Jenseits von Giebeln und Grachten

Moderne Architektur in den Niederlanden

Spektakuläre und experimentelle Neubauten prägen seit Jahren das Baugeschehen in den niederländischen Metropolen Amsterdam und Rotterdam – und dies in guter Tradition: Denn schon seit 1900 lieferte die Architektur des Königreichs – jenseits von Giebelhäusern und Grachtenromantik – entscheidende Beiträge zur Moderne. So sind Architekten wie Berlage, de Klerk, Rietveld, van Eyck oder Koolhaas in diese Architekturgeschichte fest eingeschrieben. Immer wieder überraschen hier weiterhin ungewöhnliche und richtungsweisende Entwürfe. Dabei zeigt sich gleichzeitig ein zutiefst menschliches, soziales und am Praktischen orientiertes Denken.
All das macht den Reiz niederländischen Bauens aus, wie Sie mit dem Kunsthistoriker Dr. Andreas Baumerich erleben werden. Ausgangspunkt der Erkundungen ist das nhow Rotterdam Hotel**** im neuen Stadtteil Kop van Zuid im ehemaligen, nun umgenutzten Hafengebiet unweit der Erasmusbrücke.

Dienstag, 7. August 2018
Busreise von Köln (8.15 Uhr) und Bensberg (9.00 Uhr) nach Amsterdam.
Schiff aus Backstein: Meisterwerk der Amsterdamer Schule
Wer hätte das dem Backstein zugetraut? Was man mit ihm alles anstellen kann, zeigen die exzentrischen Arbeiterhäuser, die von 1915 bis 1920 im Amsterdamer Bezirk Spaarndammerbuurt erbaut wurden. So verbinden sich an „Het Schip“ (das Schiff) von Michel de Klerk Schiffsmotive und altägyptische Elemente. Neben der ungewöhnlichen Außenarchitektur zeigen in dem Viertel das zugehörige Museum mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen sowie das original erhaltene Postamt den Stil – der mit dem deutschen Expressionismus verwandten – Amsterdamer Schule der Zwischenkriegszeit.

Mittwoch, 8. August 2018
Rotterdam: Hauptstadt moderner Architektur
Ganz schön schräg: Kop van Zuid
Das ist Rotterdam – Stadt und Brücke einmal anders! Dafür steht beispielhaft das dynamische Highlight der modernen Skyline: Die Erasmusbrücke trägt mit ihrem schiefen Pylon die Fahrbahn, die über die Maas nach Kop van Zuid/Wilhelminapier führt. In diesem Stadtteil auf einer Halbinsel des ehemaligen Hafengebiets ist in den letzten Jahren ein Quartier mit hypermodernen Wolkenkratzern, wie dem „Toren Op Zuid“, dem „Montevideo“ oder dem „Maas-Turm“ als höchstes Gebäude der Niederlande entstanden. Daneben finden sich hier auch das riesige Rotterdam-Gebäude als größter Bau der Niederlande und das „Neue Luxor Theater“. Zu diesen zeitgenössischen Bauten bildet das historische Hotel New York einen reizvollen Kontrast.
Materialmix und Funktion: das Museumsquartier
Bis heute innovativ wirkt die – in der Zwischenkriegszeit werbewirksam gestaltete – Fassade der Gruppe De Stijl. Der Neubau des Museums Boijmans Van Beuningen von Ad van der Steur setzte in den 1930er Jahren einen städtebaulichen Akzent. Nicht weit entfernt überraschen seit den 1990er Jahren mit ungewöhnlichen Materialien die von Rem Koolhaas entworfene Kunsthalle und das Neue Institut von Jo Coenen. Die seltene Möglichkeit, in die Welt der frühen Moderne zu schauen, bietet das Sonneveldhaus (1929), das mit seiner originalen Ausstattung als eines der besterhaltenen funktionalistischen Häuser der Welt gilt.
Auf die Spitze getrieben: Rotterdams Innenstadt
Radikaler hat kaum eine Stadt in Europa nach 1945 den Neuanfang gewagt! Verschont blieben nur wenige Bauten wie die Laurentiuskirche oder das Witte Huis, Europas erster Wolkenkratzer. Auf der entstandenen Leerfläche wurden städtebauliche Konzepte der Moderne – wie die Trennung zwischen Fußgängern und Autoverkehr – verwirklicht. Einen neuen spektakulären Akzent setzt in diesem Kontext die elf Stockwerke hohe und bewohnte Markthalle, die sich mit ihrem monumentalen Wandgemälde über den Marktständen wölbt. Unvergesslich bleiben auch die 1978 bis 1984 errichteten Kubushäuser von Piet Blom, die – wie auf eine Spitze gestellte Würfel – auf Pfählen am Alten Hafen ruhen.

Donnerstag, 9. August 2018
Amsterdam (fast) ohne Giebel: Innenstadt und neue Hafenbauten
Neu, sachlich, expressiv: Moderne in der Innenstadt
Ein neues Tor für eine neue Zeit! Wie ein neues Stadttor zur Kunstmetropole Amsterdam wirkt der um 1900 gebaute Hauptbahnhof von Pierre Cuypers: Motive des Goldenen Zeitalters verbinden sich hier mit der Lösung neuer Bauaufgaben. Den Übergang zur Moderne verkörpert dagegen die sachliche Architektur der Börse von Hendrik Petrus Berlage. Einen exotischen Kontrapunkt mit Verweisen auf Indonesien setzt das expressionistische Schifffahrtshaus, ein früher Bau der Amsterdamer Schule. Expressiv wirkt – in allerdings hochmoderner Form – das „Wissenschaftsmuseum Nemo“, das Renzo Piano in den 1990er Jahren entwarf, und das einen neuen Akzent im historischen Stadtbild setzt.
Schwimmendes Wohnen: Neubaugebiete am und im Wasser
Häfen zu Wohngebieten! Eindrucksvoll nutzt Amsterdam – wie andere Metropolen auch – ehemalige Hafeninseln für aktuelle Architektur mit so ungewöhnlichen Lösungen wie einer bebauten Brücke. Hier blüht seit den 1990er Jahren ein Experimentierfeld für urbanes Leben. Noch jünger sind die künstlichen Inseln im IJ-See, denn hier schwimmt das Wohnen. Im neuen Stadtteil IJburg wird das große (niederländische) Thema „Wohnen am und auf dem Wasser“ mit innovativen Einzelhäusern und besonders den „Schwimmenden Häusern“ von Marlies Rohmer neu definiert. Die elegant geschwungene Enneüs-Heerma-Brücke von Nicholas Grimshaw ergänzt das Bild.

Freitag, 10. August 2018
Ein Haus wie ein Baukasten: Das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht
Liebe und neue Architektur fügen sich bei diesem Haus zu einem Ganzen: Denn Gerrit Thomas Rietveld schuf für seine Freundin Truus Schröder-Schräder eine Ikone der Moderne mit einer Vielzahl von raffinierten und beweglichen Elementen. Das bis heute ausgefallen wirkende Haus aus den 1920er Jahren verbindet Gestaltungsansätze Piet Mondrians mit Aspekten des Schreinerhandwerks Rietvelds.
Rückreise nach Bensberg (Ankunft ca. 18.00 Uhr) und Köln (Ankunft ca. 18.45 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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