Januar-Lektüre (2/3): Rainer Maria Rilke

Für den dritten Teil der Januar-Lektüre nehmen wir keinen dicken Band – sondern ein Gedicht. Denn manchmal braucht es nicht viele Seiten, sondern einen Satz, der hängen bleibt.

Rilkes Zeilen „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ sind ein wunderbares Bild für Entwicklung: nicht als Sprung nach vorn, sondern als Kreisbewegung, in der man sich allmählich erweitert. Manchmal kommen wir an ähnliche Fragen zurück – nur reifer, klarer, geduldiger.

Worum geht es?

Rilke beschreibt Wachstum als etwas, das Zeit braucht. Er „kreist“ um Gott, um die Welt, um das, was er werden soll – ohne zu wissen, ob er es erreicht. Und gerade dieses Nicht-Wissen wirkt erstaunlich modern: Es nimmt Druck raus.

Warum passt das in den Januar?

Weil Jahresanfang oft so tut, als müssten wir sofort wissen, wer wir sein werden. Rilke sagt: Es ist in Ordnung, unterwegs zu sein.

Ein Satz zum Mitnehmen

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.