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„Spuren einer Existenz“

Goethes Gedichte

Goethe gilt heute als der größte deutsche Lyriker und als einer der Großen der Weltliteratur. Er selbst hat lange seine Lyrik nicht so hochgeschätzt wie seine Prosa und seine Dramen. Das änderte sich erst während der italienischen Reise, als er in seinen ‚kurzen Gedichten‘ „Spuren“ seiner „Existenz“ erkannte. Das Wort meint mehr als nur biographische Spuren, die sich in seiner Lyrik natürlich auch finden lassen.
Es soll als Motto dienen für einen Durchgang durch sein reiches, in jeder Hinsicht vielfältiges lyrisches Werk bei Lektüre teils weithin bekannter, teils weniger beachteter und noch zu entdeckender Gedichte. Dabei sollen neuere Versuche ihrer Deutung, auch ihrer Kritik, ebenso einbezogen werden wie bedeutende musikalische Interpretationen. Das macht wesentlich den Reiz der Lyrik Goethes aus: dass sie bis heute immer wieder zu neuen Lektüren einlädt.
Das Programm bietet neben Vorträgen und Gesprächen auch die Möglichkeit, Blicke auf kostbare Handschriften im Goethe- und Schiller-Archiv zu werfen. Einen besonderen Akzent setzt der Besuch einer Aufführung von Goethes Singspiel „Scherz, List und Rache“ in der Vertonung von Philipp Christoph Kayser im historischen Goethe-Theater
in Bad Lauchstädt.

Ablauf

Donnerstag, 16. April 2020

Individuelle Anreise zum Hotel Dorint Am Goethepark Weimar****.
15.00 Uhr
Willkommen zur Goethe Akademie!
Begegnungen und Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck
Elisabeth Bremekamp, Bensberg
Referatsleiterin, Thomas-Morus-Akademie Bensberg
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

16.00 Uhr | Vortrag und Gespräch im Hotel
Das „Summa Summarum seines Lebens“
Goethes existentielle Lyrik
„Wie wenig Spur bleibt doch von einer Existenz zurück“, schrieb Goethe über seine Gedichte, als er in Rom an seiner ersten Werkausgabe arbeitete. Mit dieser Formulierung lenkte er die Aufmerksamkeit auf den Teil seiner Lyrik, der existentiell – auch im modernen Sinn – genannt werden kann. Existentiell sind Gedichte dann, wenn sie von menschlicher Existenz, zunächst des Verfassers oder der Verfasserin, sprechen. In ihnen geht es weniger um einzelne Erlebnisse als um das Erleben eines Menschen, seine Identität und sein Selbst-Bewusstsein, seinen Blick auf sich und die Welt, seine Beziehungen zu anderen, ebenso um Glaube, Krankheit und Tod. Selbst wenn Goethe sein inneres Leben immer wieder verbarg, schrieb er solche Gedichte zu allen Zeiten seines langen Schaffens. Auch in ihnen spricht er allerdings immer als Künstler.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz
Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

18.30 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

20.00 Uhr | Gespräch im Hotel
Quo vadis?
Die Klassik Stiftung Weimar im Spannungsfeld gesellschaftlicher Entwicklungen
Dr. Ulrike Lorenz, Weimar
Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar

Freitag, 17. April 2020

Frühstück
9.15 Uhr I Vortrag und Gespräch im Hotel
„Es schlug mein Herz“
Die Lyrik der Geniezeit
Anfang der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts schrieb Goethe die ersten großen Gedichte – im Ton wie in der Form zuvor ungekannte, ja für die Zeit unerhörte Gedichte: Liebeslieder wie „Es schlug mein Herz“, das er später „Willkommen und Abschied“ nannte, oder seine großen Hymnen. So unterschiedlich die Texte sind, so zeigen sie ihn doch als jugendliches Genie, das neue Ausdrucksweisen für sein Erleben sucht: Die Lyrik macht Goethe so auch zu einer Form der Selbstaussprache, zumal über sein Lebensgefühl, seine
Liebesfähigkeit und Bindungsunfähigkeit.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

11.00 Uhr | Spaziergang zum Goethe- und Schiller-Archiv

11.30 Uhr | Besuch und Präsentation
Gedichte Goethes, handschriftlich überliefert
Besuch des Goethe- und Schiller-Archivs
Im reichen handschriftlichen Nachlass Goethes sind Gedichthandschriften aus allen Epochen seines Schaffens überliefert; einige dieser Kostbarkeiten werden präsentiert und kundig erläutert.
Dr. Silke Henke, Weimar
Abteilungsleiterin Medienbearbeitung und -nutzung, Goethe- und Schiller-Archiv, Klassik Stiftung Weimar

Gelegenheit zur Mittagspause

14.30 Uhr | Vortrag und Gespräch im Hotel
„Warum gabst du uns die tiefen Blicke“
Die Lyrik der ersten Weimarer Jahre
Die ersten 12 Weimarer Jahre waren nicht die fruchtbarste Zeit des Schriftstellers Goethe. Zwar fing er viel an, konnte aber nicht viel vollenden. Dennoch gelangen ihm einzelne große Gedichte – etwa ein Liebesgedicht wie das an Charlotte von Stein gerichtete „Warum gabst du uns die tiefen Blicke“ – oder Naturlyrik, die schon sein Bedürfnis nach Rückzug auf sich selbst in einer Zeit wachsender äußerer Inanspruchnahme verraten.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

16.30 Uhr | Vortrag und Gespräch
Goethe in Gesellschaft
Besuch der Goethe-Gesellschaft im Residenzschloss Weimar
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels Walther Wolfgang von Goethe wurde auf Anregung der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach 1885 die Goethe-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute die größte literarische Gesellschaft Deutschlands mit 2 500 Mitgliedern in 40 Ländern der Welt und kann auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken.
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.
Dr. Petra Oberhauser, Weimar
Geschäftsführerin der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

18.30 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant
20.30 Uhr | Vortrag und Gespräch im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums
„Fülle des Wohllauts“
Gedichte Goethes in der Gestaltung großer Komponisten
Goethes Lyrik galt die besondere Zuneigung von Komponisten. Lieder u. a. von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Robert Schumann und Hugo Wolf werden in herausragenden Interpretationen zu Gehör gebracht.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

Samstag, 18. April 2020

Frühstück
9.00 Uhr | Vortrag und Gespräch im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums
„So wunderbar ist das Leben gemischt“
Gedichte der mittleren Jahre
In Rom und mehr noch über Rom schrieb Goethe Gedichte in antiken Metren, die er vor allem durch die klassische lateinische Dichtung (neu) kennengelernt hatte. Mit ihnen begann eine Epoche seines Schreibens, die in der Zusammenarbeit mit Schiller gipfelte. Hinter den antiken Formen scheint allerdings die Person bald zu verschwinden. Inmitten einer zunehmend rollenhaften Lyrik, bis hin zu den „Divan“-Gedichten, in denen er sich von antiken Vorbildern wieder löste, gestaltete Goethe jedoch auch eigenes Erleben unterschiedlicher Art, nicht zuletzt seine Liebessehnsucht.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

11.00 Uhr | Fahrt mit dem Reisebus nach Bad Lauchstädt
Am Ausgang des 18. Jahrhunderts fanden sich Adel und vermögendes Bürgertum als Kurgäste in dem kleinen Ort Lauchstädt südlich von Halle ein, wo in Goethes Verantwortung ein Spielort für das Ensemble des Weimarer Hoftheaters entstand; 1802 wurde der klassizistische Theaterbau nach Entwürfen des Berliner Architekten Gentz eröffnet.

13.00 Uhr | Gelegenheit zur Mittagspause
14.30 Uhr | Konzertbesuch im Goethe-Theater
„Scherz, List und Rache“
Deutsches Singspiel (1787) von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Philipp Christoph Kayser (1755-1823)
Musikalische Leitung: Werner Ehrhardt
Regie: Igor Folwill
Annika Boos (Sopran): Scapine
Cornel Frey (Tenor): Scapin
Florian Götz (Bariton): Doktor
Orchester: l‘arte del mondo

18.00 Uhr | Rückfahrt nach Weimar
20.00 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

Sonntag, 19. April 2020

Frühstück
9.00 Uhr | Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes
10.00 Uhr | Vortrag und Gespräch im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums
„Schon ist alle Nähe fern“
Goethes Alterslyrik
Das Alter bescherte Goethe, auch nach dem „Divan“, noch eine Zeit reicher lyrischer Produktion, die zu einem guten Teil von sentenzhaften, nicht selten polemischen Sprüchen bestimmt ist. In den Dornburger Gedichten, auch in den „Chinesisch-deutschen Jahres- und Tageszeiten“ reflektiert er jedoch, mehr oder weniger deutlich, sein Leben und seinen Blick auf die Welt und die Natur im Alter. Er widmet Menschen, die ihm nahestanden, intime Verse, mit dem „Vermächtnis“ verfasst er ein frühes existenzphilosophisches Gedicht. Mit solchen Texten beschließt Goethe seine subjektiv-persönliche Lyrik, die den verschiedensten Aspekten seiner Existenz galt: Identität im Wechsel der Lebensalter, Naturerleben als Selbstfindung, Freundschaft und Liebe, Einsamkeit und Weltzugewandtheit, Glück mehr als Unglück.
Prof. Dr. Dieter Lamping, Mainz

12.15 Uhr | Mittagsimbiss im Hotelrestaurant und Verabschiedung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

Leistungen

Der Preis für die Teilnahme an der Goethe Akademie beträgt 809,00 € pro Person im Doppelzimmer und umfasst:

  • 3 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Badewanne/WC im Hotel Dorint Am Goethepark Weimar****s;
  • Frühstücksbuffet im Hotelrestaurant;
  • Nachmittagskaffee am 16. April 2020;
  • Mittagsimbiss am 19. April 2020;
  • Drei-Gänge-Abendbuffet oder -menü an allen Tagen im Hotelrestaurant;
  • Vorträge, Präsentation, Gebühren (u. a. Tagungsraum/Technik) laut Programm;
  • Karte für das Singspiel am 18. April 2020 (30,00 €);
  • Fahrt mit dem Reisebus am 18. April 2020 laut Programm;
  • Kulturförderabgabe an die Stadt Weimar.

HOTEL
Das Hotel Dorint Am Goethepark Weimar****s befindet sich unmittelbar am Goethepark und verdankt seine Ausstrahlung der architektonischen Verbindung zweier klassizistischer Villen mit einem Neubau. Von hier sind es nur wenige Gehminuten zum historischen Stadtkern, zum Residenzschloss oder zur Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Die 143 Zimmer sind komfortabel eingerichtet, alle Bäder verfügen über eine Badewanne mit integrierter Dusche. Das Hotel ist an eine öffentliche Tiefgarage angeschlossen; der Aufzug führt ins Hotelfoyer (Tagespreis: 20,00 €).

Doppelzimmer zur Einzelnutzung stehen in begrenzter Anzahl gegen einen Aufpreis von 105,00 € zur Verfügung.

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