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„Im Atemholen sind zweierlei Gnaden“

Goethe und die Weltreligionen

Zu den Grundlagen von Goethes Weltverhältnis gehört seine Beziehung zu den monotheistischen Religionen, ihrem geistigen Gehalt und ihren Institutionen. Für ihn waren die Bibel und der Koran Zeugnisse von den kulturellen Ursprüngen der Menschheit, gleichermaßen Zeugnis einer Frömmigkeit im Zeichen von Toleranz, von humanitärem Denken und Tun.
Für Goethes persönliche Religiosität ist kennzeichnend, dass er das Göttliche in der Natur wirken sah; noch der zweite Teil seiner „Faust“-Dichtung legt davon Zeugnis ab. Aufschluss über Goethes Religiosität gewähren auch seine persönliche Bibliothek sowie seine poetischen Manuskripte.
Am Beispiel Goethes lädt diese Akademie zur Auseinandersetzung über Grundfragen unseres Weltverständnisses ein und gewährt auch „neue“ Blicke in die Geschichte jüdischen Lebens in Erfurt oder auf den Altar von Lucas Cranach d. Ä. in der Weimarer Kirche St. Peter und Paul.

Leistungen

Der Preis für die Teilnahme an der Goethe Akademie beträgt 762,00 € pro Person im Doppelzimmer und umfasst:

  • 3 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Badewanne/WC im Dorint Hotel Am Goethepark Weimar****s;
  • Frühstücksbuffet im Hotelrestaurant;
  • Nachmittagskaffee am 21. Februar 2019;
  • Mittagessen am 22. Februar 2019 im Hotelrestaurant;
  • Kaffeepause am 23. Februar 2019;
  • Mittagsimbiss am 24. Februar 2019;
  • Drei-Gänge-Abendmenü bzw. Buffet im Hotelrestaurant an zwei Tagen;
  • Vorträge, Gespräche und Gebühren (u. a. Tagungsraum);
  • Karte für das Konzert am 22. Februar 2019;
  • Transfers mit einem Reisebus am 22. Februar 2019 laut Programm;
  • Kulturförderabgabe an die Stadt Weimar.

Hotel
Das Dorint Hotel Am Goethepark Weimar****s befindet sich unmittelbar am Goethepark und verdankt seine Ausstrahlung der architektonischen Verbindung zweier klassizistischer Villen mit einem Neubau. Von hier sind es nur wenige Gehminuten zum historischen Stadtkern, zum Residenzschloss oder zur Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Die 143 Zimmer sind komfortabel eingerichtet, alle Bäder verfügen über eine Badewanne mit integrierter Dusche. Das Hotel ist an eine öffentliche Tiefgarage angeschlossen; der Aufzug führt ins Hotelfoyer (Tagespreis: 20,00 €).

Einzelzimmer
Doppelzimmer zur Einzelnutzung stehen in begrenzter Anzahl gegen einen Aufpreis von 92,00 € zur Verfügung.

Ablauf

Donnerstag, 21. Februar 2019
Anreise zum Dorint Hotel Am Goethepark****s Weimar

15.30 Uhr
WILLKOMMEN ZUR GOETHE AKADEMIE!
Begegnungen und Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck
Dr. Michael Hartlieb, Bensberg
Referent Philosophie/Theologie, Thomas-Morus-Akademie Bensberg
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

16.30 Uhr I Besuch und Präsentation
„Wunderlichstes Buch der Bücher ist das Buch der Liebe“
Blicke in Goethes persönliche Bibliothek
Das Titelzitat spricht vom „Buch der Liebe“, doch es lässt sich auf den Büchersammler Goethe übertragen: auf die Bibeln und theologischen Schriften, die sich in seiner persönlichen Bibliothek befinden und ihre eigene Geschichte haben, sowie auf die Koran-Exemplare, die der Bibliotheksdirektor Goethe für Weimar anschaffen ließ. Aus diesen Bereichen werden charakteristische Exemplare vorgestellt.
PD Dr. Stefan Höppner, Weimar
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Referat Forschung und Bildung, Klassik Stiftung Weimar

18.30 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

19.30 Uhr I Vortrag und Gespräch
„Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, / Hat auch Religion“
Zur Einführung
Entgegen der Aussage des alten Goethe hat sich der junge Dichter den zeitgenössischen Strömungen religiösen Denkens geöffnet, dem Pietismus ebenso wie dem Gefühlschristentum seines Schweizer Freundes Johann Caspar Lavater oder den christlichen Humanitätsprinzipien Johann Gottfried Herders. Kritik an den Institutionen der drei großen monotheistischen Religionen verstummt bei Goethe niemals, doch ist sie stets gepaart mit tiefem Verständnis für einen gelebten Glauben gleichwelcher Konfession, selbst wenn dessen Prinzipien, wie im Falle des Freundes Friedrich Heinrich Jacobi, den eigenen radikal widersprechen. Zahlreiche autobiographische Dokumente legen davon Zeugnis ab.
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar  

Freitag, 22. Februar 2019

Frühstück

9.15 Uhr I Vortrag und Gespräch
„Mit Kirchengeschichte was hab‘ ich zu schaffen?“
Goethes Verhältnis zum Christentum
Protestantisch getauft und konfirmiert, hat Goethe auch
sei­nen Sohn August taufen und – von Johann Gottfried Herder – konfirmieren lassen. Christlich wurde er mit Christiane Vulpius am 19. Oktober 1806 getraut, christlich wurden seine Frau und er in Weimar bestattet. Die Kirche hat Goethe als traditionelle Ordnungsmacht anerkannt, ihre institutionelle Geschichte aber hat er teilweise vehement kritisiert. Wo er einer aufrichtig gelebten christlichen Frömmigkeit begegnete, hat er es an Respekt und Zuwendung nicht fehlen lassen. Er sei, so notierte der Kanzler von Müller, ein Christ, wie Christus ihn haben wollte.
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

10.45 Uhr | Spaziergang zum Goethe- und Schiller-Archiv

11.15 Uhr I Präsentation und Gespräch
„Jeglichen Schwärmer schlagt mir an’s Kreuz“
Ein Blick in Goethes Manuskripte
Der handschriftliche Nachlass Goethes ist der größte Schatz des Goethe- und Schiller-Archivs. In Auswahl vorgestellt werden Texte aus den „Venezianischen Epigrammen“ und dem „West-östlichen Divan“, aus der „Novelle“ und der „Faust“-Dichtung, die Goethes Sicht auf die Weltreligionen widerspiegeln.
Dr. Silke Henke, Weimar
Goethe- und Schiller-Archiv, Klassik Stiftung Weimar

12.30 Uhr | Mittagessen im Hotelrestaurant

14.00 Uhr | Fahrt mit dem Reisebus nach Erfurt

15.00 Uhr I Besuche und Führung
„Jüdisches Leben Erfurt“
Spuren der Geschichte
Zahlreiche Zeugnisse verweisen auf die bedeutende Rolle jüdischen Lebens in Erfurt seit dem ausgehenden 11. Jahrhundert. In der Alten Synagoge, die die älteste bis zum Dach erhaltene in Mitteleuropa ist, wird auch der Erfurter Schatz gezeigt, der einer der bedeutendsten mittelalterlichen Funde aus jüdischem Besitz ist. Ebenfalls aus dem Mittelalter stammt die 2007 ausgegrabene Mikwe hinter der Krämerbrücke.

Gelegenheit für eigene Erkundungen und zum Abendessen

19.00 Uhr I Konzertbesuch im Großen Haus
7. Sinfoniekonzert
Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart
„Samuel Bächli lädt nach dem Vorbild der legendären Akademiekonzerte, die wir von den Wiener Klassikern kennen, zu einer interessanten, sehr persönlichen Auswahl aus dem Schaffen Wolfgang Amadeus Mozarts ein. Es erklingen Tänze und Bühnenmusiken sowie die im Abstand weniger Wochen entstandenen Klavierkonzerte KV 466 und 467. Wie bei den Akademievorbildern sind zwischen die Instrumentalwerke kleine Gesangsstücke eingestreut.“
Ausführende
Samuel Bächli, Dirigent
Kristian Lindberg, Klavier
Gesangs- und Instrumentalsolisten des Theaters Erfurt

Rückfahrt mit dem Reisebus nach Weimar

Samstag, 23. Februar 2019

Frühstück

9.00 Uhr I Vortrag und Gespräch
„Herrlich ist der Orient / Über‘s Mittelmeer gedrungen“
Goethes Verhältnis zum Islam
Angeregt durch Herder, hat sich Goethe bereits in Straßburg der Dichtung des Orients und der ihr zugehörigen islamischen Religion zugewandt, später auch Zeugnisse vorislamischer Dichtung zur Kenntnis genommen. In der Zeit des „West-östlichen Divans“ erreicht seine Auseinandersetzung mit dem Islam und seinem Grundbuch, dem Koran, ihre größte Intensität. Dem islamischen Monotheismus spricht Goethe eine doppelte Funktion zu: auf der einen Seite ein aus der Ergebung in den göttlichen Willen erwachsendes Prophetentum, auf der anderen ein rigoroses Ordnungsdenken, das soziale und politische Verhältnisse stabilisieren soll. In diesem Punkt unterscheidet sich Goethes Auffassung vom Islam nicht prinzipiell von seinem Urteil über die anderen monotheistischen Religionen.
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

10.30 Uhr | Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck

11.00 Uhr I Vortrag und Gespräch
„Das auserwählte Volk Gottes“
Goethes Verhältnis zum Judentum
Von Kindesbeinen an beschäftigte sich Goethe mit Geschichte und Kultur des Judentums. Das Alte Testament war für ihn lebenslang eine Quelle der Inspiration. Die Naturfrömmigkeit des jüdisch-niederländischen Philosophen Baruch Spinoza hat sich der Dichter und Naturforscher Goethe zu Eigen gemacht. Als das „beharrlichste Volk der Erde“ wird das jüdische Volk in „Wilhelm Meisters Wanderjahren“ gerühmt. Ihren Höhepunkt erreicht Goethes Poetisierung der jüdischen Bibel in der 1828 vollendeten „Novelle“. Kritisiert hat Goethe Geschäftspraktiken des zeitgenössischen jüdischen Bürgertums, doch ist er vom oft erhobenen Vorwurf des Antisemitismus freizusprechen?
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

Gelegenheit zur Mittagspause

13.45 Uhr I Besuch und Führung
Herder, Goethe und der Altar von Lucas Cranach
Die Kirche St. Peter und Paul
Johann Gottfried Herder, der von 1776 bis zu seinem Tod 1803 als Generalsuperintendent und Pastor in Weimar in der Kirche St. Peter und Paul wirkte, konfirmierte Goethes Sohn August. Daher lohnt es, einen Blick sowohl auf das Leben und Wirken von Herder in „seiner“ Kirche zu werfen als auch auf die Genese und Botschaft des berühmten Flügelaltars, den Lucas Cranach d. Ä. und sein Sohn von 1552 bis 1555 schufen.

16.00 Uhr I Besuch und Gespräch
Goethe in Gesellschaft
Besuch der Goethe-Gesellschaft im Residenzschloss Weimar
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels Walther Wolfgang von Goethe wurde auf Anregung der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach 1885 die Goethe-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute mit 2 500 Mitgliedern in 40 Ländern der Welt die größte literarische Gesellschaft Deutschlands und blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück.
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar
Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.
Dr. Petra Oberhauser, Weimar
Geschäftsführerin der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

19.30 Uhr | Abendessen im Hotelrestaurant

Sonntag, 24. Februar 2019

Frühstück

9.30 Uhr I Vortrag und Gespräch
„Nun sag‘, wie hast du’s mit der Religion?“
Die „Faust“-Dichtung als Summe von Goethes religiösem Denken
Es ist Margarete, die ihre sprichwörtlich gewordene Frage an Faust richtet. Dieser bekennt sich zu Natur und Liebe als dem Fundament seiner Religiosität. In diesem pantheistischen Bekenntnis stimmen Figur und Autor überein. Im höchsten Alter, immer noch inspiriert von der Philosophie Spinozas, erneuert Goethe sein Bekenntnis in der Schlussszene des Zweiten Teils seines „Faust“, doch er bedient sich dazu einer Bildersprache, die katholischen Heiligenlegenden entstammt. Letztlich spricht aus Goethes Versen eine Religiosität, die alle monotheistischen Religionen überwölbt und hinter sich lässt.
Prof. Dr. Jochen Golz, Weimar

12.00 Uhr | Mittagsimbiss

12.30 Uhr
Bis zur nächsten Goethe Akademie!
Verabschiedung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.