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Wege zu Goethes Spätwerk

Zwischen Altersweisheit und Avantgarde

Die Dichtung des alten Goethe ist ebenso Zeugnis intellektueller Einsamkeit wie eines stellenweise verblüffenden Alters-Avantgardismus und hält – nicht nur in Gestalt von „Faust II“, der eine eigene Auseinandersetzung erfordert – großartige Texte bereit: Gedichte, die Goethes Weltanschauung in letzten Formeln zur Sprache bringen und sich Einflüssen der Weltkultur öffnen; den Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“, in dem Probleme einer modernen Gesellschaft, die uns bis heute beschäftigen, im Spiegel der Ironie aufgefangen werden sowie eine erzählerische Kostbarkeit wie die „Novelle“, deren schlichter Titel kaum ahnen lässt, dass hier ein Lebensthema des Dichters variiert wird: das Verhältnis von Krieg und Frieden. Dass Goethe überdies ein meisterhafter Briefschreiber war, wird einführend anhand ausgewählter Beispiele zu zeigen sein. Ein faszinierendes Alterswerk liegt vor uns; die Beschäftigung mit ihm setzt Erkenntnisse frei, die auch der eigenen Lebensgestaltung dienlich sein können.
Im Rahmenprogramm sind zwei besondere Ereignisse hervorzuheben: Als Ergebnis einer ersten Restaurierungsphase des Stadtschlosses können der Ostflügel mit dem Gentzschen Treppenhaus und der Festsaal besichtigt werden. Im Deutschen Nationaltheater Weimar ist zudem „Faust II“ in einer Neuinszenierung zu erleben.
Über Ihr Interesse freuen wir uns!

 

Ihr/e Reiseleiter/in

Donnerstag, 10. Dezember 2026
Individuelle Anreise zum Hotel Dorint
Am Goethepark Weimar.

15.00 Uhr
Willkommen zur Goethe Akademie!
Begegnungen und Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck
Prof. Dr. Jochen Golz
Ehrenpräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e.V.
Dr. Robert Steegers
Germanist, veröffentlichte mit Norbert Oellers „Weimar. Literatur und Leben zur Zeit Goethes“, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrer*innenbildung an der Universität Bonn

16.00 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hotel
„Freundlich aufgefasstes Neue“
Goethes Wahrnehmung der Moderne
Kritische Aufgeschlossenheit gegenüber sozialen und kulturellen Entwicklungen seiner Gegenwart verbinden sich bei Goethe im Alter mit teils skeptischen, teils hoffnungsvollen Aussagen im eigenen Werk. Derlei Spannungen gilt es einführend aufzuzeigen.
Prof. Dr. Jochen Golz

18.30 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

20.00 Uhr I Lesung im Hotel


Freitag, 11. Dezember 2026
Frühstück

9.15 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hörsaal des Studienzentrums der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
„Spät erklingt, was früh erklang“
Natur und Kunst im Spiegel von Goethes späten Gedichten
Natur und Kunst stehen in Goethes Dichtung in einem vielschichtigen Verhältnis zueinander, das sich zugleich als Spannungsverhältnis von Notwendigkeit und Freiheit begreifen lässt. In einer Folge von späten Gedichten hat Goethe zu diesem Themenfeld letzte und besonders verdichtete Aussagen formuliert.
Prof. Dr. Jochen Golz

10.45 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hörsaal des Studienzentrums der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
„Dämmrung senkte sich von oben“
Weltliterarische Impulse in Goethes Alterslyrik
Mit dem „West-östlichen Divan“ hatte sich Goethe bereits der Kultur des Orients geöffnet. In seinem Spätwerk treten darüber hinaus neue weltliterarische Anregungen hinzu, insbesondere aus der altchinesischen Dichtung. Der Zyklus der „Chinesisch-deutschen Jahres- und Tageszeiten“ zeugt von dieser bemerkenswerten Offenheit und lässt erkennen, wie Goethe bis ins hohe Alter dichterisches Neuland betrat.
Prof. Dr. Jochen Golz

Gelegenheit zur individuellen Mittagspause

14.30 Uhr I Besuch und Präsentation im Goethe- und Schiller-Archiv
„Vieles reicht ich meinen Lieben“
Das Alterswerk im Spiegel der Manuskripte
Goethes Nachlass – kostbarster Besitz des ältesten deutschen Literaturarchivs – bewahrt reichhaltige handschriftliche Zeugnisse seines Spätwerks. Ausgewählte Dokumente werden vorgestellt und erläutert. Zugleich zeigt sich, wie sehr Goethe im Alter darum bemüht war, ein „Archiv seiner selbst“ einzurichten und sein Werk für die Nachwelt zu ordnen und zu bewahren.
Dr. Ariane Ludwig
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klassik Stiftung Weimar

18.00 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

19.30 Uhr I Besuch der Aufführung im Deutschen Nationaltheater

„Faust. Der Tragödie zweiter Teil“
Eine Herausforderung für das Theater von Johann Wolfgang von Goethe
Nachdem Faust aus seinem Heilschlaf erwacht ist, beginnt die Suche nach dem Unbedingten in einer bedingten Welt erneut. Getrieben von Mephisto durchmisst er Vergangenheit und Zukunft, durchstreift Antike und Mittelalter, erfindet mithilfe seines Antipoden das Papiergeld, gewinnt Kriege und neues Land. Während Faust zum Verbrecher an Mensch und Natur wird, treibt Mephisto dessen rastlosen Eroberungswillen voran und wartet zugleich auf die Einlösung der Wette. Als der erblindete Faust schließlich in einer visionären Verblendung die Gesellschaft der Zukunft heraufbeschwört, scheint der entscheidende Augenblick gekommen. Mit seinem unerschöpflichen Reichtum an Bildern, Zeiten und Gedanken stellt Goethes Spätwerk bis heute eine besondere Herausforderung für das Theater dar.


Samstag, 12. Dezember 2026
Frühstück

9.15 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hörsaal des Studienzentrums der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
„Die Wanderjahre sind nun angetreten“
Soziale und kulturelle Konflikte der frühen Moderne im Spiegel von Goethes Altersroman
Tradition und Moderne treten in den „Wanderjahren“ in ein komplexes, spannungsreiches Verhältnis. Gegen die Tendenzen der frühkapitalistischen Industrialisierung werden die bewahrenden Elemente Kultur und Bildung aufgerufen. Im Wechselspiel von Rahmenhandlung und eingeschobenen Novellen entfaltet sich dabei ein vielschichtiger, häufig ironisch gebrochener Schwebezustand, der den Roman bis heute offen und interpre-tationsreich hält.
Prof. Dr. Jochen Golz

Gelegenheit zur individuellen Mittagspause

14.00 Uhr I Besuch und Führung
„Ein harmonisch hoher Geist“
Treppenhaus und Festsaal im Stadtschloss Weimar
Als im November 1804 Erbprinz Carl Friedrich und Zarentochter Maria Pawlowna frisch vermählt ihren Einzug in Weimar hielten, konnten sie im Ost- und Nordflügel des Stadtschlosses Wohn- und Gesellschaftsräume beziehen, die erst kurz zuvor, unter maßgeblicher Beteiligung Goethes als Leiter der vom Herzog eingesetzten Schlossbaukommission, geschaffen worden waren. Nach achtjähriger Sanierung sind Treppenhaus und Ostflügel, die zu den schönsten architektonischen Zeugnissen des deutschen Klassizismus gehören, wieder öffentlich zugänglich und in ihrer ursprünglichen Wirkung erlebbar.

17.30 Uhr I Gelegenheit zum Gespräch im Hotel
Goethe in Gesellschaft
Anmerkungen zu Geschichte und Gegenwart der Goethe-Gesellschaft
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels Walther Wolfgang von Goethe wurde auf Anregung der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach 1885 die Goethe-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute die größte literarische Gesellschaft Deutschlands mit 2 500 Mitgliedern in 40 Ländern der Welt und kann auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken.
Prof. Dr. Jochen Golz
19.00 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant


Sonntag, 13. Dezember 2026
Frühstück

9.00 Uhr I Gelegenheit zum Besuch eines
katholischen Gottesdienstes

10.00 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hotel
„Löwen sollen Lämmer werden“
Bilanz eines Lebens in Goethes „Novelle“
In Goethes Spätwerk treten Gewalt und Gestalt, Macht und Formgestaltung immer wieder in ein spannungsreiches Verhältnis. In seiner letzten Erzählung wird fürstliche Gewalt jedoch nicht bloß dargestellt, sondern im Medium des Ästhetischen transformiert und aufgehoben. Im Handeln der Schaustellerfamilie zeigt sich eine poetische Gegenwelt, in der Versöhnung möglich wird. Ein Vergleich mit Mozarts „Zauberflöte“ liegt dabei nahe.
Prof. Dr. Jochen Golz

12.15 Uhr | Mittagsimbiss im Hotel und Verabschiedung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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