Die Kirche in Wiedenest bietet mit ihrer Lage inmitten von Wiesen und umgeben von Bäumen sowie dem Pfarrhaus, dem Küsterhaus und dem Pfarrstall eines der schönsten Ortsbilder des Rheinlandes. Die Lage abseits einer Siedlung hat ihren Ursprung wahrscheinlich in der sog. Heiligen Quelle, die oberhalb der Kirche entspringt. Westturm und Schiff der Kirche stammen aus dem 12. Jahrhundert, die Choranlage wurde um 1452/1455 in spätgotischen Formen neu errichtet. Die Wandmalereien in Wiedenest zählen zu den umfangreichsten Zyklen im Rheinland und folgen einem genau konzipierten Programm. Das Gewölbe der Vierung schmückt das Weltgericht, wobei alle mittelalterlichen Stände, erkenntlich an ihren Kopfbedeckungen wie Krone, Bischofsmitra oder Hörnerhaube der reichen Frau, sowohl dem Höllenmaul entgegenschreiten als auch von Petrus zum Himmelstor geführt werden. Im Chor befinden sich die Apostel, die Anbetung der Hl. Drei Könige sowie ungedeutete Darstellungen. Die beiden Zyklen in den Querhäusern zeigen in zahlreichen Szenen einen Passionszykus (Nord) sowie einen Heilig-Kreuz-Zykus (Süd). Letzterer ist einzigartig in der Wandmalerei der Rheinlande und dem Umstand geschuldet, daß die Kirche in Wiedenest wohl nach 1204 von einem Kreuzfahrer einen Heilig-Kreuz-Splitter geschenkt bekam, zu dem sich dann eine Wallfahrt entwickelte. Der Zyklus beginnt auf der Ostwand oben mit der Geschichte des Kreuzesholzes von Adams Tod bis zur Kreuztragung Christi in zehn Bildern, es schließt sich die Auffindung des Hl. Kreuzes durch die Kaiserin Helena in fünf Bildern an und den Abschluß bildet mit zwei Szenen die Geschichte des Kreuzesraubes durch den persischen Herrscher Kosdras und die Wiederbeschaffung durch den byzantinischen Kaiser Heraklius. Die Heilig-Kreuz-Wandmalereien in Wiedenest sind der einzige Zyklus nördlich der Alpen, der die Geschichte von Adam bis Heraklius so umfangreich erzählt. Sein Pendant ist der Passionszyklus mit der Leidensgeschichte Christi vom Einzug in Jerusalem bis zum Pfingstgeschehen. Beide Zyklen dürften den Wallfahrern als Meditationsbilder gedient haben.

Auch bei den Wandmalereien in Wiedenest ist unklar, wann sie übertüncht wurden. 1918 unter der Tünche entdeckt, wurden sie erst 1932 durch Anton Bardenhewer freigelegt und mit geringfügigen Retuschen versehen, die zu Beginn der 1960er Jahre wieder abgenommen wurden. 2015 wurden die Wandmalereien umfassend gereinigt und gefestigt, etliche Details sind seitdem deutlich besser zu sehen. Seit 2010 wurde die Kirche auch mit einer neuen Ausstattung und Beleuchtung versehen.

Evangelische Kirche Wiedenest

Adresse der Kirche
Martin-Luther-Str. 1
51702 Bergneustadt

Öffnungszeiten
9 bis 18 Uhr

Gemeindebüro
Martin-Luther-Haus Wiedenest
Martin-Luther-Straße 4
Tel. (02261) 9699728

Ansprechpartner
Pfr. Michael Kalisch
Vor der Platte 1 A
51702 Bergneustadt
(02261) 411 41
Michael.kalisch@kirche-wiedenest.de
https://kirche-wiedenest.de/kreuzkirche/