Die Zitrone

In unserer Sommerreihe „Sommer der Nebensachen“ erzählen wir von unscheinbaren Dingen, die den Sommer prägen – und oft erstaunliche Geschichten mitbringen.

Kaum eine Frucht sieht so sehr nach Sommer aus wie die Zitrone. Gelb, glänzend, duftend – und zugleich sauer genug, um uns wachzurütteln. Sie erfrischt Wasser, verfeinert Speisen, parfümiert Hände und erinnert an südliche Gärten.

Lange war die Zitrone kein alltägliches Küchenobst, sondern ein kostbares Luxusgut. Auf barocken Stillleben erscheint sie kunstvoll geschält, ihre Spirale aus Schale wie ein kleines Schaustück der Vergänglichkeit. Man zeigte damit Reichtum, Weltläufigkeit und Geschmack – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Die Zitrone steht für Frische, aber auch für Exotik. Sie erzählt von Handelswegen, Orangerien, höfischer Kultur und der Sehnsucht nach dem Süden. In Schlossgärten wurden Zitruspflanzen gehegt und überwintert, als seien sie empfindliche Gäste aus einer anderen Welt.

Heute landet die Zitrone selbstverständlich im Glas Wasser. Doch in ihrem Duft steckt noch immer ein Hauch von Ferne, Eleganz und Sommerglück.

Pia von Boeselager – Referentin Öffentlichkeitsarbeit, Thomas-Morus-Akademie Bensberg

Pia von Boeselager Referentin Thomas Morus Akademie Bensberg