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Familiengeschichten und Fräuleinwunder

Literatur der 2000er Jahre

In den 2000er Jahren zeichneten sich in Folge der deutschen Wiedervereinigung und nach der Ära Kohl mit der Bildung einer rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder (SPD) als Regierungschef und Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) als Außenminister 1998 neue gesellschaftliche Tendenzen ab. Als 2005 die aus der ehemaligen DDR stammende Angela Merkel zur ersten deutschen Bundeskanzlerin gewählt wurde und eine Große Koalition mit der SPD bildete, änderte sich erneut das politische Klima, zumal die Linkspartei (PDS) zum ersten Mal in den Bundestag einzog. Das die zivilisierte Welt erschütterndste Ereignis der „nuller“ Jahre stellt sicher der verheerende Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11.9.2001 dar, dessen – teils auch militärische – Auswirkungen in vielen Bereichen und Regionen bis heute spürbar sind.

Neben der literarischen Aufarbeitung der genannten geschichtlichen Ereignisse und der Bewältigung der jüngeren Vergangenheit beschäftigen sich viele Autorinnen und Autoren verstärkt mit den Gründen für den Zusammenbruch der DDR. Darüber hinaus kristallisieren sich etliche weitere Strömungen heraus: So wurden einige der im Laufe der Dekade debütierenden Schriftstellerinnen (wie Jenny Erpenbeck, Julia Frank, Judith Hermann, Marion Poschmann, Juli Zeh) von mehreren Medien als das „neue Fräuleinwunder“ gefeiert. Außerdem erleben Ehe-, Liebes- und Familiengeschichten sowie Literatur, die den Blick auf eher entfernte oder abgelegene Regionen richtet, eine Konjunktur.

Wir laden Sie herzlich nach Bensberg ein, um über ausgewählte Autorinnen und Autoren und ihre Werke zu sprechen, die diese „nuller“ Jahre geprägt haben und von ihnen geprägt wurden!

 

Ihr/e Referent/in

Samstag, 19. März 2022

14.00 Uhr
Nach der Jahrtausendwende – zeit- und kulturhistorischer Überblick
Ein kurzer Überblick zeichnet die historischen Entwicklungen von der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 bis zur Jahrhundert- respektive Jahrtausendwende nach und widmet sich anschließend den maßgeblichen kulturellen Strömungen, die sich in den 2000er Jahren in vielen Bereichen abzeichnen. Außer den künstlerischen Tendenzen kommen auch gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Aspekte zur Sprache, die sich mit teils gravierenden Unterschieden in den „alten“ und „neuen“ Bundesländern zeigen. Dabei erhält die literarische und wissenschaftliche Aufarbeitung der Lebensverhältnisse in der BRD sowie in der ehemaligen DDR einerseits, deren ökonomische Abwicklung andererseits zunehmend an Bedeutung – und führt zu sozialen Spannungen in öffentlichen wie in privaten Bereichen.

15.30 Uhr
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr
Das neue ‚„Fräuleinwunder“ – und alte Medienmechanismen
Am Beginn der „nuller“ Jahre glaubten einige (meist männliche) Literaturkritiker einen neuen literarischen Trend ausmachen zu können: das neue „Fräuleinwunder“, das sie durch mehrere, damals junge Autorinnen repräsentiert sahen, wie Zsuzsa Bánk, Karen Duve, Jenny Erpenbeck, Julia Franck, Judith Hermann, Zoë Jenny und Juli Zeh. Dass die damals gemeinten jungen Damen auch in den folgenden Jahren fast ausnahmslos beim Publikum erfolgreiche Bücher vorgelegt haben, die sehr verschiedenartige Themen auf meist hohem Niveau abhandeln, bestätigt nicht so sehr die schwärmerischen Elogen, die sie über sich haben ergehen lassen müssen, als die Mechanismen des literarischen Marktes, dem alle Autorinnen und Autoren – im mehrfachen Sinne – unterliegen, manchmal auch erliegen.

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Lyrik am Abend: ernste Themen und leichte Töne
Die Abendveranstaltung ist (wieder) dem gemeinsamen Gespräch über recht unterschiedliche Gedichte vorbehalten. Ausgewählte Texte, die im Zeichen neuer lyrischer Tendenzen stehen und die in den 2000er Jahren für öffentliche Diskussionen, aber auch für humorvolle Unterhaltung gesorgt haben, werden ebenso besprochen wie Gedichte über Gefühle (wie Liebe und Leid) und solche, die Gedanken zu alltäglichen wie außergewöhnlichen Ereignissen in Versen und Strophen gefasst haben. Gedichttexte von Thomas Gsella, Reinhard Kiefer, Marion Poschmann, Silke Scheuermann, Lutz Seiler u.a. werden im Mittelpunkt stehen.

21.15 Uhr
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 20. März 2022
ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

8.00 Uhr
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes in der Edith-Stein-Kapelle

9.30 Uhr
Ehe- und Liebesgeschichten – oder: dies- und jenseits des Glücks
Am Übergang von den 1990er zu den 2000er Jahren erscheint eine Reihe von Romanen, die zwischenmenschliche Verhältnisse respektive Liebes- und Ehegeschichten entfalten – und die (wie in fiktiven Werken nicht anders zu erwarten) mit verhängnisvollen Affären einhergehen. Dass und inwieweit sich dabei Autoren wie beispielsweise Peter Schneider und Dieter Wellershoff von prominenten literarischen Vorbildern haben anregen lassen – etwa von den Ehe(brecher-)Romanen Johann Wolfgang von Goethes, Gustave Flauberts und Theodor Fontanes – wird im Vordergrund der Ausführungen stehen. Außerdem wird dargestellt, wie zeitgenössische Autorinnen und Autoren einerseits den Erzählmodellen ihrer Vorgänger folgen, andererseits diese jedoch nicht nur adaptieren, sondern auch variieren und interpretieren, um „ihre“ Geschichte in die Gegenwart zu „transportieren“.

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr
Familiengeschichten – Neue Tendenzen in den 2000ern
Eine gewisse Erweiterung der Ehe- und Liebesgeschichten bieten Familienromane (oft in der Nachfolge von Thomas Manns „Buddenbrooks“), die in der Regel über mehrere Generationen und mehrere Epochen hinausreichen und am Schicksal einzelner Familienmitglieder auch gesellschaftliche Prozesse und zeitgeschichtliche Zu- und Missstände sichtbar werden lassen. Bücher von Tanja Dückers, Arno Geiger, Eva Menasse, Reinhard Jirgl u.a. repräsentieren diesen Trend in eindrucksvoller Manier. Andere Schriftstellerinnen und Schriftsteller bieten einfühlsame Einblicke in eher entfernte oder abgelegene Regionen und machen gleichsam die Provinz zum Zentrum ihrer Geschichten, wie in den lesenswerten Büchern von Reinhard Jirgl, Peter Kurzeck, Christoph Peters, Norbert Scheuer, Feridun Zaimoglu u.a.

13.00 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende des Seminars

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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