Alltag heraus und ermöglichte einen neuen Blick auf die eigene Heimat – auch mit der überraschenden Erkenntnis, dass man selbst in der Nähe der Metropolen des Rheinlandes in stellenweise völliger Einsamkeit unterwegs sein kann. (Ha, 18.09.2018)

 

Spirituelle Wanderung in den Herbst   Spirituelle Wanderung in den Herbst

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HAGIOS – Gesungenes Gebet

Liederabend zum Innehalten, Lauschen und Mitsingen im Kölner Dom

Der Hochchor des Kölner Domes war zum geistlichen Mitsing-Konzert mit Helge Burggrabe bis auf den letzten Platz besetzt, als sich zu Beginn mit dem Anstimmen des Hagios ein Klangteppich entfaltete und den Raum erfüllte. Das Vokalensemble um den Komponisten stimmte nach dieser „Einstimmung“ geistliche Kanons und Gesänge an, die von den Konzertbesucherinnen und -besuchern aufgegriffen und weitergeführt wurden. Im Mittelpunkt dieses exklusiven Abends stand das gemeinsame spirituelle Erlebnis. Ein weiteres Mitsing-Konzert mit Helge Burggrabe im Kölner Dom ist für 2019 in Planung. (AKK, 11.09.2018)

Gesungenes Gebet  HAGIOS – Gesungenes Gebet  HAGIOS – Gesungenes Gebet

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Bericht über die Fachtagung „Wen(n) der Terror trifft“ in der Fachzeitschrift des Bund Deutscher Kriminalbeamter (August/September 2018)

Fachzeitung des Bund Deutscher Kriminalbeamter „der kriminalist“ über die Fachtagung „Wen(n) der Terror trifft“_August 2018_Teil 1

Fachzeitung des Bund Deutscher Kriminalbeamter „der kriminalist“ über die Fachtagung „Wen(n) der Terror trifft“_September 2018_Teil II

©  Helge Burggrabe

Ausgebucht: Geistliches Mitsing-Konzert mit Helge Burggrabe im Kölner Dom am 9. September 2018

Das geistliche Mitsing-Konzert mit Helge Burggrabe im Kölner Dom ist bereits ausgebucht. Das Konzert findet im Hochchor des Domes statt. Dort finden 300 Personen Platz, die aufgrund ihrer Anmeldung eine Eintrittskarte erhalten haben. Interessierte ohne Eintrittskarte können leider nicht teilnehmen.

Ein weiteres Mitsing-Konzert mit Helge Burggrabe im Kölner Dom ist für 2019 in Planung. Gern vermerken wir bereits heute Ihr Interesse (akademie@tma-bensberg.de).