Staub: Über Endlichkeit, Grenzen und das, was wir lieber übersehen

Staub ist das, was wir wegwischen. Was sich sammelt, wo wir nicht hinschauen. Was keinen Wert zu haben scheint.

Und doch beginnt mit Staub eine der ältesten Einsichten der Menschheit:
„Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“ (Gen 3,19)

Ein Satz, der meist wie ein Endpunkt klingt. Dabei bleibt offen, was er eigentlich eröffnet.

Staub ist nicht nur das, was bleibt, wenn etwas zerfällt. Er ist auch das, was sich absetzt, langsam, fast unbemerkt. Er entsteht aus Bewegung, aus Leben, aus Zeit. Staub erzählt davon, dass nichts einfach verschwindet, sondern Spuren hinterlässt. Vielleicht irritiert uns Staub genau deshalb. Weil er sich nicht festhalten lässt. Weil er nicht eindeutig ist. Er ist weder wertvoll noch wertlos, weder Anfang noch Ende. Er liegt dazwischen.

In den biblischen Erzählungen wird der Mensch aus Staub geformt. Nicht aus etwas Reinem oder Glänzendem, sondern aus dem, was nahe liegt, was sich an die Hände heftet, was Form annimmt, ohne fest zu sein. Vielleicht geht es bei Staub weniger um Vergänglichkeit als um Aufmerksamkeit. Um die Frage, worauf wir schauen – und was wir übersehen. Um das, was sich leise ansammelt, während wir mit anderem beschäftigt sind.

Vielleicht ist Staub weniger Mahnung als Einladung. Genauer hinzusehen. Das Unscheinbare ernst zu nehmen. Und dem zu vertrauen, was leise bleibt – aber trägt.

Pia von Boeselager, Referentin Öffentlichkeitsarbeit Thomas-Morus-Akademie Bensberg

Pia von Boeselager Referentin Thomas Morus Akademie Bensberg