Dieter E. Weinelt (CC BY-ND 2.0), Flickr

Im Land der Weserrenaissance

Von Hannoversch Münden nach Porta Westfalica

Das Weserbergland liegt mitten in Deutschland und ist doch weitgehend von verträumter Abgeschiedenheit geprägt. Wer das alte Kloster Bursfelde am ruhig dahinfließenden Strom besucht, wer von der Terrasse des Schlosses Fürstenberg auf das Land schaut, wer unvermittelt vor der Fassade von Schloss Bevern steht, der wähnt sich in einer anderen Zeit. Fern der Hektik touristischer Zentren bietet der Weserraum eine große Zahl an sehenswerten Orten, die von längst vergangenen Zeiten künden, etwa vom 16. und frühen 17. Jahrhundert, als eine Hochkonjunktur entlang der Weser einen Bauboom auslöste. Die damals entstandenen Bauten mit ihren Schmuckformen werden als Weserrenaissance stilistisch zusammengefasst. Doch nicht allein an alten Kirchen und Bauten ist die Region reich, auch die Literatur hat hier eine Heimat. Wilhelm Raabe hat unzählige seiner Geschichten hier angesiedelt, von Bodenwerder gingen die Münchhausiaden um die Welt, die Brüder Grimm sammelten hier ihre Märchen und die Sage des Rattenfängers von Hameln ist in den USA und in Japan nicht weniger bekannt als bei uns.

Dienstag, 27. Juli 2021
Busreise von Bensberg (7.45 Uhr) und Köln (8.30 Uhr).
Vom Rhein an die Weser
Majestätisch thront die Wewelsburg über dem Tal der Alme. Ihr dreieckiger Grundriss gilt als eine Besonderheit, zum Zeugnis der Weserrenaissance wurde sie nach Umbau durch die Paderborner Bischöfe. Diese waren auch die Bauherren von Schloss Neuhaus. Mit Baubeginn im Jahr 1525 und den Impulsen des aus Süddeutschland stammenden Baumeisters und Steinmetzen Jörg Unkair bildet die Anlage nördlich von Paderborn so etwas wie einen Initialbau der Weser­renaissance.

Mittwoch 28. Juli 2021
„Wo Werra sich und Fulda küssen …“
Die Weser hat keine Quelle, sie bildet sich aus den Flüssen Werra und Fulda, die sich bei Hannoversch Münden vereinen. Hier gibt der Weserstein dem Fluss seine poetischen Worte mit auf die Reise. Hannoversch Münden bewahrt eine Reihe sehenswerter Bauten und die Erinnerung an den Wund- und Wunderarzt Dr. Eisenbarth.
Zwischen Reinhardswald und Solling hat sich die Weser tief eingegraben, im stillen, oftmals schmalen Tal liegen romantisch die alten Klöster Bursfelde und Lippoldsberg. Quirliger geht es in Bad Karlshafen zu, das als Planstadt für hugenottische und waldensische Einwanderer um ein künstliches Hafenbecken angelegt wurde. Von der geplanten Anlage wurde allerdings nur ein Teil realisiert. Das Hugenottenmuseum informiert über Geschichte und Tradition dieser Gemeinschaft.

Donnerstag 29. Juli 2021
Im Wilhelm Raabe-Land
Schloss Bevern ist eine Perle der Weserrenaissance. An seinen Fassaden lassen sich die einzelnen Stilelemente wie in einem Lehrbuch studieren. Kloster Corvey, wo Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar wirkte, ist UNESCO-Weltkulturerbe, vor allem wegen seiner erhaltenen karolingischen Bauteile. Zur benachbarten Stadt Höxter bestand immer eine Konkurrenz, die Wilhelm Raabe in seiner Erzählung „Höxter und Corvey“ thematisiert. In Höxter haben sich viele alte Fachwerkhäuser und Adelshöfe erhalten.
Auf Schloss Fürstenberg wurde Mitte des 18. Jahrhunderts die braunschweigische Porzellanmanufaktur eingerichtet, und die Schornsteine der Brennöfen veränderten die Silhouette. Annette von Droste-Hülshoff nannte es „das rauchende Schloss“. Die feinen Porzellane werden heute nicht mehr im Schloss gefertigt, aber ein Museum gibt Einblick in die Erzeugnisse der mehr als 250-jährigen Produktion, und von der Terrasse schweift der Blick weit über die Weserlandschaft. Ein Blick, der Lust macht, den Fluss vom Wasser aus zu erleben. Eine Schifffahrt von Beverungen nach Bad Karlshafen eröffnet neue Perspektiven und führt an steilen Klippen vorbei.

Freitag, 30. Juli 2021
Lügenbaron und Rattenfänger
Romantisch liegt das ehemalige Kloster Amelungsborn in einer ruhigen Landschaft. Bodenwerder ist die Heimat des Hieronymus von Münchhausen, der als Lügenbaron Eingang in die Weltliteratur gefunden hat.
Die Sage vom Auszug der Hamelschen Kinder hat ihren Ursprung womöglich in der Anwerbung von Siedlern für die mittelalterliche Kolonisation im Osten. Die Stadt selbst besitzt eine ganze Reihe sehenswerter Bürgerhäuser, von denen das Rattenfängerhaus das bekannteste ist.
Einem Schatzkästchen gleich präsentiert sich Schloss Hämelschenburg. Seine Schmuckelemente, Erker und Giebel spiegeln sich in dem kleinen See zu seinen Füßen.
Verträumt liegt die romanische Kirche des ehemaligen Klosters Fischbeck am Rand des gleichnamigen Ortes. In den alten Mauern rund um den Kreuzgang leben heute Kapitularinnen eines evangelischen Damenstifts.

Samstag, 31. Juli 2021
Rund um die Porta Westfalica
Wo die Weser ihr Bergland verlässt, um in die Norddeutsche Tiefebene einzutreten, liegt die Porta Westfalica. Von der Terrasse des Kaiser Wilhelm-Denkmals ergibt sich ein herrlicher Ausblick auf die Gegend. Weiter nördlich bei Minden wird der Mittellandkanal mittels einer Brücke über die Weser geführt. Westlich liegt Bückeburg; im Geistesleben des 18. Jahrhunderts war die kleine Residenzstadt der Schaumburger eine Größe. Johann Christoph Friedrich Bach und Johann Gottfried Herder wirkten hier.
Das Fürstenmausoleum im nahen Stadthagen ist ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk von weit überregionaler Bedeutung. Kloster Loccum bildet ein gut erhaltenes Beispiel für ein mittelalterliches Zisterzienserkloster.

Sonntag, 1. August 2021
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes.
Abschied vom stillen Tal
Von der Weser geht es hinauf in das Lipper Bergland. Das Städtchen Lemgo ist eng mit der Weserrenaissance verbunden, nicht nur finden sich einige schöne Bauten in der Stadt, in Schloss Brake ist auch das Weserrenaissance-Museum untergebracht. Die Mitarbeiter erforschen diese Epoche und ihre Baukunst wissenschaftlich und die Ergebnisse werden in einer Ausstellung präsentiert.
Anschließend Weiterreise nach Bensberg (Ankunft ca. 17.15 Uhr) und Köln (Ankunft ca. 18.00 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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