drei Kostümierte feiern miteinander

Karneval und die Kunst der Herzensfreude

Karneval ist laut. Er ist bunt, überdreht, manchmal unerquicklich. Und er bringt vieles durcheinander: Rollen, Regeln, Erwartungen. Für manche ist das befreiend, für andere kaum auszuhalten.

Doch vielleicht liegt genau darin ein Gedanke, der tiefer reicht als Konfetti und Kostüm.

Karneval nimmt das Leben nicht leicht – aber er nimmt ihm die Schwere. Für einen Moment darf alles anders sein: Autoritäten werden parodiert, Gewissheiten relativiert, das Perfekte entzaubert. Karneval erinnert daran, dass Menschen mehr sind als ihre Funktionen. Und dass Ordnung nicht alles ist.

In der Bibel findet sich ein Satz, der überraschend gut dazu passt:
„Herzensfreude ist Leben für den Menschen, Frohsinn verlängert ihm die Tage.“ (Sir 30,21f.)

Herzensfreude ist hier kein flüchtiger Spaß. Sie meint eine innere Haltung, die dem Leben Raum gibt. Vielleicht jene Fähigkeit, sich selbst nicht absolut zu setzen. Über sich lachen zu können. Die eigenen Grenzen wahrzunehmen, ohne daran zu verzweifeln.

Gerade in diesen Tagen könnte das ein kleines geistliches Experiment sein: sich daran zu erinnern, dass Glauben nicht nur mit Ernst, sondern auch mit Leichtigkeit zu tun hat. Dass man nicht jede Frage mit gefurchter Stirn bedenken muss. Und dass ein Lächeln manchmal ehrlicher sein kann als viele Worte.

Karneval kann so zu einer Übung werden – nicht im Vergessen, sondern im Loslassen. Nicht im Oberflächlichen, sondern im Vertrauen. Ob man feiert oder lieber Abstand hält: Vielleicht erzählt unser Lachen etwas davon, dass wir das Leben mögen. Trotz allem – oder gerade deswegen.

Pia von Boeselager, Referentin Öffentlichkeitsarbeit Thomas-Morus-Akademie Bensberg

Pia von Boeselager Referentin Thomas Morus Akademie Bensberg