Literarische Spuren im Süden Frankreichs

Marseille, Sanary, Les Milles, Aix-en-Provence …

Künstler, Literaten und Intellektuelle schenkten dem Süden Frankreichs, vor allem der Côte d’Azur, immer wieder ihre besondere Aufmerksamkeit. Neben vielen anderen würdigten Arthur Schopenhauer oder Ernst Moritz Arndt, Joseph Roth und Kurt Tucholsky, letztere in den 1920er Jahren als Journalisten, die Besonderheiten von Marseille. Klaus und Erika Mann ließen mit ihrem populären Reiseführer „Das Buch von der Riviera“ noch 1931 die südfranzösische Küste zu einer angesagten Sommerfrische werden.
Doch ab 1933 wurden aus den Orten der Sehnsucht Schicksals- und Fluchtpunkte. „Wir wohnten im Paradies notgedrungen“ schrieb Ludwig Marcuse. In Sanary kam auf der Flucht vor nationalsozialistischer Verfolgung die gesamte Prominenz deutscher Literatur zusammen: Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Walter Hasenclever, Franz und Helen Hessel, Alfred Kerr, Annette Kolb, die Familie Mann mit Heinrich, Thomas, Katia, Klaus, Erika und Golo, Erich Maria Remarque, Joseph Roth, Ernst Toller, Franz Werfel, Arnold und Stefan Zweig … Marseille, „einst Tor der Welt, jetzt großes Weltfinale“ (Hans Sahl), wurde mit der deutschen Besetzung Südfrankreichs zum Anker für unzählige Flüchtlinge. Sie hofften auf Visa und Schiffspassagen nach Übersee. Anna Seghers schildert es in ihrem Roman „Transit“.
Begleiten Sie Dr. Elisabeth Peters zu bewegenden Erinnerungsorten der Kulturgeschichte. Die Vielfalt literarischer Zeugnisse wird Sie überraschen.

Leistungen

Der Preis für die Ferienakademie beträgt 1.171,00 € pro Person im Doppelzimmer und umfasst:

  • Flug mit Eurowings von Düsseldorf nach Marseille und zurück inkl. Steuern und Gebühren u. a. für ein Gepäckstück bis 23 kg, das aufgegeben wird (Fluggesellschaft und -zeiten vorbehaltlich möglicher Änderungen; andere Flughäfen auf Anfrage und ggf. gegen Aufpreis);
  • 4 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Bad im New Hotel of Marseille****;
  • Frühstücksbuffet im Hotelrestaurant;
  • Drei-Gänge-Mittagsmenü inkl. Tischgetränken in einem örtlichen Restaurant am 14.3.2019;
  • Zwei-Gänge-Mittagsmenü inkl. Tischgetränken in einem örtlichen Restaurant am 15.3.2019;
  • Drei-Gänge-Abendmenü inkl. Tischgetränken im Hotelrestaurant am 13., 15 und 16.3.2019;
  • Führungen, Besichtigungen, Eintritte und Gebühren;
  • Bereitstellung eines Funk-Kopfhörersystems;
  • Transfers mit einem Reisebus vom/zum Flughafen Marseille sowie Fahrten am 15. und 16.3.2019;
  • Stadtsteuer;
  • Reiseleitung der Thomas-Morus-Akademie Bensberg ab/bis Düsseldorf;
  • Reiseinformationen;
  • Reisepreissicherungsschein.

Hotel
Das New Hotel of Marseille**** wurde mit 100 Zimmern im Jahr 2006 eröffnet. Es liegt gegenüber dem Kongresszentrum Le Pharo mit Blick auf den Vieux Port und die Bucht von Marseille. Die Empfangshalle befindet sich im früheren Sitz des „Institut Pasteur“ aus dem 19. Jahrhundert.

Einzelzimmerzuschlag:
280,00 € (Doppelzimmer zur Einzelnutzung )

Ablauf

Mittwoch, 13. März 2019
Eurowings-Flug von Düsseldorf (11.20 Uhr) nach Marseille (13.15 Uhr).
„Ich bin sicher, dass Marseille die schönste Stadt Frankreichs ist. Sie ist so anders!“
Arthur Schopenhauer
Erste Eindrücke von der Mittelmeermetropole eröffnen sich Ihnen von der Basilika Notre Dame de la Garde aus, die seit 1865 über die Stadt wacht und von der Walter Benjamin schwärmte: „Notre Dame de la Garde. Der Hügel, von dem sie herabblickt, ist der Sternenmantel der Gottesmutter, in den die Häuser der Cité Chabas sich einschmiegen.“
„Damals hatten alle nur einen einzigen Wunsch: abfahren. Alle hatten nur eine einzige Furcht: zurückbleiben.“ Anna Seghers
Die Abtei St. Victor ist eine der ältesten Klosteranlagen Europas, mit einer Krypta aus dem 5. Jahrhundert. Sie hören Auszüge aus Anna Seghers Roman „Transit“. „Wie leer war das mächtige Kirchenschiff, und doch kamen immer neue Menschen von außen, wohin verschwanden sie nur?“

Donnerstag, 14. März 2019
„Marseille ist das Tor der Welt. Marseille ist die Schwelle der Völker. Marseille ist Orient und Okzident.“ Joseph Roth
Vom Palais du Pharo, den einst Napoleon III. für seine Frau Eugénie bauen ließ und der heute als Kongresszentrum genutzt wird, bietet sich ein großartiger Blick auf den Vieux Port und die Stadt.
„Marseille ist eine der abenteuerlichsten Städte Europas.“ Erika und Klaus Mann
Zahlreiche Künstler, Literaten und Intellektuelle strandeten auf ihrer Flucht vor dem Nationalsozialismus in Marseille. Viele von ihnen verdankten ihr Entkommen der Unterstützung durch den Amerikaner Varian Fry. Für manchen wurde Marseille aber auch zur verhängnisvollen Falle. Daher werden Sie heute nicht nur auf die Botschaften französischer Romantiker und deutscher Reisender zu Beginn des 19. Jahrhunderts stoßen, sondern Sie folgen in mehreren Etappen auch den literarischen Spuren der Emigranten bei Ihren Wegen über die Prachtstraße Canebière, durch Belsunce, dem Viertel der Einwanderer, oder durch das Altstadtquartier Panier. An einem Originalschauplatz, dem ehemaligen Hotel Splendid, hören Sie die entsprechenden Texte. Zum Mittagessen treffen Sie sich im Les Arcenaulx. Hier betreiben Simone und Jeane Laffitte im historischen Umfeld eine Buchhandlung sowie ein Restaurant. Sie entdecken aber auch mit dem neuen Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (MuCEM) einen spektakulären Neubau von Rudy Ricciotti.

Freitag, 15. März 2019
Sanary-sur-Mer: „Die Hauptstadt der deutschen Literatur“ Ludwig Marcuse
Bereits in den 1920er Jahren ließen sich in Sanary Maler und Schriftsteller nieder. Aldous Huxley oder Julius Meier-Graefe begrüßten die ersten deutschen Emigranten, die das Fischerdorf zu einem der wichtigsten Sammelbecken der deutschen Exilliteratur werden ließen. Erika und Klaus Mann wohnten im Hôtel de la Tour am Hafen, ihr Vater in der Villa La Tranquille. Lion Feuchtwanger schrieb hier seinen Roman „Die Geschwister Oppermann“ und Bertolt Brecht spielte in einem der Cafés auf der Gitarre und sang Spottlieder über Hitler und Goebbels. „Am verliebtesten war ich in die adoptierte Heimat, wenn ich zur Zeit des ausgehenden Tages vor dem Café de la Marine saß oder nebenan bei der Witwe Schwob“, schrieb Ludwig Marcuse. Einige der Aufenthaltsorte sind, wie Sie sehen werden, heute noch erhalten. „Wir ergriffen alles Gute wie ein Geschenk, die Schönheit der Landschaft, die Freunde, das Pittoreske des alten Fischerhafens, und schließlich war da auch das Meer.“ (Lion Feuchtwanger)

Samstag, 16. März 2019
„Der kleine Ort Les Milles ist hässlich, doch die Landschaft ringsum ist sanft und lieblich (…). Inmitten dieser Landschaft lag unbeschreiblich hässlich unsere Ziegelei.“ Lion Feuchtwanger
Die Ziegelei in Les Milles bei Aix-en-Provence wurde ab 1939 zum Internierungslager. Feuchtwanger schrieb über diese Zeit den Bericht „Der Teufel in Frankreich“. Hasen-clever wählte hier aus Verzweiflung den Freitod. Max Ernst („Wir glaubten, verdammt zu sein, Trümmer von Backsteinen zu werden.“), Franz Hessel oder Anton Räderscheidt zählten zu den in Les Milles Festgesetzen. Das einzige noch vollständig erhaltene Lager aus jener Zeit wurde erst 2012 als Gedenkstätte gegen das Vergessen eröffnet. Ein in den 1970er Jahren entdeckter anonymer Bilderzyklus an den Wänden des ehemaligen Speisesaals ist Zentrum der Gedenkstätte. Mit Aix-en-Provence lernen Sie die Stadt von Paul Cézanne kennen. Die alte Stadt Manosque erleben Sie im Zeichen des Schriftstellers Jean Giono (u. a. „Der Husar auf dem Dach“), sein Werk wird in seinem einstigen Wohnhaus lebendig.

Sonntag, 17. März 2019
Au revoir Marseille!
Eurowings-Flug von Marseille (12.35 Uhr) nach Düsseldorf (14.15 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.