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„Phantasie über Goethe“

Thomas Manns Blick auf den Weimarer Klassiker

Thomas Manns Beschäftigung mit Goethe hat den Charakter einer lebenslangen Auseinandersetzung. Bereits in der Schiller-Novelle „Schwere Stunde“ (1905) ist Goethe als bewundertes Vorbild im Hintergrund gegenwärtig. In den großen Goethe-Essays der 1920er Jahre, „Goethe und Tolstoi“ (1921) und „Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters“ (1932), bekennt sich Thomas Mann zu Demokratie und Humanität, prägnant noch einmal in seiner späten „Phantasie über Goethe“ (1948). Thomas Manns Auseinandersetzung mit Goethe kulminiert im Exilroman „Lotte in Weimar“ (1939), in dem sein Goethe-Bild gültige literarische Gestalt findet. Für Mann ist Goethe gleichermaßen Vorbild und Medium, durch das er seine politischen und ästhetischen Erkenntnisse im Spiegel des Anderen verhandeln kann. Zwei große deutsche Dichter im Gespräch, das ist das zentrale Thema dieser Goethe Akademie, die in Kooperation mit der Goethe-Gesellschaft Weimar veranstaltet wird – in der Stadt, die Goethe wie Mann als einen ganz besonderen Kosmos des deutschen Geistes verstanden haben.

Leistungen

Der Preis für die Teilnahme an der Goethe Akademie beträgt 856,00 € pro Person im Doppelzimmer und umfasst:

  • 3 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Badewanne/WC im Dorint Hotel Am Goethepark Weimar****;
  • Frühstücksbuffet im Hotelrestaurant;
  • Nachmittagskaffee am 5. Dezember 2019;
  • Mittagsimbiss am 8. Dezember 2019;
  • Drei-Gänge-Abendbuffet oder -menü am 5. und 7. Dezember 2019 im Hotelrestaurant;
  • Zwei-Gänge-Abendmenü am 6. Dezember 2019 in einem örtlichen Restaurant;
  • Vorträge, Eintritte, Führung, Gebühren (u. a. Tagungsraum);
  • Karte für das Schauspiel „Lotte in Weimar“ am 6. Dezember 2019 (Einheitspreis, 25,70 €);
  • Karte für das Schauspiel „Urfaust“ am 7. Dezember 2019 (PK b, 35,70 €);
  • Kulturförderabgabe an die Stadt Weimar.

HOTEL
Das Dorint Hotel Am Goethepark Weimar**** befindet sich unmittelbar am Goethepark und verdankt seine Ausstrahlung der architektonischen Verbindung zweier klassizistischer Villen mit einem Neubau. Von hier sind es nur wenige Gehminuten zum historischen Stadtkern, zum Residenzschloss oder zur Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Die 143 Zimmer sind komfortabel eingerichtet, alle Bäder verfügen über eine Badewanne mit integrierter Dusche. Das Hotel ist an eine öffentliche Tiefgarage angeschlossen; der Aufzug führt ins Hotelfoyer (Tagespreis: 20,00 €).

Einzelzimmerzuschlag:
Doppelzimmer zur Einzelnutzung stehen in begrenzter Anzahl gegen einen Aufpreis von 108,00 € zur Verfügung. Sie können auch ein halbes Doppelzimmer buchen. Für den Fall, dass sich kein(e) Zimmerpartner(in) findet, müssen wir uns vorbehalten, den Einzelzimmerzuschlag zu berechnen.

Ihre Reise nach/von Weimar
Nutzen Sie für Ihre Reise das Veranstaltungsticket der Deutschen Bahn. Dieses können Sie über den Deutsche Bahn Button oben rechts erwerben.

Ablauf

Donnerstag, 5. Dezember 2019

15.00 Uhr
Willkommen zur Goethe Akademie!
Begegnungen und Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck

  • Elisabeth Bremekamp, Bensberg
  • Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

16.00 Uhr
Vortrag und Gespräch
Im Wandel - Das Goethe-Bild bei Thomas Mann
In Manns Wirken lassen sich erste Rezeptionsspuren von Goethe schon 1894 nachweisen und noch 1948 zeichnet er in seinem Essay „Phantasie über Goethe“ das Leben seines großen Vorbilds nach. Wie sehen diese Spiegelungen aus? Wie ändert sich das Goethe-Bild Thomas Manns über die Jahrzehnte? Welchen Anteil haben daran die Zeitumstände und welchen die literarische Entwicklung Thomas Manns?

  • Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Lübeck
    Präsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck

18.30 Uhr
Abendessen im Hotelrestaurant

20.00 Uhr
Literaturgespräch „Tonio Kröger“
Novelle von Thomas Mann (1903)
Viele zentrale Themen von Thomas Manns Werk sind in „Tonio Kröger“ versammelt: etwa der Gegensatz von Künstler und Bürger, von Nord und Süd, von Klassik und Romantik. Die gemeinsame Lektüre bietet daher eine gute Möglichkeit, in die literarische Welt Thomas Manns einzutauchen und schafft auch bessere Voraussetzungen für das Verständnis seines Goethe-Bildes.

  • Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Lübeck

Freitag, 6. Dezember 2019

Frühstück

9.30 Uhr
Spaziergang zum Goethe- und Schiller-Archiv

10.00 Uhr
Besuch und Präsentation - Thomas Mann im Original
Besuch des Goethe- und Schiller-Archivs
Neben den Nachlässen Goethes und Schillers als kostbarste Schätze des Archivs zählen auch Dokumente Thomas Manns zum Bestand: darunter das Manuskript von Manns Weimarer Rede im Goethe-Jahr 1949 sowie Briefzeugnisse. Auch handschriftliche Originale der Klassiker, die Manns besonderes Interesse auf sich lenkten, stellen Bezüge her.

  • Dr. Silke Henke, Weimar
    Abteilungsleiterin Medienbearbeitung und -nutzung, Goethe- und Schiller-Archiv, Klassik Stiftung Weimar

11.30 Uhr
Vortrag und Gespräch - Goethe in Gesellschaft
Besuch der Goethe-Gesellschaft im Residenzschloss Weimar
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels Walther Wolfgang von Goethe wurde auf Anregung der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach 1885 die Goethe-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute die größte literarische Gesellschaft Deutschlands mit 2 500 Mitgliedern in 40 Ländern der Welt und kann auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken.

  • Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
    Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.
  • Dr. Petra Oberhauser, Weimar
    Geschäftsführerin der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

Gelegenheit zur Mittagspause

14.00 Uhr
Besuch der Ausstellung im Schillerhaus „Abenteuer der Vernunft“
Goethe und die Naturwissenschaften um 1800
Mit der erstmals gezeigten naturwissenschaftlichen Sammlung Goethes wird nicht nur sein breit gefächertes Interesse und Wissen anschaulich. Hier bieten sich auch interessante Einblicke in Diskurse der sich um 1800 formierenden Naturwissenschaften sowie Bezüge zu heutigen Fragestellungen.

  • Dr. Thomas Schmuck, Weimar
    Kurator der Ausstellung „Abenteuer Vernunft“, Klassik Stiftung Weimar

16.30 Uhr
Vortrag und Gespräch „Lotte in Weimar“
Thomas Manns literarische Auseinandersetzung mit Goethe
Mitten im Exil, in den Jahren 1938 und 1939, schreibt Thomas Mann einen großen Roman über Goethe. Er unterbricht sogar die Arbeit an seinem monumentalen Joseph-Roman. Warum ist Thomas Mann dieses Werk so wichtig? Blicke in das Werk bieten vielfältige Anknüpfungspunkte: Mann thematisiert hier das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit, fragt nach der Wirkung des großen Dichters, denkt nach über Deutschland und führt uns in die Verhältnisse in Weimar um 1816.

  • Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Lübeck

19.00 Uhr
Besuch der Aufführung des Deutschen Nationaltheaters Weimar im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums „Lotte in Weimar“
Schauspiel nach Thomas Mann
„Thomas Manns Roman beschreibt eindrücklich das Klima der deutschen Kleinstadt Weimar, die sich zu Großem berufen fühlt und Großes nur schwer erträgt, aber auch die eitle Einsamkeit des einzigartigen deutschen Dichters, der nichts neben sich dulden mag, was ihm ebenbürtig ist, engstirnige Provinzialität allerdings verachtet.“ (Deutsches Nationaltheater)

20.30 Uhr
Abendessen im Restaurant „Weißer Schwan“

Samstag, 7. Dezember 2019

Frühstück

9.00 Uhr
Vortrag und Gespräch - Reiseziel Weimar
Thomas Manns Besuche in Weimar und ihre Spuren
Der Weimarer Ehrenbürger von 1949 setzte in seinem Roman „Lotte in Weimar“ der Stadt ein besonderes literarisches Denkmal. Gleich mehrmals besuchte er die Stadt: 1910 und 1921 zu Lesungen, am 21. März 1932 hielt er einen Vortrag während der Goethe-Gedächtniswoche. Nach Kriegsende führten ihn das Goethe-Jahr 1949 und die Schiller-Ehrung 1955 erneut nach Weimar. Wie die Stadt auf ihn und er auf sie wirkte, ist Gegenstand des Vortrags.

  • Prof. Dr. Volker Wahl, Weimar
    Direktor des Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar a. D.

10.30 Uhr
Stadtspaziergang -Thomas Mann in Weimar
Eine Spurensuche: Ausgewählte Orte, die mit Manns Aufenthalten in Weimar verbunden sind, werden aufgesucht: das Goethehaus am Frauenplan, der Markt mit dem Hotel Elephant, das Deutsche Nationaltheater, das Haus der Erholungsgesellschaft, das Hotel Fürstenhof, die Weimarhalle, das „Regierungshotel“ Augusta.

  • Prof. Dr. Volker Wahl, Weimar

Gelegenheit zur Mittagspause

15.00 Uhr
Vortrag und Gespräch: Ambivalenzen. Annäherungen. Abgrenzungen.
Thomas Mann und die deutsche Frage
Sein Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen war für Thomas Mann zeitlebens sehr wichtig, ab 1933 von geradezu zentraler Bedeutung. Das galt nicht nur im politischen, sondern auch und gerade im literarischen Bereich. Wie war auf die entscheidenden Umbrüche zu reagieren? Wie könnte man seine intellektuellen Grundlagen, auf denen das Schreiben basierte, beibehalten, ohne in einen weltabgewandten Eskapismus zu verfallen? Auch hier bot Goethe eine willkommene Projektionsfläche, die Thomas Mann die Chance gab, sich in der Auseinandersetzung mit einem anderen Großen zu finden und zu orientieren.

  • Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Lübeck

16.45 Uhr
Werkeinführung „Urfaust“ - Goethes erster Entwurf für den „Faust“
Goethes frühe Szenen zum „Faust“, überliefert nur in einer Abschrift der Weimarer Hofdame Luise von Göchhausen, sind fokussiert auf die Tragödie des Gelehrten Faust und das Schicksal der Kindsmörderin Gretchen, wie es dem Frankfurter Anwalt Goethe bei dem Prozess gegen Susanne Margaretha Brandt beispielhaft vor Augen getreten war. Zwischen 1772 und 1775 entstanden, besitzt Goethes Text eine Sprache von unmittelbarer Wirkung und überdies dramatische Sprengkraft – Eigenschaften, die auch ein modernes Theaterpublikum faszinieren.

  • Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

18.00 Uhr
Abendessen im Hotelrestaurant

19.30 Uhr
Besuch der Aufführung im Deutschen Nationaltheater „Urfaust“
Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe

Sonntag, 8. Dezember 2019

Frühstück

08.00 Uhr
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes

10.00 Uhr
Vortrag und Gespräch - „Der Zauberberg“
Thomas Manns „Wilhelm Meister“?
12 Jahre schrieb Thomas Mann an seinem Roman „Der Zauberberg“. Begonnen in der relativen Sicherheit des wilhelminischen Reiches, führten der Erste Weltkrieg und die Revolution von 1918 zu einer mehrjährigen Unterbrechung der Arbeit. Thomas Mann wusste unter den geänderten gesellschaftlichen Bedingungen nicht recht weiter. Es war wiederum Goethe, der ihm einen neuen Weg aufzeigte. Diese und weitere Themen akzentuiert der Vortrag.

  • Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Lübeck

12.00 Uhr
Mittagsimbiss im Hotelrestaurant und Verabschiedung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.