Der Fächer

In unserer Sommerreihe „Sommer der Nebensachen“ betrachten wir kleine Sommerhelfer, die oft mehr können, als man ihnen zutraut.

Der Fächer ist ein Gegenstand von großer Eleganz und erstaunlicher Mehrdeutigkeit. Er kühlt, verbirgt, zeigt, schmückt – und konnte einst sogar sprechen.

In höfischen Gesellschaften war der Fächer weit mehr als ein praktisches Accessoire gegen Hitze. Er gehörte zur Mode, zur Körpersprache und zur Kunst der Andeutung. Ein halb geöffnetes Gesicht, ein gesenkter Blick, eine Bewegung aus dem Handgelenk: Der Fächer machte Kommunikation möglich, ohne dass ein Wort fallen musste.

Zugleich war er ein kleines Kunstwerk. Bemalte Fächer zeigten Landschaften, mythologische Szenen, Liebesgeschichten oder galante Gesellschaften. In ihrer Zerbrechlichkeit liegt ein besonderer Reiz: Papier, Seide, Elfenbein, Holz – alles leicht, kostbar und auf Wirkung bedacht.

Heute ist der Fächer selten geworden. Vielleicht zu Unrecht. Denn kaum ein Gegenstand verbindet Sommer, Stil und Geheimnis so charmant wie er.

Pia von Boeselager – Referentin Öffentlichkeitsarbeit, Thomas-Morus-Akademie Bensberg

Pia von Boeselager Referentin Thomas Morus Akademie Bensberg