© ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Metzger, Jack
© ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Metzger, Jack

Im Aufbruch

Deutsche Literatur in den Aufbau- und Wirtschaftswunderjahren

Die 1950er Jahre sind – ungefähr seit der Währungsreform 1948 – auf westdeutschem Boden vorwiegend geprägt vom wirtschaftlichen Wiederaufbau und der Etablierung einer demokratischen Gesellschaftsordnung. Die Aufarbeitung der Vergangenheit (der Nazi-Diktatur, des Zweiten Weltkriegs usw.) wird im Zuge des politischen und ökonomischen Neuanfangs von den Zeitgenossen demgegenüber häufig verdrängt.

Einige Autoren wie Günter Eich, Max Frisch, Wolfgang Koeppen oder Hans Erich Nossack, die bereits zur Zeit der Weimarer Republik und/oder des Dritten Reiches geschrieben haben, beschäftigen sich jedoch sowohl mit vergangenen als auch gegenwärtigen Themen und Problemen in Politik und Gesellschaft. Das gilt gleichermaßen für Autorinnen und Autoren wie Alfred Andersch, Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Max Frisch, Günter Grass, Siegfried Lenz oder Martin Walser, die ihre literarische Karriere erst nach 1945 beginnen. Fragen nach den Ursachen und Folgen der jüngeren Vergangenheit werden durch sie ebenso gestellt wie solche nach den Konsequenzen für die (damalige) Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft.

Die Werke der wichtigsten Autorinnen und Autoren
eines Jahrzehnts deutschsprachiger Literatur werden
in diesem Seminar im Kontext ihrer Zeit beleuchtet. Daneben lassen auch Blicke auf Theater, Hörspiele oder Kinofilme deutlich werden, wie die zeitgenössischen Themen und Problemstellungen literarisch und medial behandelt wurden und damit für die weitere gesellschaftliche, kulturelle und literarische Entwicklung Deutschlands prägend gewesen sind.

Leistungen

Der Preis für die Veranstaltung beträgt 135,00 € pro Person und umfasst:

  • Tagungsbeitrag;
  • Abend- und Mittagessen als Drei-Gänge-Buffet;
  • Mineralwasser im Tagungsraum;
  • Kaffee- und Teepausen mit Gebäck bzw. Kuchen- angebot;
  • 1 Übernachtung im Einzel- oder Doppelzimmer zur Einzelnutzung;
  • reichhaltiges Frühstücksbüffet.

Tagungsort
Die Veranstaltung findet statt im Kardinal-Schulte-Haus, Sitz der Thomas-Morus-Akademie Bensberg. Das Kardinal-Schulte-Haus ist ein modernes Konferenzhotel des Erzbistums Köln, ruhig gelegen in einer 8 ha großen Parkanlage, auf einer kleinen Anhöhe in Bensberg (20 km östlich von Köln). Bei klarem Wetter beeindruckt der Panoramablick vom „Bergischen Balkon“ über die Kölner Bucht. Das Haus verfügt über insgesamt 44 Einzelzimmer sowie 106 Doppel- und Zweibettzimmer, jeweils ausgestattet mit TV und Radio, Safe, kostenfreiem WLAN und Bad mit Dusche/WC und Fön. (www.k-s-h.de)

Ablauf

Samstag, 9. Februar 2019

14.00 Uhr    
Begrüßung und Einführung

Die Aufbaujahre in der Ära Adenauer
Ein zeit- und kulturhistorischer Überblick
Ein erster Überblick charakterisiert die gesellschafts- und kulturpolitische Situation von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (1949) bis zum Ende der Ära Adenauer (1963). Denn diese ersten Jahre bedeuteten für viele Überlebende des Dritten Reiches eine Neu- oder Umorientierung, der Autorinnen und Autoren wie A. Andersch, I. Bachmann, H. Böll, M. Frisch, G. Grass, S. Lenz, A. Schmidt oder M. Walser in unterschiedlichen literarischen Gattungen, in Erzählungen und Romanen, in Theater- und Radiostücken oder auch Gedichten Ausdruck zu verleihen suchten.

15.30 Uhr    
Kaffee- und Teepause

15.45 Uhr    
Konstitution und Restauration in den 1950er Jahren
Der literarische Blick auf Politik und Wirtschaft
Nach Gründung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1949 setzen sich viele Autorinnen und Autoren mit der politischen und wirtschaftlichen Situation der Zeit ebenso kritisch auseinander wie mit den sozialen und kulturellen Verhältnissen der Zeit. Dafür stehen exemplarisch Prosatexte von A. Andersch oder W. Koeppen, die nicht nur die Vergangenheit in den Blick nehmen, sondern auch die – aus ihrer Sicht – sich bereits abzeichnenden bedenklichen Entwicklungen in ihrer Gegenwart aufdecken und anprangern.

18.00 Uhr    
Abendessen

19.00 Uhr    
Das lyrische Jahrzehnt
Die 1950er Jahre in der Deutung zeitgenössischer Gedichte
Anhand ausgewählter Gedichte – von I. Bachmann, P. Celan, K. Krolow oder auch von Repräsentanten der ‚Konkreten Poesie‘ – werden Tendenzen und Themen, ‚Töne‘ und ‚Ansichten‘ lyrischer Gebilde der 1950er Jahre im gemeinsamen Gespräch gedeutet. Dabei stellt sich auch die Frage nach den äußeren Formen und Gehalten dieser Texte, die sich mit Folgen und Problemen des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders beschäftigen, aber auch mit der Stellung von Kunst und Künstlern in der Gesellschaft.

21.15 Uhr    
Ende des Veranstaltungstages

Sonntag, 10. Februar 2019

Frühstück für Übernachtungsgäste ab 7.00 Uhr

8.00 Uhr    
Gelegenheit zur Mitfeier der Eucharistie in der Edith-Stein-Kapelle    

9.30 Uhr     
Die Gegenwart der Vergangenheit und ihre Folgen
Literatur als Geschichtsbewältigung
Die in den 1950er Jahren entstandenen literarischen Werke setzen sich häufig mit den unmittelbaren Lebensverhältnissen auseinander, wobei allerdings auch in besonderer Weise der Beschäftigung mit der Vergangenheit eine dominante Bedeutung zukommt. Als wichtige Repräsentanten dieser Literatur werden H. Böll, M. Frisch oder auch S. Lenz zu besprechen sein, die mit ihren frühen Erzählwerken als Chronisten der ersten Nachkriegsjahre gelten können – und auch in den folgenden Jahrzehnten die Entwicklungen in der Bundesrepublik kritisch kommentieren und literarisch analysieren werden.

11.00 Uhr    
Kaffee- und Teepause

11.30 Uhr     
Traditionen und Innovationen in Kultur und Literatur
Die Literatur als Experimentierfeld neuer Stilmittel und formaler Gestaltung
Die vielfältigen Beziehungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit zeigen sich ebenso in den innovativen Erzählwerken von G. Grass oder U. Johnson wie auch in den experimentellen Textkonstrukten von A. Schmidt. Dem Verhältnis von historischen und politischen Motiven wird deshalb ebenso die Aufmerksamkeit gelten wie den erotischen und ironischen Stilmitteln, derer sich vor allem Johnson und Grass mit barocker Fabulierlust, Schmidt mit eindringlicher Wort- und Zeichen(setzungs-)Kunst bedienen.

13.00 Uhr     
Mittagessen

14.00 Uhr     
Ende der Veranstaltung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.