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Gutes Leben in Zeiten wie diesen?

Lebensphilosophische Zugänge zum Umgang mit Krisen

Ein winziges, keiner Schuld fähiges Virus, nicht mal ein Lebewesen, bloß ein Fitzelchen RNA, hat innerhalb kürzester Zeit die Welt, in der wir lebten oder zu leben meinten, aus den Angeln gehoben. Die Fortsetzung von vielem, was als unverzichtbare Bedingung eines „guten Lebens“ galt, ist bis auf weiteres unmöglich oder zumindest erschwert.

Das Problem ist nicht nur unsere Anfälligkeit für das Virus selbst. Zu den durch das Virus verursachten Krankheiten und Todesfällen kommen die Schäden und Einschränkungen, die die Gesellschaft und jede*r Einzelne erleiden aufgrund der Schutzmaßnahmen, mit denen die weitere Ausbreitung der Infektion verhindert oder verlangsamt werden soll. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, Kinder dürfen nicht mehr zur Schule oder in den Kindergarten, ihre Eltern können nur eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten. Zahlreiche Unternehmen sind insolvent, Millionen verlieren ihren Lebensunterhalt. Theater, Kino, Konzerte oder Sportveranstaltungen können auf längere Zeit nicht in der üblichen Form stattfinden, denn Berührung und Nähe sind tabu. Alltägliche Formen des Umgangs unter Freunden und Verwandten, in Gemeinden und Vereinen gelten als gefährlich.

Was macht das mit unserem Leben? Und wie verändern sich dadurch auch unsere Vorstellungen vom guten Leben? Welche philosophischen Zugänge gibt es, um über diese Zusammenhänge nachzudenken?

Samstag, 29. August 2020

14.00 Uhr
Nostalgie, Sehnsucht, Selbstbehauptung
Welche Rolle spielt unsere Vorstellung vom guten Leben in unserem Leben?

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

16.00 Uhr
„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen und Urteile über die Dinge.“
Verletzlichkeit, Krankheit, Leiden und Tod gehören als gefürchtete Möglichkeit wie als erlittene Wirklichkeit zum menschlichen Leben. Wie können, wie sollten wir uns dazu verhalten? Für den freigelassenen Sklaven Epiktet (ca. 50–138 n. Chr.) liegt der Schlüssel zu Freiheit, Glück und Seelenruhe des Einzelnen darin, strikt zu unterscheiden zwischen dem, was in unserer Macht steht, und dem, woran wir nichts ändern können. Letzteres müssen wir hinnehmen und können wir ertragen indem wir uns sagen: „Es geht mich nichts an“. Ist das gute Leben also im wesentlichen eine Frage der Einstellung?

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Leben, um länger zu leben?
Für den Freiburger Philosophen Rainer Marten (geb. 1928) steht und fällt das gelingende Leben mit der Lebensteilung: „Das Geheimnis des Lebens hat mit der Nähe zu tun: mit der Nähe der nahenden Anderen und mit der Nähe des Todes – des eigenen und des der Anderen –, für den religiösen Menschen nicht zuletzt mit der Nähe Gottes.“

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 30. August 2020

ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

 9.30 Uhr
Was gehen mich die anderen an?
Spätestens die Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie sehr unser Wohlergehen und unsere Chancen, selbstbestimmt unsere Pläne verfolgen zu können, davon abhängig sind, wie andere Menschen – und sei es am anderen Ende der Welt – mit ihren Problemen umgehen. Aus den Fernwirkungen unseres Verhaltens ergibt sich eine Verantwortung auch gegenüber Dritten, mit denen wir zunächst gar nichts zu tun zu haben meinen. Aber wie weit reicht diese Verantwortung? Unter welchen Bedingungen muss ich dem Überleben der Anderen meine eigenen Hoffnungen auf ein gutes Leben opfern? Und wer soll am Ende für die Schulden aufkommen, die gerade in unserem Namen aufgenommen werden, um ein Überleben der für viele von uns überlebenswichtigen wirtschaftlichen Strukturen zu ermöglichen?

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Ist „jeder Tag ein guter Tag“?
John Cage (1912–1992) zitiert verschiedentlich den in der Kōan-Sammlung Biyan Lu (Niederschrift von der smaragdenen Felswand, ca. 1111–1115) überlieferten Spruch des berühmten Chan-Meisters Yúnmén Wényãn (864–949): „Tag für Tag ist ein schöner (bzw. guter) Tag.“ Wie würde sich unser Leben ändern, wenn wir diesem so schlichten wie weitreichenden Satz Recht geben wollten – und tatsächlich dazu fähig wären, die Dinge so zu sehen? In der Tat ist jeder Tag etwas Besonderes. Aber gibt es dann überhaupt noch besondere Tage? Und ist es gut oder schlecht, diese Unterscheidung aufzulösen?

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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