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Erzählte Geschichte(n) in Zeiten der Wiedervereinigung

Literatur der 1990er Jahre

Die 1990er Jahre stehen fast ganz im Zeichen der mit dem Zusammenbruch des „Ostblocks“ und der deutschen Wiedervereinigung stehenden Veränderungen im politischen Klima. Diese waren sowohl geprägt vom Beitritt der ehemaligen DDR zur um sechs neue Bundesländer erweiterten BRD als auch durch die Entwicklungen in vielen osteuropäischen Staaten, die sich teils friedlich aufgelöst und neu gegründet haben (wie Tschechien und die Slowakei), sich von der Sowjetunion abgespalten haben (wie die Baltischen Staaten und die Ukraine) oder in mehreren Kriegen zerfallen sind (Jugoslawien). Mit diesen innen- wie außenpolitischen Veränderungen gehen in der BRD soziale und kulturelle Entwicklungen während der von 1982 bis 1998 dauernden Kanzlerschaft Helmut Kohls einher.

Im Laufe der Tagung soll untersucht werden, wie die angedeuteten Entwicklungen in literarischen Werken dieser Zeit dargestellt werden. Dabei werden sowohl Autorinnen und Autoren zu Wort kommen, die sich bereits in den vorangegangenen Jahren einen Ruf erworben haben (wie die etwas älteren: Jurek Becker, Günter Grass, Stefan Heym, Martin Walser, Christa Wolf u.a., und die etwas jüngeren: Peter Handke, Elfriede Jelinek, Herta Müller, Botho Strauß u.a.), als auch solche, die erst in den 1990ern vermehrt publizieren und mit ihren Erzählungen und Romanen, ihren Dramen und Gedichten (nicht nur) literarische Diskussionen auslösen und bereichern, wie z.B. Thomas Brussig, Judith Hermann, Barbara Honigmann, Helmut Krausser, Christian Kracht, Inka Parei, Robert Schneider und Ingo Schulze.

Samstag, 24. April 2021

14.00 Uhr
Von der Wiedervereinigung zur Jahrtausendwende
Zeit- und kulturhistorischer Überblick
Zur Einführung in die Tagung wird zunächst ein zeitgeschichtlicher Rück-blick die historischen Entwicklungslinien bis gegen Ende der 1980er Jahre rekapitulieren, bevor kulturelle und literarische Tendenzen in den 1990er Jahren schlaglichtartig skizziert werden. Dabei kommen Strömungen in Bildender Kunst, Musik und Film ebenso zur Sprache wie politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen, die sich im Zuge der deutschen „Wiedervereinigung“ – im Westen und im Osten der BRD auf teils recht unterschiedliche Art und Weise – ausgewirkt und ihren Ausdruck auch in zahlreichen künstlerischen Artefakten gefunden haben. Dabei verdienen sowohl die Bewältigung der jüngsten Vergangenheit rund um den europäischen Epocheneinschnitt als auch die sich daran anschließende Aufarbeitung aktueller, damals auf den Nägeln brennender Themen und Probleme besondere Aufmerksamkeit.

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr
Vergangenheitsbewältigung und Gegenwartsgestaltung
Ein dominantes literarisches Thema, das sich durch die Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hindurchzieht, ist die Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zwischen 1933 und 1945 und deren Darstellung in der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. In den 1990er Jahren haben besonders Erzählwerke von Günter Grass, Bernhard Schlink, Uwe Timm u.a. nicht nur für große Resonanz auf dem Buchmarkt gesorgt (die durch ihre Verfilmungen noch gesteigert wurden), sondern auch Aufnahme in den schulischen Lektürekanon gefunden. Dabei unterscheidet sich die Bewältigung der Vergangenheit bei den genannten westdeutschen Schriftstellern von denen ihrer ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen teilweise erheblich, wie man in Werken von Wolfgang Hilbig, Reinhard Jirgl, Monika Maron, Erwin Strittmatter, Ingo Schulze u.a. feststellen kann.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Lyrik am Abend: Gedichte zwischen Altlasten und Neuorientierung
Die Abendveranstaltung ist (wieder) dem gemeinsamen Gespräch über Gedichte vorbehalten. Ausgewählte Gedichte, die sich mit einem untergegangenen Land, der DDR, auseinandersetzen oder solche, die im Zeichen neuer lyrischer Tendenzen stehen und die in den 1990er Jahren für kontroverse Diskussionen und humorvolle Unterhaltung gesorgt haben, sollen ebenso besprochen werden wie empfindsame Natur- und einfühlsame Liebesgedichte. Wir werden uns mit Gedichttexten von Volker Braun, Ulrike Draesner, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Kerstin Hensel, Barbara Köhler, Heiner Müller, Katrin Schmidt u.a. beschäftigen.

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 25. April 2021

ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

8.00 Uhr
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes in der Edith-Stein-Kapelle
Aufgrund der aktuellen Sicherheitsstandards ist eine Anmeldung unter https://bit.ly/2SijQIQ erforderlich.

9.30 Uhr
Wendezeitliteratur – zwischen Untergang und Neuanfang
Am Beginn der 1990er Jahre haben sich viele Autorinnen und Autoren aus West- und (mehr noch) aus Ostdeutschland mit den politischen und ökonomischen Verhältnissen in der ehemaligen DDR und der nunmehr vergrößerten BRD ebenso intensiv auseinandergesetzt wie mit der sozialen und kulturellen Situation in ihrem ehemaligen und – nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3.10.1990 – nunmehr vereinten Land. Dabei kristallisieren sich vor allem zwei Tendenzen heraus: autobiografische (Lebens-)Geschichten (von Stefan Heym, Reiner Kunze, Erich Loest, Christa Wolf u.a.) und Versuche, die – vergangene und gegenwärtige – Realität in lyrische, dramatische und vor allem erzählerische Formen zu fassen, z.B. von Jurek Becker, Volker Braun, Thomas Brussig, Brigitte Burmeister, Christoph Hein, Wolfgang Hilbig, Reinhard Jirgel, Barbara Honigmann, Heiner Müller, Inka Parei, Ingo Schulze.

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Erzähl- und Pop-Literatur
Neue Tendenzen in den 1990er Jahren
Nachdem bereits in den 1980er Jahren vermehrt Erzählungen und Romane (von Günter Grass, Patrick Süskind, Christa Wolf u.a.) erschienen waren, die außergewöhnliche Figuren (-Konstellationen) mit spannenden Handlungskonstruktionen verbinden und häufig in vergangenen Epochen spielen, setzt sich in den 1990er Jahren diese Tendenz fort, z.B. bei Norbert Gstrein, Sten Nadolny, Christoph Ransmayr und Robert Schneider. Neben den Werken der in den 1990er Jahren renommierten Autorinnen und Autoren (wie Peter Handke, Herta Müller, Botho Strauß u.a.), treten einige vielversprechende Talente der jüngeren Generation hervor, wie z.B. Judith Hermann, Helmut Krausser, Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre, Feridun Zaimoglu. Eine Rückschau auf die Literatur der 1990er Jahre und eine Vorausschau auf die 2000er Jahre werden die Tagung abrunden.

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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