© Klassik Stiftung Weimar
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„O Weimar! dir fiel ein besonder Los!“

Weimars klassische Kultur kompakt

Als Herzogin Anna Amalia 1772 den Erfurter Philosophieprofessor Christoph Martin Wieland als Erzieher ihrer Söhne nach Weimar rief, begann in der thüringischen Residenzstadt eine kulturelle Entwicklung, die im klassischen Jahrzehnt zwischen 1794 und 1805 kulminierte. Wieland eröffnete einen intellektuellen Reigen, dem sich Goethe, Herder und Schiller hinzugesellten. Den damals entstandenen, bis auf den heutigen Tag umfassend überlieferten kulturellen Reichtum in Vorträgen und Exkursionen kompakt sich vor Augen zu führen ist reizvoll. Nicht nur die Wohnstätten der Weimarer Autoren vermitteln ein lebendiges Bild ihres Wirkens. Auch die Weimar umgebenden Parks und Bauten – die Schlösser Belvedere, Tiefurt und Ettersburg oder Wielands Landgut Oßmannstedt – stellen gleichermaßen Orte geistiger Begegnung wie kultivierter Geselligkeit dar.

Leistungen

Der Preis für die Teilnahme an der Goethe Akademie beträgt 825,00 € pro Person im Doppelzimmer und umfasst:

  • 3 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Badewanne/WC im Dorint
  • Hotel Am Goethepark Weimar****s;
  • Frühstücksbuffet im Hotelrestaurant;
  • Nachmittagskaffee am 26.09.2019;
  • Kaffee-/ Teepause am 27.09.2019;
  • Mittagsimbiss am 29.9.2019;
  • Drei-Gänge-Abendessen im Hotelrestaurant an allen Tagen;
  • Vorträge, Eintritte und Gebühren (u. a. Tagungsraum/Technik);
  • Orgelführung und Orgeleinspiel am 28.9.2019;
  • Fahrt mit einem Reisebus am 28.9.2019 laut Programm;
  • Kulturförderabgabe an die Stadt Weimar.

HOTEL
Das Dorint Hotel Am Goethepark Weimar**** befindet sich unmittelbar am Goethepark und verdankt seine Ausstrahlung der architektonischen Verbindung zweier klassizistischer Villen mit einem Neubau. Von hier sind es nur wenige Gehminuten zum historischen Stadtkern, zum Residenzschloss oder zur Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Die 143 Zimmer sind komfortabel eingerichtet, alle Bäder verfügen über eine Badewanne mit integrierter Dusche. Das Hotel ist an eine öffentliche Tiefgarage angeschlossen; der Aufzug führt ins Hotelfoyer (Tagespreis: 20,00 €).

Einzelzimmerzuschlag: 108,00 € (Doppelzimmer zur Einzelnutzung)

Ablauf

Donnerstag, 26. September 2019

14.30 Uhr
Willkommen zur Goethe Akademie!
Begegnungen und Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck

  • Elisabeth Bremekamp, Bensberg
    Referatsleiterin, Thomas-Morus-Akademie Bensberg
  • Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
    Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

15.15 Uhr | Stadtspaziergang und Besuche

KLASSISCHES WEIMAR
Der Rundgang führt vorbei an den Wohnhäusern von Goethe und Schiller zum Goethe-Schiller-Denkmal sowie zu Anna Amalias Altersresidenz, dem Wittumspalais mit dem „Tafelrundenzimmer“ und dem „Grünen Salon“. Ein Abstecher zur Herderkirche (Stadtkirche St. Peter und Paul) rundet die ersten Eindrücke ab.

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt
    Literatur- und Kulturhistoriker, Autor des Buches „Die Erfindung des Dichterhauses“

18.30 Uhr
Abendessen

20.00 Uhr | Vortrag und Gespräch
"DASS WIR DAS EIGENTLICHE WOHNZIMMER ... WIEDERHERZUSTELLEN BEMÜHT SIND"
Zur Kulturgeschichte des Dichterhauses

Der Besuch von Dichterhäusern, ja die Dichtermemoria an ehemaligen Wohnstätten scheint ein Kernbestandteil kultureller Erinnerung zu sein, nicht nur in Deutschland. Aber seit wann wurden Dichterhäuser musealisiert, und sind sie wirklich ein ‚Abbild‘ des Lebens ihrer ehemaligen Bewohner? Wie hängt die Geschichte der Dichterhäuser, besonders derjenigen in Weimar, mit der Geschichte der Nation, mit der kulturellen Identität zusammen?

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt

Freitag, 27. September 2019

Frühstück

9.15 Uhr | Vortrag und Gespräch
"WIE BETLEHEM IN JUDA,KLEIN UND GROß"
Weimars klassische Kultur als Weg in die Moderne

Die Weimarer Klassik erscheint aus der Rückschau als Beginn der Moderne; sie fällt zeitlich zusammen mit einer Epoche der Umbrüche, in der die Aufklärung von der Romantik abgelöst, Europa von der Französischen Revolution erschüttert wird und das jahrhundertealte Heilige Römische Reich deutscher Nation 1806 zu Ende geht. Goethe und Schiller haben die Verwandlung der Welt reflektiert und sich mit ihr geändert. Sinnlich erfahrbar wird dieser Wandel auch in den Weimarer Dichterhäusern.

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt

10.45 Uhr
Gespräche und Begegnungen bei Kaffee und Tee

11.15 Uhr | Vortrag und Gespräch
"DAS LAND DER GRIECHEN MIT DER SEELE SUCHEND"
Goethes „Iphigenie“ als Spiegel eines kulturellen Umbruchs

Goethes Stück, 1779 in der Prosafassung auf dem Weimarer Liebhabertheater uraufgeführt und in Italien in klassische Versform gebracht, summiert Fragestellungen des 18. Jahrhunderts. Goethe bezieht sich auf ein Drama des Euripides, gibt dessen Grundkonflikt aber eine andere Gestalt. An die Stelle göttlichen Vollzugs tritt eine friedliche Konfliktlösung, die Goethe selbst später im Brief an Schiller „verteufelt human“ genannt hat. Hält sein Drama den großen historischen Umbrüchen stand?

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt

Gelegenheit zur Mittagspause

14.00 Uhr | Besuch und Vortrag
"DIE HERRLICHE IDEE"

Ein Gang durch den Ilmpark zum Römischen Haus
Das Römische Haus, zwischen 1792 und 1797 als Sommersitz für Herzog Carl August erbaut, ist unmittelbarer Ausdruck der Antikensehnsucht zur Zeit der Weimarer Klassik. Goethe, der den Bau mitgestaltete, hat hier seine Italienreise lebendig werden lassen. Die dorischen Säulen an der Parkseite des Hauses nehmen Bezug auf seinen Besuch in Paestum (1787), dessen Tempel ihm, nach langem Anschauen, als „die herrlichste Idee [erschien], die ich nun nordwärts vollständig mitnehme“.

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt

16.00 Uhr | Besuch
GOETHE IN GESELLSCHAFT

Empfang in der Geschäftsstelle der Goethe-Gesellschaft
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels Walther Wolfgang von Goethe wurde auf Anregung der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach 1885 die Goethe-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute mit 2 500 Mitgliedern in 40 Ländern die größte literarische Gesellschaft Deutschlands und blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück.

  • Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
    VizVizepräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.
  • Dr. Petra Oberhauser, Weimar
    Geschäftsführerin der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

18.30 Uhr
Abendessen im Hotelrestaurant

20.00 Uhr | Vortrag und Gespräch
"O WEIMAR! DIR FIEL EIN BESONDERES LOS"
Die Klassikerstadt im 19. Jahrhundert

Als zusammenhängende Literaturepoche erscheint die Weimarer Klassik erst in der Rückschau. Auf die ‚goldene‘ Zeit Weimars folgte in traditioneller Perspektive sein ‚silbernes‘ Zeitalter, wie es vor allem von Franz Liszt repräsentiert wird. Doch abgesehen von Liszt ließen sich nur noch wenige Künstler für kürzere oder längere Zeit in Weimar nieder. Die Stadt wurde eher ein Wallfahrtsort der Vergangenheit, eine ‚Stadt der toten Dichter‘ und ihrer musealen Repräsentation. Theodor Fontane hätte Weimar gern gesehen, aber nur „aus der Gondel eines Fesselballons heraus“.

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt

Samstag, 28. September 2019

Frühstück

9.45 Uhr
Fahrt mit dem Reisebus nach Rudolstadt

10.45 Uhr | Besuch und Gespräch
"SIE HABEN ... MICH WIEDER ZUM DICHTER GEMACHT"
Goethe und Schiller. Eine Männerfreundschaft

Am 7. September 1788 kam es im Lengefeldschen Haus in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen Schiller und Goethe. Diese Begegnung blieb zunächst folgenlos, zu fremd musste Goethe der zehn Jahre jüngere Stürmer und Dränger sein, der seine prägende Italienerfahrung nicht teilen konnte. Doch wie ergab sich die später so folgenreiche Männerfreundschaft, das Schaffensbündnis zwischen den beiden ungleichen Partnern?

Dr. Daniela Danz, Rudolstadt
Leiterin des Schillerhauses, Rudolstadt

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt

    Gelegenheit für eigene Erkundungen und zur Mittagspause

13.00 Uhr
Weiterfahrt nach Oßmannstedt, Tiefurt und Denstedt

14.00 Uhr | Besuch und Gespräch
"ICH HABE MANCHE STUNDE DORT GESESSEN"
Das Wieland-Refugium in Oßmannstedt

1797 erwarb Christoph Martin Wieland ein Landgut im Weimar benachbarten Oßmannstedt, das er nach dem Tod seiner Frau 1802 wieder aufgab und sich nach Weimar zurückzog. 1813 wurde er in Oßmannstedt am Ufer der Ilm bestattet, heute befinden sich dort ein Wieland-Museum und eine Forschungsstätte. Wielands Grab ist, so dessen Verehrer Arno Schmidt, „eines unserer Nationalheiligtümer, nach dem jeder einmal im Leben wallfahrten sollte“.

15.45 Uhr | Besuch und Gespräch
"ES SCHENKEN IHR DIE MUSEN JEDE GUNST"
Anna Amalia und ihr Tiefurter Schlösschen

1781 verlegte Herzogin Anna Amalia ihren Sommersitz von Ettersburg nach Tiefurt und ließ das Innere des dortigen Gutshauses zu einem Wohnensemble von erlesenem Geschmack umgestalten. Park und Schloss wurden durch sie Zentren geistvoller Geselligkeit, an die noch heute Bauten und Denkmäler erinnern. Im Kranz der Weimar umgebenden kulturellen Symbolorte vereinigt Tiefurt in besonderer Weise Intimität und Leuchtkraft.

17.15 Uhr | Einführung und Einspiel (exklusiv)
KLANGVOLL!
Die Liszt-Orgel in Denstedt

In einer Kirche nahe Weimar ist eine Orgel erhalten, die von Franz Liszt gespielt und geschätzt wurde. Über das zweimanualige Instrument, das 1859/60 erbaut wurde, heißt es im Abnahmebericht: „Die so vortrefflich ausgeführte Disposition bietet eine solche Mannigfaltigkeit schöner Toneffekte dar, dass ein denkender und geschickter Orgelspieler nie in Verlegenheit sein kann, zu seinen Vorträgen passende Registermischungen zu finden.“

  • Michael von Hintzenstern, Weimar
    Seit 1986 Organist der „Liszt-Orgel“ in Denstedt bei Weimar, die er 1980 wiederentdeckte sowie 1993 und 2011 restaurieren ließ.

19.30 Uhr
Abendessen im Hotelrestaurant

Sonntag, 29. September 2019

Frühstück

9.30 Uhr | Spaziergang und Besuche
"EIN ZWISCHENFALL OHNE FOLGEN?"
Fürstengruft und Nietzsche-Archiv

In der Fürstengruft auf dem historischen Friedhof ruhen Goethe und Schiller neben den Repräsentanten des Hauses Sachsen-Weimar, die sich als Bewahrer der klassischen Tradition sahen. Von dort führt der Weg zum Nietzsche-Archiv (Villa Silberblick). Mit diesem von Henry van de Velde ausgestalteten Gebäude wird ein markanter Ort der Moderne um 1900 in den Blick genommen. Friedrich Nietzsche, der hier, geistig umnachtet, letzte Lebensjahre verbrachte und starb, war ein ausgezeichneter Goethekenner. Hatte er Recht mit seiner pessimistischen Einschätzung, in der deutschen Geschichte sei Goethe „ein Zwischenfall ohne Folgen“ geblieben?

  • Dr. Paul Kahl, Erfurt

12.30 Uhr
Mittagsimbiss im Hotel

13.00 Uhr
Bis zur nächsten Goethe Akademie!
Verabschiedung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.