© Katharina Wagner, in Pfarrbriefservice
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Judith, Judas und ein verlorener Sohn

Symbolfiguren in der Bibel – Vorbilder in der Kunst

Zwiespältig sind sie alle drei: die alttestamentliche Tugendheldin Judith, die einen Männermord begeht, um ihre Heimatstadt zu retten; der Jünger, der seinen Herrn mit einem Kuss, eigentlich Geste von Zuneigung, Treue und Liebe, an dessen Verfolger preisgibt; der vergnügungssüchtige Spross, der erniedrigt zurückkehrt und sich, trotz allem, von seinem Vater aufgerichtet wiederfindet. Wo Judith, Judas oder dem verlorenen Sohn die Ferne von Gott droht, wo – von Anfang an, versteckt oder am Ende doch – Gnade waltet, bietet sich für die künstlerische Deutung der biblischen Symbolfiguren ein interessanter Gestaltungsspielraum.

Seien es die Judith-Variationen von Donatello über Caravaggio bis zur Femme fatale eines Gustav Klimt; die Judas-Gestalten bei Giotto, am Kapitell von Autun oder am „Reformationsaltar“ Cranachs d. Ä.; seien es Sebald Behams oder Rembrandts Darstellungen vom Gleichnis des verlorenen Sohns: Das komplexe Verhältnis zwischen Text und Bild, literarischer Vorlage und visuell-ästhetischer Adaptation wirft Fragen auf. Wie interpretiert die Bildende Kunst die Bibelworte, was macht sie aus ihnen? Welchen Sinn verleiht sie der Gestalt aus Text, indem sie diese ins Bild setzt? Wie reagiert sie dabei auf den religiösen Kontext der jeweiligen Zeit? Wie bringt sie die Nähe oder Distanz zu Gott ins Bildgefüge, worin lässt sie das Walten göttlicher Gnade offenbar werden?

Ablauf

Samstag, 23. Juni 2018

14.00 Uhr  
Begrüßung und Einführung

Versetzt, verdrängt, versteckt
Donatellos Figurengruppe: „Judith und Holofernes“
Judith gehört zu den bekanntesten Frauengestalten der Bibel – eine der skandalträchtigsten ist sie allemal. Auch deshalb musste Donatellos Florentiner Figurengruppe „Judith und Holofernes” (1453-57), eine der ersten frei stehenden Plastiken der Renaissance, mehrfach ihren Ort wechseln. Die Präsentationsgeschichte der Donatello-„Judith“ veranschaulicht, dass die Bedeutung von Symbolfiguren immer wieder neu erzeugt wird im Bezugsfeld von Wort, Bild und Betrachtenden.   

15.30 Uhr     
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr     
Die Erotisierung der Judith von Caravaggio bis Klimt
Die hehre Tugendheldin wird zur Edelprostituierten
Im Laufe der Jahrhunderte verschiebt sich die alttestamentliche Bedeutung der Judith zusehends, bis sie ins Gegenteil umschlägt und die Tugendheldin zur Femme fatale gerät. Das beginnt mit Caravaggios erotisierter „Judith“ (um 1599), jungmädchenhaft und handlungsunfähig. In „Judith tötet Holofernes“ (nach 1612) von Artemisia Gentileschi vereint die Protagonistin Attraktivität mit mentaler und physischer Stärke. Gustav Klimts „Judith I“ (1901) schließlich zeigt eine lasterhafte Lebedame, die Hochmut statt Demut, Selbstsucht statt Gottvertrauen, Verführungsmacht statt Glaubenskraft ausstrahlt.

18.00 Uhr    
Abendessen

19.00 Uhr    
Giotto di Bondones „Kuss des Judas“
Vor der Kreuzigung: treuloser Verräter, geldgieriger Jude?
Obwohl die Bibel überwiegend neutrale Worte für Judas findet, wird er später meist als Verderber Jesu, zuweilen als Erfüllungsgehilfe seiner Erlösertat gedeutet – und oft als Exempel des Juden, was in der Kunst starken Widerhall findet. In Giottos Fresko „Kuss des Judas“ (um 1303-05), konzentriert auf Christus und seinen Jünger im Moment vor der Berührung ihrer Lippen, umhüllt Judas seinen Herrn mit einem Umhang in Gelb, Schandfarbe der Juden. Diese nutzt später Lucas Cranach d. Ä. in der Abendmahlstafel seines „Reformationsaltars“ (1547), um Judas als Gegenspieler von Jesus und Luther zu markieren.

21.15 Uhr    
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 24. Juni 2018

Frühstück für Übernachtungsgäste ab 7.00 Uhr

8.00 Uhr    
Gelegenheit zur Mitfeier der Eucharistie in der Edith-Stein-Kapelle

9.30 Uhr     
Das Ende des Judas
Nach der Kreuzigung: die Todsünde totaler Verzweiflung
Biblischen Berichten zufolge soll sich Judas nach Jesu Verhaftung das Leben genommen haben, was zur Vorlage expressiver bis drastischer Darstellungen gereichte. Ob von Teufeln gequält (Kathedrale von Autun), in Agonie hängend am Baum – selten genug begegnet man einem reumütigen Mann wie in „Judas bringt die dreißig Silberlinge zurück“ (1629). Mit diesem Gemälde hat Rembrandt eine psychologisierende, empathische Deutung hinterlassen, die den nahen Selbstmord ahnen und Judas menschlicher werden lässt.   

11.00 Uhr    
Kaffee- und Teepause

11.15 Uhr    
Der verlorene Sohn
Protestantisches Lehrbild, barockes Memento mori und Gnadenvision
Die Textvorlage, Höhepunkt und Abschluss dreier Gleichnisse, handelt symbolisch vom Verlorengehen und Wiedergefundenwerden. Auf moralisierende Weise lässt uns der Dürer-Schüler Sebald Beham den Weg des Sohnes in Bilderzyklen nachvollziehen. Barockmaler wie Gerrit van Honthorst oder Rubens schildern Einzelszenen voller Lebenslust und Todesbewusstsein; Rembrandt bringt das Thema der Gnade in der Gebärdensprache zwischen Vater und Sohn aufs Innigste verdichtet zum Ausdruck. In der Moderne schließlich reduziert sich alles auf den Schrei nach Gnade, der Himmel jedoch scheint leer.

13.00 Uhr    
Mittagessen
14.00 Uhr     
Ende der Veranstaltung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

Leistungen

Der Preis für die Veranstaltung beträgt 125,00 € pro Person und umfasst:

  • Tagungsbeitrag;
  • Abend- und Mittagessen als Drei-Gänge-Buffet;
  • Mineralwasser im Tagungsraum;
  • Kaffee- und Teepausen mit Gebäck bzw. Kuchenangebot;
  • 1 Übernachtung im Einzel- oder Doppelzimmer zur Einzelnutzung;
  • reichhaltiges Frühstücksbüffet.

Tagungsort
Die Veranstaltung findet statt im Kardinal-Schulte-Haus, Sitz der Thomas-Morus-Akademie Bensberg. Das Kardinal-Schulte-Haus ist ein modernes Konferenzhotel des Erzbistums Köln, ruhig gelegen in einer 8 ha großen Parkanlage, auf einer kleinen Anhöhe in Bensberg (20 km östlich von Köln). Bei klarem Wetter beeindruckt der Panoramablick vom „Bergischen Balkon“ über die Kölner Bucht. Das Haus verfügt über insgesamt 44 Einzelzimmer sowie 106 Doppel- und Zweibettzimmer, jeweils ausgestattet mit TV und Radio, Safe, kostenfreiem WLAN und Bad mit Dusche/WC und Fön. (www.k-s-h.de)

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