Alpine Natur und mittelalterliche Fresken in Südtirol - Ferienakademie der Thomas-Morus-Akademie Bensberg
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Steinerne Himmelsstiegen

Alpine Natur und mittelalterliche Fresken in Südtirol

Nicht erst seitdem Petrarca den Mont Ventoux bestieg und dort die Größe der menschlichen Kontemplation in ihrer Gottsuche erkannte, stehen die Berge für das Erhabene, zu dem der Mensch aufschaut. In manchen Kulturen gelten sie gar als Wohnsitz der Götter. Aber auch in unseren Breiten fühlt sich der Mensch auf alpinen Gipfeln dem Göttlichen nahe. Im Vinschgau wird dies greifbar: Als wahre Stiegen zum Himmel bieten sich hier die Massive von Ortler, Königsspitze und Monte Cevedale an.
Weniger bekannt dürfte sein, dass sich inmitten der grandiosen Bergwelt zahlreiche kulturgeschichtlich bedeutsame Kirchen, Klöster und Kapellen erhalten haben. Die Wege von Bozen über den Reschen zum Bodensee oder den Ofenpass ins Engadin und weiter nach Chur waren einst wichtige Alpenübergänge. Dass sie durch Brenner, Gotthard und andere Verkehrswege an Bedeutung verloren, erwies sich als Glück für die kleinen Sakralbauten, die so ihre Wandmalereien aus Früh- und Hochmittelalter bewahrten. Von der Zeit Karls des Großen bis zur Frührenaissance reicht der Bogen kunsthistorisch sehenswerter Sakralräume. Ihre himmlisch schönen Fresken regen ebenso zur Andacht an wie die alpine Natur. Mit Recht gelten auch sie daher als Stiegen zum Himmel.

Donnerstag, 21. Juli 2022
Vom Rhein an die Etsch
Busreise von Bensberg (6.30 Uhr) und Köln (7.15 Uhr) nach Schlanders ins Hotel Vier Jahreszeiten****s.

Freitag, 22. Juli 2022
Willkommen in Südtirol!
Die erste Exkursion führt in das Dörfchen Morter, dem Ort der Mörtelmacher und Kalkbrenner. Bis in die karolingische Zeit zurück kann man seine Geschichte verfolgen. In der kleinen Kirche St. Vigilius wartet schon die erste Überraschung: Sie besitzt einen byzantinisch anmutenden Dreikonchenchor – ein Unikum in dieser Gegend. Im nahe gelegenen Naturns beherbergt das unscheinbare Kirchlein St. Prokulus Fresken aus frühkarolingischer Zeit. Vom Bergdorf St. Martin im Kofel, das mittels Seilbahn erreicht wird, hat man einen grandiosen Blick auf den Vinschgau und seine Bergwelt. Die am Eingang des Martelltales gelegene Burgkapelle St. Stephan birgt Fresken, die schon ins 15. Jahrhundert datieren.

Samstag, 23. Juli 2022
Oberer Vinschgau und Münster­tal
Seltene Fresken aus karolingischer Zeit kann man in St. Benedikt in Mals bestaunen, das als einer der interessantesten Kirchenbauten im Alpenraum gilt. Über die in früheren Jahrhunderten oftmals harten Lebensbedingungen informiert das Vinschgau-Museum in Schluderns. Zentrum des oberen Vinschgaus ist indes das reizvolle Städtchen Glurns mit seiner vollständig erhaltenen Ringmauer. Auf Schweizer Boden liegt das Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair, das Karl der Große gegründet haben soll. Seit 1983 zählt es wegen seiner gut erhaltenen Architektur und der Wandmalereien zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die um das Jahr 800 geschaffenen Fresken der Klosterkirche sind ein einzigartiges Zeugnis frühmittelalterlicher sakraler Bildgestaltung.

Sonntag, 24. Juli 2022
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes.
Meran
Südliches Flair verströmt die Stadt Meran. Nachdem Kaiserin Sissi mit ihren Töchtern hier zur Kur war, erlebte die Stadt einen ungeheuren touristischen Aufschwung. Für ihren Aufenthalt wählten die kaiserlichen Hoheiten Schloss Trautmannsdorff, das heute ein Museum beherbergt. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die 12 Hektar großen Gartenanlagen, die sich den Hügel hinaufziehen und unterschiedlichen Vegetationen und Gartenformen gewidmet sind.

Montag, 25. Juli 2022
Am Reschen
Das lebendige Kloster Marienberg, die höchstgelegene Benediktiner­abtei Europas, beeindruckt mit Fresken in Kirche und Krypta, die ohne Zweifel zu den schönsten Zeugnissen romanischer Kunst im Alpenraum gehören. Dass der Reschenpass auch eine militärische Bedeutung hatte, belegt eindrücklich das Sperrfort Nauders. Im künstlich angelegten Reschensee verschwand ein ganzes Dorf, über das man heute mit dem Boot hinwegfahren kann. Nur der Kirchturm ragt noch heraus.

Dienstag, 26. Juli 2022
Bozen
Der von Michael Pacher geschaffene Altar in der alten Pfarrkirche Gries zählt zu den eindrücklichsten Schnitzarbeiten in Südtirol. Auf Schloss Runkelstein haben sich profane Wandmalereien der Zeit um 1400 in erstaunlicher Fülle erhalten. Bozen erschließt sich bei einem Rundgang. Die Hauptstadt der autonomen Provinz Bozen spiegelt auch das Ringen um einen Ausgleich der deutschen, italienischen und ladinischen Kultur wider, die das heutige Südtirol prägen.

Mittwoch, 27. Juli 2022
Stilfser Joch
Das kleine Kirchlein St. Johann in Prad am Stilfser Joch schließt den Reigen der freskierten Vinschgauer Sakralräume. Mit dem Ortler wird einer der markantesten Berge der Region besucht. Reinhold Messners Ortlermuseum fügt sich mit seiner ausdrucksstarken Architektur in die Landschaft ein. Es ist dem ewigen Eis der Berge gewidmet, dessen Beständigkeit mittlerweile vom Klimawandel infrage gestellt wird. Von Sulden führt der Langenstein-Sessellift auf die K2-Hütte, wo sich jenseits der Baumgrenze noch einmal ein gänzlich anderes Bild der Landschaft ergibt.

Donnerstag, 28. Juli 2022
Burgen stolz und kühn
Die Burgkapelle auf Hocheppan gilt als Sixtina der Alpen. Mit der grandiosen Fülle der gemalten Bilder konkurrieren jene, die sich beim Blick ins Tal eröffnen. Auf Schloss Juval erhält man Einblick in die Bergabenteuer des Hausherrn Reinhold Messner. Expeditionssouvenirs und Ausstellungsstücke verraten viel über Bedeutung und Sichtweise der Berge in anderen Kulturen.

Freitag, 29. Juli 2022
Auf Wiedersehen, Südtirol!
Rückreise nach Köln (Ankunft ca. 19.30 Uhr) und Bensberg (Ankunft ca. 20.15 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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