Jörg M. Unger (CC BY-SA 3.0)/wikimedia

Literarischer Sommer

Erkundungen in der Mark Brandenburg

Neben Theodor Fontane, der sich der Mark Brandenburg in seinen „Wanderungen“ so eindrucksvoll widmete, finden sich in dieser Region Spuren weiterer Literatinnen und Literaten: Heinrich von Kleist wandte sich weniger der Landschaft und den Baudenkmälern seiner Heimat zu, als vielmehr den Konflikten zwischen Staat und Individuum. Bertolt Brecht und Helene Weigel hielten sich regelmäßig im Sommerhaus am Schermützelsee auf und genossen mit ihren Gästen die Schönheit der Märkischen Schweiz. Kurt Tucholsky beschrieb in „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ die Wald- und Seenlandschaft dieser Region. Hans Fallada fand vorübergehend in seinem Haus in Carwitz nahe der Grenze zu Brandenburg Zuflucht.
Welche wichtige Rolle Brandenburg und das angrenzende Mecklenburg im Gegensatz zur Metropole Berlin bei vielen Kunstschaffenden des 19. und 20. Jahrhunderts spielte, lässt sich bei Lesungen und Gesprächen sowie bei Besuchen literarischer Orte und Gedenkstätten nachvollziehen.

Dienstag, 30. Juni 2020
Individuelle Anreise zum Hauptbahnhof Berlin.
13.00 Uhr
Fahrt mit dem Reisebus nach Neuhardenberg.
Architektonische und landschaftliche Harmonie: Schloss und Park Neuhardenberg
Das klassizistische Ensemble von Schloss Neuhardenberg, das Friedrich Schinkel in ein repräsentatives Palais umgestaltete, erschließt sich bei einem Spaziergang, der auch zur Schinkel-Kirche führt sowie durch den von Peter Joseph Lenné unter Mitwirkung von Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestalteten Park.

Mittwoch, 1. Juli 2020
„Nur wer den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft.“
Heinrich von Kleist in Frankfurt an der Oder

Heinrich von Kleist, dem berühmten Sohn Frankfurts, ist in einer ehemaligen Garnisonsschule und dem 2013 eröffneten Erweiterungsbau ein Literaturmuseum gewidmet. Ganz in der Nähe befinden sich die 1506 gegründete Universität Viadrina sowie die restaurierte Marienkirche mit 117 mittelalterlichen Bleiglasfenstern, die von Russland zurückgegeben wurden. Die Rückfahrt nach Neuhardenberg wird durch einen Besuch der Seelower Höhen unterbrochen.

Donnerstag, 2. Juli 2020
„Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte.“ 
Bertolt Brecht in Buckow
Die literarische Spur von Bertolt Brecht führt in die Märkische Schweiz zu seinem Sommersitz in Buckow. Hier bot ihm sein Atelierhaus einen herrlichen Blick auf den Schermützelsee und mag ihn zu seinem Gedichtzyklus „Buckower Elegien“ inspiriert haben.
„Man soll den Augenblick ergreifen. Ist er der rechte, so bedeutet er das Glück.“
Theodor Fontane in Neuruppin
Zu seiner Geburtsstadt entwickelte Fontane eher ambivalente Gefühle. Entlang der Spuren seines Romans „Meine Kinderjahre“ durch Neuruppin erschließt sich die Vielfalt in seinem literarischen Werk. Zuvor Besichtigung der Klosterkirche Sankt Trinitatis. Sie ist die größte Kirche der Stadt und wurde zusammen mit dem dazugehörenden Kloster 1246 errichtet. Mit ihren markanten Türmen bildet sie das Wahrzeichen der Stadt. Zur Wendezeit fanden in der Klosterkirche ab dem 10. Oktober 1989 regelmäßig Friedensgebete statt.

Freitag, 3. Juli 2020
„Vergangenes kann man nicht ändern, aber sich selbst kann man ändern …“
Hans Fallada in Carwitz
Im Jahre 1933 erwarb Hans Fallada in Carwitz ein Grundstück. Sein literarischer Welterfolg „Kleiner Mann – was nun?“ hatte es ihm ermöglicht, seinen lang gehegten Traum von einer eigenen Landwirtschaft zu erfüllen. Mit dem Umzug in die landschaftliche Abgeschiedenheit der Feldberger Seenlandschaft floh Fallada auch vor den Verlockungen der Großstadt. Für ihn wurden diese 11 Jahre in Carwitz zur produktivsten Zeit seiner schriftstellerischen Karriere.

Samstag, 4. Juli 2020
„Erfahrungen vererben sich nicht, jeder muss sie allein machen.“
Kurt Tucholsky in Rheinsberg
Auf Schloss Rheinsberg, idyllisch am Grienericksee gelegen, verbrachte Kronprinz Friedrich II. die glücklichsten Jahre seines Lebens, auch Theodor Fontane hat die Ausstrahlung des Schlosses begeistert. Kurt Tucholsky, der hier 1912 mit Else Weil eine besonders schöne Zeit verbrachte, bezieht sich in „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ auf diesen Ort (Besichtigung des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums). Am frühen Abend bietet sich Gelegenheit, einen katholischen Gottesdienst zu besuchen.
abends I Lesung
„Von Kleist zu Tucholsky“ – eine literarische Reise durch drei Jahrhunderte.

Sonntag, 5. Juli 2020
„Sobald man in einer Sache Meister geworden ist, soll man in einer neuen Schüler werden.“
Gerhart Hauptmann in Erkner
Über Erkner im schönen Grünheider Wald- und Seengebiet, wo von 1885 bis 1889 Gerhart Hauptmann mit seiner Familie in einer Gründerzeitvilla wohnte und u. a. „Bahnwärter Thiel“ und „Vor Sonnenaufgang“ in einer ersten Fassung entstanden, wird die Fahrt nach Berlin-Hauptbahnhof fortgesetzt. (Ankunft und Verabschiedung ca. 14.00 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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