Papst Pius XII. besucht die Ruinen der Basilika San Lorenzo

Der stille Pontifex? Neue Perspektiven auf Pius XII.

War Papst Pius XII. ein schweigender Beobachter – oder handelte er im Verborgenen? Kaum eine Gestalt der jüngeren Kirchengeschichte wird so kontrovers diskutiert wie Eugenio Pacelli. In diesem Frühjahr erhält die Debatte neue Dynamik.

Soeben ist im Aachener Patrimonium Verlag ein vielbeachtetes Buch erschienen: „Das Büro des Papstes“ des in Rom lebenden Historikers Johan Ickx. Seine Forschungen werfen ein neues Licht auf das Handeln Pius’ XII. während des Zweiten Weltkriegs. Demnach richtete der Vatikan bereits 1939 eine eigene „Task Force“ ein, die sich gezielt mit der Rettung verfolgter Jüdinnen und Juden in Europa befasste.

Die Thesen sorgen für Aufmerksamkeit – und laden dazu ein, genauer hinzuschauen.

Neue Quellen, neue Einsichten

Seit der Öffnung der vatikanischen Archive im Jahr 2020 stehen der Forschung erstmals umfassende Quellen aus dem Pontifikat Pius’ XII. (1939–1958) zur Verfügung. Ein Schritt, der lange erwartet wurde – und der die historische Bewertung dieses Papstes nachhaltig verändern könnte.

Schon 1943 notierte Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione mit Blick auf die Zukunft:

„Eines Tages werden die Dokumente des Heiligen Stuhls öffentlich werden; und dann […] wird man sehen, dass der Heilige Stuhl eine Handlungslinie verfolgt hat, die sowohl vorausschauend als auch klug war.“

Heute – mehr als 80 Jahre später – beginnt genau diese Phase der Neubewertung.

Ein Blick hinter die Kulissen des Vatikans

Der Berliner Historiker Dr. Michael F. Feldkamp, ausgewiesener Kenner dieser Epoche, wird im Rahmen unserer Veranstaltung erstmals vertiefte Einblicke in diese neu zugänglichen Quellen geben.

Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts und der Rolle des Vatikans in Zeiten von Krieg und politischer Umbrüche. Die Dokumente erlauben nicht nur Rückschlüsse auf diplomatische Entscheidungen, sondern auch auf den Alltag im Vatikan und das konkrete Handeln von Papst und Mitarbeitern.

Dabei wird deutlich: Die Frage nach Verantwortung, Diplomatie und moralischem Handeln ist komplexer, als es lange schien.

Eine aktuelle Debatte

Auch Johan Ickx’ Buch wird intensiv diskutiert. Es basiert auf bislang unbekannten Dokumenten aus dem vatikanischen Archiv und zeichnet das Bild eines Papstes, der sich – oft im Verborgenen – für verfolgte Juden eingesetzt hat.

Nach Ickx’ Darstellung gingen im Vatikan zahlreiche Hilfsgesuche aus ganz Europa ein. Diese wurden systematisch geprüft, dokumentiert und weiterverfolgt. Der Heilige Stuhl sei der einzige Staat gewesen, der eigens ein Büro zur Koordination solcher Hilfsmaßnahmen eingerichtet habe.

Für Feldkamp ist das Werk daher eine „Sensation“, die mit verbreiteten Deutungen der vergangenen Jahrzehnte aufräumen könnte.

Einladung nach Bensberg

Vor diesem Hintergrund laden wir Sie herzlich ein zu unserer Veranstaltung:

Der stille Pontifex?

Pius XII. zwischen kirchlicher Diplomatie und Verantwortung

Lernen Sie die Persönlichkeit und das Pontifikat Pius’ XII. aus Anlass seines 150. Geburtstags neu kennen – differenziert, quellenbasiert und im Dialog.

Freuen Sie sich auf spannende Einblicke, aktuelle Forschung und eine lebendige Diskussion über eine der prägendsten Figuren des 20. Jahrhunderts.

Hier finden Sie weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung.

Tim Trute, Referent Theologie, Philosophie und Pädagogik

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