© unsplash, gemeinfrei
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„Nicht nur zur Weihnachtszeit“

Heinrich Böll als Satiriker und Kritiker der Bonner Republik

Heinrich Böll (1917–1985), der am 21. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre, kann als einer der einflussreichen Autoren der Nachkriegsjahre in der Bundesrepublik betrachtet werden – aber auch als einer der umstrittenen.
Biographie und Werk verdeutlichen seine engagierte Zeitgenossenschaft, die von den Erfahrungen mit der entbehrungsreichen Nachkriegszeit, von den Wirtschaftswunderjahren und später von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 1970er und 1980er Jahren geprägt sind. Sensibel für die Zeitläufe und ihre Persönlichkeiten und Charaktere ordnet er sich nicht ein, sondern kritisiert und überhöht satirisch – der sperrige Böll hält seinen Zeitgenossen den Spiegel vor. Damit macht er sich nicht nur Freunde: er wird angefeindet und auch die Kirche hat zum Katholiken Böll ein mehr als distanziertes Verhältnis.

Leistungen

Der Preis für das Literarische Seminar beträgt 130,00 € und umfasst:

  • Tagungsbeitrag;
  • Abend- und Mittagessen als Buffet,
  • Mineralwasser im Tagungsraum;
  • Kaffee- und Teepausen;
  • Übernachtung und Frühstück.
Ablauf

Sonntag, 26. November 2017

14.00 Uhr    
Begrüßung und Einführung

Not-Zeit – erste Nachkriegsjahre
1945 – 1950

Böll tritt in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, an dem er als Soldat teilgenommen hat,  sowohl mit Kurzgeschichten wie „Wanderer, kommst du nach Spa …“ (1950) oder „Die schwarzen Schafe“ (1951) hervor als auch mit Romanen wie „Der Zug war pünktlich“ (1949) oder „Wo warst du, Adam?“ (1951). In diesen frühen Texten stehen häufig Kriegserinnerungen und -erlebnisse im Mittelpunkt, die das Leid und das Schicksal der Zeitgenossen beschreiben – dies- und jenseits der literarischen Fiktion.

15.30 Uhr     
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr     
Brot-Zeit – Aufbaujahre
Die 1950er Jahre

In den 1950er Jahren schreibt Böll existenzialistische Erzählungen wie „Das Brot der frühen Jahre“ (1951), satirische Erzählungen wie „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ (1958), Romane wie „Und sagte kein einziges Wort“ (1953), „Haus ohne Hüter“ (1954) sowie das bis heute beliebte „Irische Tagebuch“ (1957). Mit ebenso kritischem wie ironischem Blick mustert Böll die bundesrepublikanische Wirklichkeit der Wirtschaftswunderjahre – und beleuchtet vor allem auch deren Schattenseiten.  

18.00 Uhr    
Abendessen

19.00 Uhr    
„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“
Ein Beispiel für Verfilmungen von Böll

Die Verfilmung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (Regie: Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, 1975) greift Bölls kritische Auseinandersetzung mit der Berichterstattung der Boulevardpresse auf. Mit welchen Mitteln nähert sich Böll diesem Thema – und wie wird es im Film umgesetzt? Was kennzeichnet Verfilmungen von Böll überhaupt?  

21.15 Uhr    
Ende des Veranstaltungstages

Montag, 27. November 2017

Frühstück für Übernachtungsgäste ab 7.00 Uhr

 9.30 Uhr     
Zeit-Bilder – Umbruchsjahre
Die 1960er Jahre

In den 1960er Jahren sorgen Bölls drei wichtigste Romane „Billard um halbzehn“ (1959), „Ansichten eines Clowns“ (1963) und „Gruppenbild mit Dame“ (1971) für nationale wie internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung – nicht zuletzt, weil sich in ihnen die erzählerische Meisterschaft des Autors und seine analytischen Zeitdiagnosen miteinander verbinden.

11.00 Uhr    
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr    
Zeiten-Wenden – geistig-politische Klimawechsel
1970 – 1985

In seiner letzten Schaffensphase, die häufig durch sein politisches Engagement (gegen Atomkraft, Aufrüstung, Medienmacht usw.) unterbrochen wird, veröffentlicht Böll politische Gesellschaftsromane wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1974), „Fürsorgliche Belagerung“ (1979) und sein letztes Buch, „Frauen vor Flußlandschaft“ (1985), das erst nach seinem Tod (am 16. Juli 1985) erscheint.

13.00 Uhr    
Mittagessen

14.00 Uhr     
Ende der Veranstaltung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.