Am Rande einer Katastrophe

Der Tag, an dem die Akademie brannte

„Flammenmeer", „Großfeuer", „Brandkatastrophe" - solche Worte dominieren am 22. Februar 1980 die Lokalteile der Gladbacher Presse. Sie berichten vom schwärzesten und folgenreichsten Tag in der Akademiegeschichte.

Der 21. Februar 1980 ist ein klarer Tag. Im Kardinal-Schulte-Haus, zu einem Teil als Altenheim, zum anderen als Akademie genutzt, geht an diesem Donnerstag zunächst alles seinen geregelten Gang. In der Akademie läuft ein „Primanerforum" zum Thema „Stark wie der Tod. Liebe und Tod im Film". Akademiedirektor Hermann Boventer hat sich, um konzentriert arbeiten zu können, in sein Haus zurückgezogen, das etwa 200 Meter von der Akademie entfernt ist. Prälat Joseph Steinberg, der geistliche Leiter der Akademie, arbeitet in seinem Studierzimmer.

Kurz vor 15 Uhr erreicht eine Angestellte des Altenpflegeheimes den Speicher der Südseite des Kardinal-Schulte-Hauses, um hier Wäsche aufzuhängen. Doch schon beim Öffnen der Speichertür bemerkt die junge Portugiesin einen Brandgeruch und gibt sofort Alarm. Die automatische Warnanlage hatte sich noch nicht gemeldet.

Gegen 15 Uhr sind dann die ersten Feuerwehren aus Bergisch Gladbach und Bensberg da. Zunächst sieht es so aus, als könne das inzwischen offen sichtbare Feuer im Dachgeschoß schnell unter Kontrolle gebracht werden. Doch die mit Schieferplatten gedeckte Holzkonstruktion brennt „wie Zunder". Zusätzliche Feuerwehr-Kräfte aus Köln werden angefordert. Schließlich sind sechs Loschzüge mit rund 60 Mann im Einsatz. Am Tag danach sollte der Kölner Stadt-Anzeiger den Einsatzleiter Werner Schütze zitieren, das Kardinal-Schulte-Haus sei für ihn als Brandexperten immer schon „ein Alptraum" gewesen.

Nach dem Eintreffen der Feuerwehr wird mit der Evakuierung des Gebäudes begonnen. Rund 150 Personen, davon ein Großteil pflegebedürftige Altenheimbewohner, verlassen das Gebäude. Die Teilnehmer des Primanerforums, die den Brandalaram zunächst nicht ernstgenommen hatten, helfen dabei, die alten Menschen zum Teil auf Stühlen, in Betten, auf Tragen in Sicherheit zu bringen. Nach einer etwa einstündigen Wartezeit auf der Wiese vor dem Haus werden die Heimbewohner schließlich in Rettungsbussen auf umliegende Krankenhäuser verteilt.

Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. Stärkere Wasseranschlüsse müssen erst vom Krankenhaus oberhalb der Akademie und von der Bundesstraße unterhalb der Akademie zum Brandort verlegt werden. Eine Rauchsäule von rund 70 Meter Höhe kündet weithin von dem Großbrand. Gegen 20 Uhr gelingt es der Feuerwehr jedoch, den Brand zu löschen. Während die Bewohner und Angestellten unverletzt blieben, endet der Einsatz für zwei Angehörige der Gladbacher Berufsfeuerwehr tödlich: Der 28jährige Peter Weiyand und sein 22jähriger Kollege Ulrich Höfer werden Opfer einer Verpuffung bei der Brandbekämpfung „vor Ort" im Speicher über der Kapelle. Drei weitere Wehrmänner müssen mit Verletzungen bzw. Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Am Tag nach dem Brand wird das Ausmaß der Schäden am Gebäude ersichtlich: Zwei Drittel des Daches sind völlig zerstört, viele Räume durch das Löschwasser unbenutzbar geworden. Das Sekretariat der Akademie wird noch einige Jahre von hier aus die Arbeit organisieren. Für die Tagungen und Seminare aber beginnt die Zeit des „Exils" in anderen Tagungshäusern im ganzen Erzbistum.

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