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Auf ein Wort mit … Dr. Arno-Lutz Henkel, Theologe und Kunsthistoriker, katholischer Priester mit portugiesischen Wurzeln, Pfarrer in der Pfarreiengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler

1906 Pfarrer Lutz Henkel

Eine geistvolle Zeit: Das ist Pfingsten für Christinnen und Christen, die an diesem Hochfest die Aussendung des Heiligen Geistes feiern.

Geistvoll zu sein ist auch der Wunsch, von dem sich viele Menschen durch ihr Leben tragen lassen. Was aber kann es bedeuten, tatsächlich geistvoll zu sein? An zwei Abenden in der Woche vor Pfingsten lädt Herr Pfarrer Arno-Lutz Henkel ein, auf den biblischen Spuren dieser Frage „45 Minuten in das eigene Leben“ zu investieren. Ihn hat Herr Dr. Michael Hartlieb gefragt, was er selbst unter einem geistvollen Leben versteht …

Lieber Herr Pfarrer Henkel, geistvoll zu sein, davon träumt wohl jeder Mensch. Was zeichnet diesen Zustand für Sie aus?

Die meisten Menschen wollen in der Tat nicht von allen guten Geistern verlassen sein. Für mich bedeutet „geistvoll“ ein Zweifaches: Zunächst und ganz wesentlich erfüllt, angefüllt zu sein von dem, was mein alltägliches Leben nährt: in und durch Beziehungen, der bleibenden Zusage, dass mein Leben von Gott zum Sinn berufen ist und ich mich vertrauend darauf verlassen darf – inmitten dieses Lebens und darüber hinaus! Sodann eine geistliche Spannkraft – ein geistvoller Mensch lässt sich hineinnehmen in Gottes Auftrag der Welt- und Lebensgestaltung.

Haben Sie selbst schon in dieser Hinsicht die Erfahrung gemacht, vom Geist erfüllt zu sein? Wie haben Sie dies erlebt?

Ein Kennzeichen des Geistes ist nach meinem Dafürhalten, dass er sich jeglicher menschlicher Verfügbarkeit entzieht. Er weht ja, wo er will. So bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als in der Rückschau von Ereignissen nach solchen Momenten Ausschau zu halten. Auch ich deute heute im Rückblick die eine oder andere Situation als eine von Gottes Geist durchwirkte und geformte. Konkret denke ich an die Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen, denen ich als Priester nahe sein durfte, aber auch an eine in Armenien, im Kloster Geghard, wo mich durch den Gesang in einer der dortigen Höhlenkirchen eine tiefe Ruhe und ein tiefer Frieden erfüllte.

Sie legen großen Wert darauf, die Bibel als Sammlung menschlicher Urerfahrungen auszudeuten. Welche Geschichte des AT erscheint Ihnen am geistvollsten?

Für mich bleiben die Gestalten der Erzväter und -mütter prägend. Sie konjugieren in ihrem Leben das durch, was letztlich zum Glauben als Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch unwiderruflich dazugehört. Beziehung will geistgewirkt sein: Im Anruf durch das Du an mein Ich und in meiner Antwort, die durch mein Ich immer auch (meine) Welt dem Du vorstellt und unweigerlich den anderen und das andere, von mir Unterschiedene miteinschließt. Für mich zählen Abraham und Sara zu jenen Gestalten, die dieses Geschehen sehr ansprechend verkörpern und menschlichen Lebensraum als Möglichkeit geisterfüllter Wirklichkeit veranschaulichen.

Sehr geehrter Herr Herr Pfarrer Henkel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Dr. Michael Hartlieb, Thomas-Morus-Akademie Bensberg.