Zum 250 Geburtstag des Dichters Novalis - Ferienakademie der Thomas-Morus-Akademie Bensberg
Rabe! (CC BY-SA 4.0), commons.wikimedia.org

„Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren …“

Zum 250. Geburtstag des Dichters Novalis

Als Poet nannte sich Friedrich von Hardenberg „Novalis“ – „der Neuland Bestellende“. Tatsächlich betrat er Neuland mit seinen Dichtungen, aber auch mit seinen philosophischen Schriften. Er schuf mit dem literarischen Motiv der „Blauen Blume“ das bekannteste Sinnbild der Romantik. Die Geschichte seines kurzen Lebens (1772-1801) leistete einer klischeehaften Idealisierung als weltfremder Träumer nur allzu sehr Vorschub. Dabei stand Friedrich von Hardenberg als Verwaltungsjurist und Naturwissenschaftler, vielleicht mehr als andere dichtende Zeitgenossen, mit beiden Beinen im Leben. In eine Umbruchszeit hineingeboren, hatte er als Bergbaufachmann Anteil an den Entwicklungen der Frühindustrialisierung. Gerade dieser Kontrast macht Novalis zu einem modernen Menschen. Seine Gedankenwelt vermag daher auch in unserer Zeit, in der Technik und Poesie unvereinbar scheinen, Impulse zu geben. Anlässlich seines 250. Geburtstags folgt die Ferienakademie den Lebensspuren des Friedrich von Hardenberg, der als Novalis nicht nur eine Zentralfigur der Frühromantik war, sondern auch Künstler und Denker wie Richard Wagner, Joseph Beuys und Martin Heidegger beeinflusste.

Dienstag, 10. Mai 2022
„Immer nach Hause“
Fahrt mit dem Reisebus ab Köln (7.00 Uhr) und Bensberg (7.45 Uhr) nach Thüringen.
Nach einer individuell gestalteten Mittagspause im hübschen Städtchen Bad Langensalza, begeben Sie sich auf einen Weg, den der Dichter selbst oft zurückgelegt hat: Es geht über Bad Tennstedt, der ersten Wirkungsstätte des jungen Juristen, nach Grüningen, wo Novalis seine Braut Sophie von Kühn kennenlernte. Am Grab seiner früh verstorbenen Verlobten empfing Novalis die Inspiration zu seinen „Hymnen an die Nacht“. Schließlich wird Schloss Oberwiederstedt erreicht, wo Friedrich von Hardenberg am 2. Mai 1772 zur Welt kam. Hier befinden sich heute der Sitz der internationalen Novalis-Gesellschaft und eine Forschungsstätte für Frühromantik. Gezeigt werden Gemälde und Zeichnungen aus der Ahnengalerie derer von Hardenberg, aber auch das berühmte Portrait des Dichters und sein Taufhäubchen.

Mittwoch, 11. Mai 2022
Wittenberg und Wörlitz
In der Lutherstadt Wittenberg wird den Spuren des Jurastudenten Friedrich von Hardenberg gefolgt. Die 1502 gegründete Leucorea war zeitweise, vor allem für evangelische Studenten, die wichtigste Universität nach Leipzig. Auch die Reformationszeit kommt bei einem Stadtrundgang nicht zu kurz, sodass ein Blick auf den Cranach-Altar in der Stadtkirche und auf die sogenannte Thesentür der Schlosskirche geworfen wird. Am Nachmittag lockt das berühmte Wörlitzer Gartenreich (UNESCO-Welterbestätte), in dem sich auch der junge Dichter erging. Der weitläufige Landschaftspark nach englischem Vorbild geht auf Fürst Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) zurück, der hier eine aufklärerische Utopie zu verwirklichen suchte. Das Schloss gilt als frühester klassizistischer Schlossbau Deutschlands. Bei einer romantischen Gondelfahrt erschließt sich die Anlage auf einzigartige Weise.

Donnerstag, 12. Mai 2022
Tätiges Leben und stiller Tod
Am Vormittag verdeutlicht eine Führung die historische Salinentechnik in Bad Kösen, denn Hardenbergs Vater und schließlich auch er selbst waren in der Salzgewinnung tätig. Anschließend geht es weiter nach Schloss Goseck, dessen eindrucksvolle Schlosskirche sich über einer romanischen Krypta erhebt. Novalis verewigte seinen Besuch im Oktober 1791 im Prosatext „Spaziergang nach Goseck“. Am Nachmittag wird nach einem Stadtrundgang durch Weißenfels das Novalishaus besichtigt. Dort lebte Hardenberg die längste Zeit seines kurzen Lebens, von 1786 bis zu seinem Tod 1801. In der ehemaligen elterlichen Wohnung, zu der auch das erhaltene Sterbezimmer gehört, ist heute eine Novalis-Gedenkstätte eingerichtet.

Freitag, 13. Mai 2022
Der Romantiker und seine Freunde
Auf der Fahrt von Halle nach Dresden bietet ein Abstecher zum „Batzdorfer Totenhäuschen“, einem Weinberghaus oberhalb der Elbe, die Möglichkeit zu einer kleinen literarischen Lesung. Die Schlösser Scharfenberg und Siebeneichen waren Treffpunkte des „Scharfenberger Kreises“, dem neben Novalis auch E.T.A. Hoffmann, Theodor Körner und andere Romantiker angehörten. Am Nachmittag wird in Dresden das Kügelgenhaus besichtigt, in dem sich das Museum zur Dresdner Romantik befindet. In seinem barocken Wohnhaus empfing der Maler Gerhard von Kügelgen unter anderem Goethe, Caspar David Friedrich und Heinrich von Kleist. Ein Besuch auf dem katholischen Friedhof von Dresden-Friedrichstadt gilt dem Grab Friedrich Schlegels, der eng mit Novalis befreundet war und dessen 250. Geburtstag ebenfalls 2022 begangen wird.

Samstag, 14. Mai 2022
Bergbau in Freiberg - Alte Meister in Dresden
Heute führt der Weg nach Freiberg, wo Friedrich von Hardenberg an der Bergakademie studierte. Eine Führung gibt Einblick in die Geschichte des Bergbaus, mit dem er beruflich befasst war und dessen geheimnisvolle, unterirdische Welt ihm literarische Motive lieferte. Auch ein Blick auf die Goldene Pforte des Freiberger Domes darf nicht fehlen. Zurück in Dresden wird die Gemäldegalerie Alte Meister besichtigt, wo die Romantiker - vor allem von Raffaels Sixtinischer Madonna inspiriert - wichtige Impulse empfingen.
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Vorabendgottesdienstes.

Sonntag, 15. Mai 2022
Zu Gast bei Fichte und Schiller in Jena
Auf der Heimfahrt Halt in Jena, wo ein Museum über die Jenaer Frühromantik informiert. In Johann Gottlieb Fichtes Wohnhaus trafen sich Novalis, Schelling und die Brüder Schlegel. Auch Schillers Gartenhaus, in dem der Dichter an seinem „Wallenstein“ arbeitete, befindet sich in Jena. Am Bett des krank darniederliegenden Friedrich Schiller hielt von Hardenberg mitunter Nachtwache am Bett des von ihm verehrten Mentors.

Weiterfahrt nach Bensberg (Ankunft ca. 19.00 Uhr) und Köln (Ankunft ca. 19.45 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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