Kora27 (CC BY-SA 4.0)/wikimedia

Bänder, Heilige und Lebensbaum

Romanische Wandmalereien in Westfalen

Herzlich laden wir Sie ein, mit dem Kunsthistoriker Markus Juraschek-Eckstein den einzigartigen Schatz romanischer Bildwelten Westfalens zu betrachten. Bis vor wenigen Jahren war dieser kaum der Fachwelt bekannt. Erst ein fünfjähriges Forschungsprojekt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe brachte viele Details ans Licht.
So zeigte sich, dass vor rund 850 Jahren unbekannte westfälische Künstler eine architekturbegleitende sakrale Dekorationsmalerei entwickelten, die in ihrer Art und mit der Zahl der erhaltenen Objekte deutschlandweit nahezu einzigartig ist: Denn zwischen Lippe, Ruhr, Leine und Weser entstanden im 12. Jahrhundert zahlreiche kleine bis größere romanische Kirchen mit farbiger Innenausmalung, deren farbiges Schmuckdekor-System später mit figürlichen und szenischen Malereien ergänzt wurde.
Lassen Sie sich von der Vielfalt und Ausdruckskraft der Ausmalungen in romanischen Kirchen nicht nur in Schmallenberg, Soest oder Bochum-Stiepel überraschen! Ihr fachkundiger Begleiter ist der Kunsthistoriker Markus Juraschek-Eckstein.

Montag, 21. September 2020
Busreise von Köln (8.00 Uhr) und Bensberg (8.45 Uhr) zu drei Kirchen nahe Schmallenberg:
St. Vinzentius in Lenne
Mit ihren marmorierten Bändern und Scheinfugen ist die Kirche ein typisches Beispiel für westfälische Dekorationssysteme der Romanik und steht daher leitmotivisch zu Beginn der Betrachtungen. Die barocke Ausstattung einer Attendorner Holzwerkstatt befindet sich im Einklang mit dem romanischen Schmuckdekor.
St. Peter und Paul in Wormbach
Die ebenso rund 800 Jahre alte innere Wandfassung mit aufgemalten Kapitellen und Säulen der Wormbacher Kirche wurde ergänzt durch Tierkreiszeichen im Gewölbe und durch eine Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Apsis. Letztere ist eine der ältesten erhaltenen figürlichen Ausmalungen Westfalens (um 1190).
St. Cyriakus in Berghausen
Das mit dem der Kirche in Wormbach direkt vergleichbare dekorative Ausmalungssystem mit Säulenrahmungen der Fenster und fein ziselierten Ornamentbändern entstammt der Erbauungszeit um 1210. Die ebenso um jene Zeit angebrachte Chorausmalung zeigt die Majestas Domini sowie alttestamentarische und allegorische Szenen.

Dienstag, 22. September 2020
Nikolaikapelle und St. Patrokli in Soest
In der kleinen Zweistützenhalle St. Nikolai aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert lassen zartfarbige, schlaufenförmige Ornamentbänder die Gewölbe als luftig schwebende Zeltbahn erscheinen. Die figürliche Ausmalung in der Apsis, die auf etwa 1250 datiert werden kann, ist bereits in einer ausgeprägten Form des rheinisch-westfälischen Zackenstils gehalten. Die rekonstruierte schlichte Raumfassung des St. Patroklimünsters wurde nach Befund in der Mitte der 1950er Jahre ergänzt. Weitgehend original haben sich eine thronende Muttergottes mit Huldigung der Heiligen Drei Könige von etwa 1200 erhalten.
St. Petri in Soest
Das gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstandene Dekorationssystem im Langhaus und Westbau der Petrikirche entspricht den zeitgleichen Ausmalungen der Kirchen von Berghausen, Stiepel oder Ostönnen. Gotisch figürliche Malereien des 14. und 15. Jahrhunderts ergänzen hier das Dekorationssystem.
St. Maria zur Höhe
Auch wenn die Ausmalungen in der „Hohnekirche“ (St. Maria zur Höhe) zwar weitgehend Rekonstruktion sind, vermitteln sie mit den erhaltenen originalen Ausstattungsstücken – wie dem Scheibenkreuz von 1220/30 – den Gesamteindruck eines typisch westfälischen Kirchenraums von vor 800 Jahren.

Mittwoch, 23. September 2020
St. Andreas in Soest-Ostönnen
Die kleine Gewölbebasilika ist nahezu unverfälscht seit ihrem Bau im Jahr 1170 erhalten. Die gesamte Raumgestalt wird durch bauzeitlich aufgemalte Architekturen und Ornamentbänder gegliedert. Die fast 100 Jahre jüngere Apsis-Ausmalung zeigt das typisch romanische Bild der Majestas Domini, weist aber auch bereits gotische Stilelemente auf.
Dorfkirche in Bochum-Stiepel
In dieser Kirche wurde das mit figürlichen Szenen wie den Allegorien der Paradies-flüsse oder dem bethlehemitischen Kindermord angereicherte dekorative System des späten 12. Jahrhunderts in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ergänzt. Der Drachenkampf des Heiligen Georg (um 1470/80) oder der Apostelzyklus mit Paradiesszenen vom Ende des 16. Jahrhunderts künden von gotischen und frühneuzeitlichen Erweiterungen der Kirche. So kann die Dorfkirche mit ihren Ausmalungen als „Buch zur Entwicklung westfälischer Kunst des Mittelalters“ gelesen werden.
St. Johann Baptist in Dortmund-Brechten
Die zartfarbige und sich durch einen Hang zur Geometrie auszeichnende Dekorationsmalerei an Gewölben und Wänden aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wird hier durch eine in Malweise und Ikonografie äußerst anspruchsvolle Weltgerichtsszene im Chorgewölbe überhöht.

Donnerstag, 24. September 2020
St. Pantaleon in Bad Sassendorf-Lohne
Von einer ehemaligen Anbetung der Heiligen Drei Könige hat sich lediglich eine jugendliche Gestalt mit Gabe in der Hand erhalten. Die zeitliche Einordnung der Malerei (um 1270) lässt sie als letztes Glied in der Kette romanischer Wandmalereien erscheinen.
St. Urbanus in Bad Sassendorf-Weslarn
Aus dem 13. Jahrhundert stammen das Langhaus und seine aus den üblichen Begleitbändern oder Lebensbäumen bestehende, filigran ausgebildete Dekorationsmalerei. Der schon gotisch wirkenden Marienkrönung in der Nordapsis stehen Fragmente einer figürlichen Malerei in der ehemaligen Sakristei aus den Jahren 1160/70 gegenüber.
St. Blasius in Balve
Die Malereifragmente dieser Kirche sind gänzlich dem Zackenstil und damit der Zeit um 1250 zuzuordnen. Neben einer Legende aus dem Leben des Heiligen Nikolaus sind die besonders umfangreich erhaltene Chorausmalung mit der Majestas Domini sowie der Christus Pantokrator mit sehr gut erhaltenem goldstuckiertem Nimbus eindrucksvoll.
Weiterreise nach Bensberg (Ankunft ca. 18.45 Uhr) und Köln (Ankunft ca. 19.30 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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