Arnold Lyondgrün, gemeinfrei

Glückliche Idyllen!? Künstlerkolonien.

Hiddensee, Ahrenshoop, Schwaan

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Europa, ausgehend von dem französischen Barbizon, zahlreiche Künstlerkolonien. Angesichts der Suche nach unverfälschter Natur, einfachem Leben, nach Abgeschiedenheit sowie einem inspirierenden Austausch mit Gleichgesinnten boten sich auch in Norddeutschland ideale Bedingungen. Bis heute hat sich das unverwechselbare kulturelle Gepräge der Orte weitgehend erhalten.
Folgen Sie uns zu den Lieblingsorten und -motiven von Künstlerinnen und Künstlern in Ahrenshoop an der Ostsee und Schwaan. Entdecken Sie, welchen Aufbruch jene Zeit auch für Frauen in der Malerei bedeutete. Ein Besuch auf Hiddensee stellt die Malerinnen des „Hiddensoer Künstlerinnenbundes“ vor. Die Wustrower Künstlerin und Weltbürgerin Hedwig Woermann lernen Sie im Gespräch mit ihrer Biographin kennen.

Sonntag, 20. September 2020
Individuelle Anreise nach Berlin-Hauptbahnhof.
14.00 Uhr
Fahrt mit dem Reisebus in die Hansestadt Stralsund zum Romantik Hotel Scheelehof****s und ein erster Spaziergang.

Montag, 21. September 2020
Hiddensee: Die Malerinnen in Vitte und Gerhart Hauptmann in Kloster
Mit dem Reisebus fahren Sie nach Schaprode auf die Insel Rügen und mit dem Schiff nach Vitte. Jana Leistner, die Leiterin des Heimatmuseums Hiddensee, empfängt Sie am Hafen und begleitet Sie am Vormittag. Im Jahr 1922 ließ Henni Lehmann die „Blaue Scheune“ zum Ausstellungsort umbauen. Sie wurde zum Treffpunkt der Malerinnen, die als „Hiddensoer Künstlerinnenbund“ Anerkennung fanden. Elisabeth Büchsel fand hier im Alleingang und allen Widerständen zum Trotz ihren Weg und gilt als „Malerin von Hiddensee“. Der Besuch des Hauses der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen, das 1922 erbaut wurde, führt die Bedeutung der Insel als Rückzugsort für Kulturschaffende sowie für die künstlerische wie literarische Avantgarde vor Augen. Mit einer Kutsche erreichen Sie den Ort Kloster. Das Interesse gilt dem „Haus Seedorn“ und Gerhart Hauptmann, der hier bis 1943 die Sommer verbrachte und sich mit den Aktivitäten der Künstlerinnen sehr schwer tat.

Dienstag, 22. September 2020
Stralsund: Tradition und Aufbruch
Bedeutende Bauten der Backsteingotik prägen auf engstem Raum das Bild der Altstadt. Die Nikolaikirche und das Rathaus bilden ein herausragendes städtebauliches Ensemble. Wuchtig und wehrhaft wirkt die St. Marienkirche am Neuen Markt. Ein Stadtrundgang erschließt die prachtvollen Momente der alten Hansestadt bevor nachmittags die Fahrt nach Wustrow/Fischland startet.

Mittwoch, 23. September 2020
Ahrenshoop: Die Suche nach Licht, Weite und Natur
Ein Spaziergang entlang der Steilküste nach Ahrenshoop bietet eindrucksvolle Blicke auf die Küstenlandschaft sowie den schmalen Streifen zwischen Meer und Boddenlandschaft. Diesen entdeckte 1889 Paul Müller-Kaempff. Einige Jahre später siedelte er sich mit einigen Malerkollegen in dem Fischerdorf Ahrenshoop an und eröffnete mit ihnen den „Kunstkaten“ (1909), um ihre Werke zu zeigen und zu verkaufen. Müller-Kaempff baute 1894 ein Pensions- und Atelierhaus für seine Malschülerinnen und benannte es nach dem Schutzpatron der Maler: „St. Lucas“. Seit Sommer 2013 ist das neue Kunstmuseum Ahrenshoop ein besonderer Anziehungspunkt. Nach dem Besuch führt der Rundgang zu markanten Orten und Gebäuden des Ortes sowie zur Schifferkirche, die nach Plänen der Architekten Hardt-Waltherr Hämer erbaut wurde.

Donnerstag, 24. September 2020
Wustrow und die Künstlerin Hedwig Woermann
Unerwartet tauchte 1992 ein Teil des künstlerischen Nachlasses von Hedwig Woermann wieder auf. Sie kam mit ihrem Mann Johann Jaenischen 1919 nach Wustrow und lebte hier bis zu ihrem Tod 1960. Die Autorin Renate Billinger-Cromm hat sich intensiv mit der Lebensgeschichte der Künstlerin und Weltbürgerin beschäftigt und weiß, interessante Details zu berichten. Es erwartet Sie daher vormittags ein bewegendes Gespräch über diese weltoffene, mutige Künstlerin aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Später betrachten Sie in der Wustrower Kirche dann eine Arbeit von Hedwig Woermann, bevor Sie über den Darß zur Vinetastadt Barth mit Hafen, Marienkirche und Marktplatz aufbrechen. Im Stadthafen von Ribnitz steht seit 2009 die Skulptur „Der Zirkus kommt“ von Jo Jastram (1928-2011).

Freitag, 25. September 2020
Entdeckt. Vergessen. Wiederentdeckt: Die Künstlerkolonie Schwaan
Vor mehr als 120 Jahren ließen sich nach dem Studium der Landschaftsmalerei in Weimar vorwiegend einheimische Künstler in Schwaan nieder. Gründer und treibende Kraft der Künstlerkolonie war Franz Bunke (1857-1939). Rudolf Bartels, Peter Paul Draewing und der gebürtige Hamburger Alfred Heinsohn zählten zu den bekanntesten Vertretern. Über die „Malfrauen“ in der Kolonie ist nur sehr wenig bekannt. Der Erste Weltkrieg setzte dem gemeinsamen Schaffen ein Ende. Mit dem Tod von Bunke und Bartels geriet die Kolonie vollends in Vergessenheit. Seit 2002 werden jedoch Werke der Schwaaner Künstler in einer ehemaligen Mühle ausgestellt. Durch die „Kunstmühle“ führt Sie Museumsleiter Heiko Brunner.
Ribnitz-Damgarten: Lyonel Feininger, Jo Jastram und Bernstein
In der historischen Anlage des Ribnitzer Klarissenklosters betrachten Sie im Deutschen Bernsteinmuseum grandiose Bernsteinkunst. Eine kleine Dauerausstellung in der „Galerie im Kloster“ erinnert an Lyonel Feininger, der zwischen 1905 und 1921 im Ort zu Gast war; Motive von Ribnitz sind zeitlebens in seine Kunst eingeflossen. Ebenfalls zu sehen ist hier auch die Bronzestatue „Gestürztes Pferd“ von Jo Jastram aus dem Jahr 1970.

Samstag, 26. September 2020
„Das Fischland ist das schönste Land der Welt.“ Uwe Johnson in „Jahrestage“
Nach einem letzten Spaziergang am Ostsee-Strand startet die Fahrt nach Berlin-Hauptbahnhof (Ankunft ca. 14.00 Uhr).
Verabschiedung und individuelle Rückreise.

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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