Public domain, via Wikimedia Commons
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„Wenn Gott nicht existiert, dann ist alles erlaubt.”

Die theologische und religionsphilosophische Rezeption Dostojewskijs

F.M. Dostojewskij (1821–1881) hat viele Berufsgruppen beeinflusst, aber keine so nachhaltig wie die deutschsprachige Theologie. Über konfessionelle Unterschiede hinweg lasen Generationen von Pfarrern, Theologen und Religionsphilosophen seine Romane, bauten Figuren, Zitate und Gedanken in ihre Schriften ein und prägten damit das Image vom „religiösen Schriftsteller“ entscheidend mit aus, das die Dostojewskij-Rezeption lange bestimmte.

Nur: Was wird aus dieser Rezeptionslinie, wenn Gott als der zentrale Bezugspunkt des christlichen Glaubens immer mehr Menschen entgleitet und die Vorstellung eines personalen Gottes immer weniger überzeugt? Dem gehen wir auf unserer Jahrestagung nach. Wir erkunden, wie schon Dostojewskij das Verschwinden des Gottesgedankens beobachtet und in seinen Werken die Frage durchspielt: Wenn Gott nicht existiert, ist dann alles erlaubt? Wir beleuchten zeitgeschichtliche Hintergründe, Dostojewskijs Rolle im Dialog zwischen Ost und West und die Traditionsabbrüche unserer Zeit: Woran orientieren wir uns neu nach dem „Tode Gottes“? Und wer, wenn nicht Er, bannt die entfesselten Kräfte?

Freitag, 23. Oktober 2026

ab 15.00 Uhr
Bezug der Zimmer möglich

18.00 Uhr
Abendessen

19.00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Felicitas Esser, Thomas-Morus-Akademie Bensberg
Prof. Dr. Christoph Garstka, Deutsche Dostojewskij-Gesellschaft

Gott, Gewissen, Grundgesetz
Die theologische Dostojewskij-Rezeption zwischen Diktatur und Demokratie
Prof. Dr. Maike Schult, Philipps-
Universität Marburg

21.00 Uhr
Ende des Veranstaltungstages


Samstag, 24. Oktober 2026

Ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

9.30 Uhr
Dostojewskij als Brückenbauer?
Zur Rolle des Schriftstellers in der Ökumene
Prof. Dr. Karl Pinggéra, Philipps-Universität Marburg

11.00 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.15 Uhr
Erlaubt ist, was geht
Entfesselte Kräfte im 21. Jahrhundert
Internationale Perspektiven im Anschluss an Dostojewskij
Prof. Dr. Susan McReynolds, North-western University, Illinois/USA

12.45 Uhr
Mittagessen

14.15 Uhr
Mitgliederversammlung der Deutschen Dostojewskij-Gesellschaft
Parallel für Nichtmitglieder:
Filmvorführung „Ein Nobody gegen Putin“

16.15 Uhr
Kaffee- und Teepause

16.45 Uhr
Religion als staatliche Angelegenheit
Die Russisch-Orthodoxe Kirche zur Zeit Dostojewskijs und heute
Prof. Dr. Thomas Bremer, Professor i.R. für Ökumenik, Ostkirchenkunde und Friedensforschung, Universität Münster

18.00 Uhr
Abendessen

20.00 Uhr
Nikolaj Gogol: Die Nase
(aus den „Petersburger Novellen“)
Der Barbier Ivan Jakowlewitsch findet im Frühstücksbrot die Nase seines Kunden Kowalew. Der macht sich auf die Suche nach seiner Nase und sieht sie zu seiner Bestürzung in der Uniform eines Staatsrats aus der Kutsche steigen.

So beginnt Gogols 1836 erschienene fantastische Erzählung, in der sich Absurditäten und Alltag, Tragik und Groteske genial vermischen. Dieses erste surrealistische Prosastück der russischen Literatur, das in seiner Vieldeutigkeit bereits auf die Moderne (Kafka) verweist und von Schostakowitsch 1927/28 als Oper vertont wurde, wird umrahmt durch Charakterstücke von Tschaikowsky, Rachmaninow und Skrjabin, gespielt von dem international renommierten Pianisten Roman Salyutov.

Es liest der Kölner Sprecher und Literaturvermittler Stephan Schäfer, der sich mit der Gestaltung und Moderation von über 1000 Lesungen und Konzerten bundesweit einen Namen gemacht hat.

Lesung: Stephan Schäfer
Klavier: Roman Salyutov

22.00 Uhr
Ende des Veranstaltungstages


Sonntag, 25. Oktober 2026

Ab 7.00 Uhr
Frühstück für Übernachtungsgäste

8.00 Uhr
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes in der Edith-Stein-Kapelle

9.30 Uhr
Zwischen Befreiung und Verlust
Identitäts- und Orientierungsfragen nach dem Tode Gottes
Prof. Dr. Philipp David, Justus-Liebig-Universität Gießen

10.45 Uhr
Kaffee- und Teepause

11.15 Uhr
Abschlussdiskussion mit Rückblick und Ausblick

12.30 Uhr
Mittagessen

14.00 Uhr
Ende der Veranstaltung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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