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Die Wiederkehr des Erzählens

Literatur der 1980er Jahre

Die 1980er Jahre sind gekennzeichnet durch fundamentale Veränderungen des politischen Klimas sowie des sozialen und kulturellen Lebens sowohl in der BRD und der DDR als auch in den anderen Staaten des „Ostblocks“. Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition von SPD und FDP (1982) unter Bundeskanzler Helmut Schmidt und der Bildung einer Koalition von CDU und FDP unter Helmut Kohl wurde in der BRD eine „geistig-moralische“ Wende proklamiert, während in der DDR eine politische Stagnation herrschte, verbunden mit einem Exodus namhafter Kunstschaffender und Regimekritiker in den „freien“ Westen. Dass diese beiden so unterschiedlichen Entwicklungslinien in eine politische Wende mit globalen Auswirkungen und in die deutsche Wiedervereinigung mündeten (1990), gehört zu den glücklichsten Momenten der deutschen Geschichte.

Im Laufe der Tagung soll untersucht werden, wie diese Entwicklungen in literarischen Werken dieser Zeit dargestellt und gedeutet werden. Dabei werden sowohl Autorinnen und Autoren zu Wort kommen, die sich bereits in den vorangegangenen Jahren einen Ruf erworben haben (wie die etwas älteren: Günter Grass, Martin Walser, Christa Wolf u.a., und die etwas jüngeren: Peter Handke, Peter Schneider, Botho Strauß u.a.), als auch solche, die erst in den 1980ern debütieren und mit ihren Erzählungen und Romanen, ihren Dramen und Gedichten (nicht nur) literarische Diskussionen auslösen und bereichern (wie Brigitte Kronauer, Christoph Hein, Hertha Müller, Patrick Süskind u.a.).

Samstag, 24. Oktober 2020

14.00 Uhr
Von der Bonner „Wende“ zur deutschen „Wiedervereinigung“
Zur Einführung in die Tagung soll zunächst ein zeitgeschichtlicher Rückblick die historischen Entwicklungslinien von 1945 bis gegen Ende der 1970er Jahre kurz rekapitulieren, bevor die kulturellen und literarischen Entwicklungen in den 1980er Jahren schlaglichtartig skizziert werden.
Dabei kommen Strömungen in bildender Kunst, Film und Musik ebenso zur Sprache wie soziale und politische Veränderungen im Zeichen epochaler Umwälzungen, die mit den Bezeichnungen „Glasnost“ (Offenheit) und „Perestroika“ (Umbau) und dem Namen Michail Gorbatschow eng verbunden sind – und deren gravierende Auswirkungen sich auch in der Literatur dieser Dekade feststellen lassen.

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr
Erzählen ohne Ende(n) - Geschichte und Geschichten
Am Übergang von den 1970er zu den 1980er Jahren haben sich in der BRD und der DDR viele Autorinnen und Autoren mit den politischen und ökonomischen Verhältnissen ihrer Zeit meist ebenso intensiv auseinandergesetzt wie mit der sozialen und kulturellen Situation in ihrem jeweiligen Land.
Während sich in den 1970er Jahren viele – im Zeichen der „neuen Subjektivität“ – an experimentellen Verfahrensweisen und an der Erkundung der eigenen Person versucht haben, erscheinen in den 1980er Jahren vermehrt Erzählungen und Romane, die (wieder) spannende Geschichten präsentieren und die jeweilige Handlungen häufig in der Vergangenheit ansiedeln, ohne ihre (damalige) Gegenwart aus dem Blick zu verlieren. Beispiele dafür bieten Dramen und Erzählwerke von Thomas Bernhard, Günter Grass, Wolfgang Hildesheimer, Elfriede Jelinek, Heiner Müller, Uwe Timm, Christa Wolf u.a.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Lyrik am Abend: zwischen Alltag und Apokalypse
Die Abendveranstaltung ist wieder dem gemeinsamen Gespräch über Gedichte vorbehalten. Ausgewählte „Alltagsgedichte“ oder auch solche, die im Zeichen der „Postmoderne“ oder der „Apokalypse“ stehen und die in den 1980er Jahren für kontroverse Diskussionen gesorgt haben, sollen ebenso besprochen werden wie einfühlsame Liebes- und Naturgedichte. Wir werden uns mit lyrischen Texten von Hans Magnus Enzensberger, Ulla Hahn, Thomas Kling, Michael Krüger, Hannelies Taschau u.a. beschäftigen.

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 25. Oktober 2020

ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

8.00 Uhr
Gelegenheit zur Teilnahme am katholischen Gottesdienst in der Edith-Stein-Kapelle
Aufgrund der aktuellen Sicherheitsstandards ist ein Anmeldung erforderlich, unter https://bit.ly/2SijQIQ oder durch Anruf im Pfarrbüro unter 02204/52424 (bis spätestens Freitag, 14 Uhr).

 9.30 Uhr
Packende Handlungen und phantastische Spannungen
Erzählen in den 1980er Jahren

Als vielleicht auffälligste literarische Tendenz zeichnet sich in den 1980er Jahren ein Trend zu außergewöhnlichen, manchmal phantastischen Handlungen und Figurenkonstellationen ab. Dabei „verlegen“ die Autorinnen und Autoren ihre Geschichten häufig in vergangene Epochen und „spielen“ mit prominenten literarischen Vorbildern, wobei die Grenzen zwischen anspruchsvoller und unterhaltender (Trivial-)Literatur bewusst verwischt und verschoben werden. Als Repräsentanten dieser häufig mit dem Etikett „neues Erzählen“ oder „Postmoderne“ versehenen Richtung gelten Gerhard Köpf, Brigitte Kronauer, Heiner Müller, Hermann Peter Piwitt, Sten Nadolny, Christoph Ransmayr, Patrick Süskind u.a

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
„Kleine“ Welten und literarische Fluchten
Neben umfangreichen Erzählwerken sorgen in den 1980er Jahren verstärkt „kleine“ erzählerische Formen für Aufmerksamkeit, da es einer ganzen Reihe sowohl renommierter Autoren (wie Wilhelm Genazino, Peter Handke, Ingomar von Kieseritzky, Botho Strauß u.a.) als auch einigen Debütierenden (wie Rainald Goetz, Bodo Kirchhoff, Jürg Laederach, Bodo Morshäuser, Herta Müller u.a.) gelingt, in Kurzgeschichten, Prosaminiaturen, Tagebuchnotizen usw. eindringliche Momentaufnahmen gesellschaftlicher Wirklichkeit zu skizzieren. Neben den Metropolen rücken auch Lebensverhältnisse in der Provinz in den Mittelpunkt eindrucksvoller Texte.
Ein Rückblick auf die Literatur der 1980er Jahre (Was bleibt?) und ein Ausblick auf die 1990er Jahre (Was kommt?) wird die Tagung abrunden.

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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