Gesundheit, Krankheit, Kreativität

Beobachtungen bei Goethe und Schiller

In den Biographien der Weimarer Klassiker bilden Gesundheit und Krankheit besondere Fixpunkte ihrer körperlichen und geistigen Existenz und prägten maßgeblich ihre Kreativität und Produktivität. Daher lohnt es sehr, den Blick einmal auf diesen ‚Dreisatz‘ – Gesundheit, Krankheit, Kreativität – zu richten.
Friedrich Schiller, seiner Profession nach Arzt – was allzu leicht vergessen wird –, hat von Jugend an der Doppelnatur des Menschen, der Spannung von Körper und Geist, im künstlerischen Werk seine Aufmerksamkeit zugewendet. Gleichermaßen aber hat er sich, seit Anfang 1791 vom Tod gezeichnet, keinen Illusionen über seinen hinfälligen Zustand hingegeben. Für ihn forderte Krankheit eine Anstrengung des Willens heraus, die in seinem Falle großartige künstlerische Schöpfungen hervorbrachte.
Johann Wolfgang Goethe hingegen, von Natur aus ungleich günstiger disponiert, konnte eigener Krankheit gelassener begegnen und Phasen künstlerischer Produktivität abwarten. Dann aber gelang ihm, im Zusammenspiel von physischem Wohlbefinden, psychischer Ausgewogenheit und frei werdender Kreativität, nahezu alles.
Diesen Bezügen wird bei der Goethe Akademie Professor Dr. med. Rainer M. Holm-Hadulla unter steter Berücksichtigung  autobiographischer und künstlerischer Texte beider Klassiker nachgehen. Ein weiterer Weimarer Autor, in dessen Werk die schöpferische Entgegnung auf fortschreitende Krankheit eine besondere Rolle spielt, ist Friedrich Nietzsche. Dieser Spur folgen ein Vortrag sowie der Besuch des Nietzsche-Archivs. Abgerundet wird das Akademieprogramm mit einer Präsentation herausragender Werke der Medizingeschichte, die Schiller und Goethe in ihrer Kunst inspirierten, sowie mit
einem Ausflug nach Bad Berka: Denn hier weilte Goethe 1814 zur Kur, hier gilt er als Mitbegründer des Kurbetriebs.

Leistungen

Der Preis für die Teilnahme an dieser Goethe Akademie beträgt 769,00 € pro Person im Doppelzimmer und umfasst:

  • 3 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Badewanne/WC im Dorint Hotel Am Goethepark Weimar****s;
  • Frühstücksbuffet im Hotelrestaurant;
  • Nachmittagskaffee am 14. September 2017;
  • Drei-Gänge-Menü bzw. Buffet an zwei Abenden im Hotelrestaurant;
  • Zwei-Gänge-Menü in einem Restaurant in Saalfeld am 16.9.2017;
  • Mittagsimbiss am 17.9.2017;
  • Vorträge, Gespräche, Führungen, Eintritte und Gebühren laut Programm;
  • Karte für das Konzert am 16. September 2017;
  • Fahrt mit einem Reisebus von Weimar über Bad Berka nach Saalfeld sowie zurück am 16. September 2017;
  • Kulturförderabgabe an die Stadt Weimar.

Hotel
Das Dorint Hotel Am Goethepark Weimar****s verdankt seine Ausstrahlung der architektonischen Verbindung zweier klassizistischer Villen mit einem Neubau. Von hier sind es nur wenige Gehminuten zum historischen Stadtkern, zum Residenzschloss oder zur Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Die 143 Zimmer sind komfortabel eingerichtet, alle Bäder verfügen über eine Badewanne mit integrierter Dusche. Das Hotel ist mit einer öffentlichen Tiefgarage verbunden; von hier führt ein Aufzug in die Hotellobby (Tagespreis: 18,50 €).

Einzelzimmer
Doppelzimmer zur Einzelnutzung stehen in begrenzter Anzahl gegen einen Aufpreis von 104,00 € zur Verfügung. Sie können auch ein halbes Doppelzimmer buchen. Für den Fall, dass sich kein(e) Zimmerpartner(in) findet, müssen wir uns vorbehalten, den Einzelzimmerzuschlag zu berechnen.

An- und Abreise mit der Deutschen Bahn
Wir empfehlen die An- und Abreise mit der Deutschen Bahn. Bei rechtzeitiger Buchung können Sie Sparpreisangebote nutzen.

Ablauf

Donnerstag, 14. September 2017

Anreise zum Dorint Hotel Am Goethepark Weimar****s
15.00 Uhr
Willkommen zur Goethe Akademie!
Begegnungen und Gespräche bei Kaffee, Tee und Gebäck
Elisabeth Bremekamp, Bensberg
Referatsleiterin, Thomas-Morus-Akademie Bensberg
Dr. habil. Jochen Golz, Weimar
Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

16.00 Uhr
Vortrag und Gespräch
„Alle Freuden, die unendlichen, / Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.“
Bewältigung traumatischer Erfahrungen in Goethes Kindheit und Jugend
Goethes Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ gibt darüber Aufschluss, dass seine behütete Kindheit wie seine stürmische Jugend bereits von den inneren Spannungen seines Künstlertums erfüllt sind. Unmittelbaren Einblick gewähren die Briefe des Frankfurter Anwalts an Auguste von Stolberg. Hinzu treten verwirrende Liebesbeziehungen – Ursprung und Ausdruck schöpferischen Tuns –, wie sie sich im Jugendwerk und in „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ spiegeln.
Prof. Dr. med. Rainer M. Holm-Hadulla, Heidelberg
Facharzt für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Autor u. a. des Buches „Leidenschaft – Goethes Weg zur Kreativität“, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

18.30 Uhr
Abendessen im Hotelrestaurant

20.00 Uhr
Vortrag mit Musikbeispielen
„Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!“
Goethe und seine Komponisten
Die Einführung in das unerschöpfliche Thema „Goethe und seine Komponisten“ gibt Auskunft über kreative Spontaneität, die Dichter und Musiker gleichermaßen verbindet.
Prof. Dr. med. Rainer M. Holm-Hadulla, Heidelberg

Freitag, 15. September 2017

Frühstück

9.30 Uhr
Vortrag und Gespräch
„Warum gabst du uns die tiefen Blicke …“
Haltgebende und therapeutische Frauenbeziehungen
Während Goethe sich Auguste von Stolberg in seinen Briefen paradoxerweise auch deshalb rückhaltlos anvertrauen konnte, weil er sie niemals im Leben gesehen hat, haben die beinahe täglichen Begegnungen mit Charlotte von Stein im ersten Weimarer Jahrzehnt einen besonderen, bis heute rätselhaften Charakter. Charlotte von Stein war für Goethe Muse und geistige Gefährtin. In ihren Armen konnte sich seine „zerstörte Brust“ wieder aufrichten, konnte sie gesunden.
Prof. Dr. med. Rainer M. Holm-Hadulla, Heidelberg

11.30 Uhr
Präsentation in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin …“
Schillers und Goethes medizinisches Wissen
Überraschend ist, dass beide Dichter Orientierung auch in medizinischen Werken aus Vergangenheit und Gegenwart suchten: Schiller war als Arzt ohnehin mit dem zeitgenössischen Schrifttum vertraut und setzte sich vor allem in der Entstehungszeit des „Wallenstein“ mit dem Melancholie-Problem auseinander. Goethe, in Straßburg bereits Hörer medizinischer Vorlesungen, verdankt dem Studium hermetischer Literatur wesentliche Impulse für die ersten Szenen seines „Faust“. Sein kleines Drama „Lila“, ein literarischer Therapieversuch für Herzogin Luise, setzt die Kenntnis ähnlicher Schöpfungen voraus. Von praktischer Bedeutung war für ihn die Bekanntschaft mit Christoph Wilhelm Hufeland und dessen Schriften.
Matthias Hageböck, Weimar
Restaurator an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar

Gelegenheit zur individuellen Mittagspause

14.30 Uhr
Vortrag und Gespräch
Krankes Genie oder vitaler Prophet des „Übermenschen“?
Friedrich Nietzsche in Weimar
Die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte der geistig umnachtete Philosoph Friedrich Nietzsche in der Obhut seiner Schwester in Weimar. Er verstarb im Jahr 1900 in der Villa „Silberblick“, neben der ab 1934 die monumentale „Nietzsche-Gedächtnishalle“ errichtet wurde. Die Nietzsche-Rezeption der folgenden Jahrzehnte ist gleichermaßen durch das Bild eines kranken Genies geprägt wie durch dessen Instrumentalisierung als Prophet des „Übermenschen“.   
Dr. Christoph Schmälzle, Berlin
Postdoc und freier Journalist (FAZ, SWR2)

16.30 Uhr
Gespräch und Empfang
Goethe in Gesellschaft
Besuch der Goethe-Gesellschaft in Weimar
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels, Walther Wolfgang von Goethe, wurde auf Anregung der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach 1885 die Goethe-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute die größte literarische Gesellschaft Deutschlands mit 2 600 Mitgliedern in 40 Ländern der Welt und blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück.
Dr. habil. Jochen Golz, Weimar
Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.
Dr. Petra Oberhauser, Weimar
Geschäftsführerin der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

19.00 Uhr
Abendessen im Hotelrestaurant

20.30 Uhr
Lesung
„Schwere Stunde“ – Novelle von Thomas Mann
Im Schillerjahr 1905 erstmals veröffentlicht, vergegenwärtigt Thomas Manns Novelle jene immense schöpferische Anspannung, die Schiller in Jena seinen „Wallenstein“ vollenden ließ. Gegenwärtig ist in der Darstellung des Autors auch die Gestalt des geliebten und bewunderten Freundes in Weimar, Vorbild und künstlerischer Widerpart in einem.
Dr. Christian Hain, Weimar
wissenschaftlicher Mitarbeiter, Goethe- und Schiller-Archiv, Klassik Stiftung Weimar

Samstag, 16. September 2017

Frühstück

9.30 Uhr
Vortrag und Gespräch
„Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft …“
Freunde befördern kreative Aktivität
Schiller, eine gesellige Natur, war bei seiner künstlerischen Arbeit in hohem Maße auf den Zuspruch von Freunden und Weggefährten angewiesen; mit ihnen erörterte er Chancen und Risiken seiner jeweiligen künstlerischen Vorhaben. Vor allem sein Briefwechsel mit Goethe gibt da-rüber Auskunft. Goethe, nicht minder gesellig, benötigte für seine Produktivität absolute Einsamkeit, verdankte Freunden eher mittelbar Rat und Unterstützung. Nur einmal, bei der Entstehung von „Wilhelm Meisters Lehrjahren“, rief er Schiller als Lektor seines Manuskripts zu Hilfe. Bei der Lösung künstlerischer Detailprobleme nahm hingegen auch er dankbar den Rat gebildeter Gefährten wie des Altphilologen Friedrich Wilhelm Riemer entgegen.
Prof. Dr. med. Rainer M. Holm-Hadulla, Heidelberg

11.30 Uhr
Besuch mit Führung
Hier wohnte Schiller
Ein Gang durch sein Wohnhaus
Schiller, seit Ende 1799 in Weimar ansässig, bezog sein Haus an der heutigen Schillerstraße, das er nur durch Kredite seiner Verleger finanzieren konnte, am 29. April 1802; am selben Tag starb im fernen Cleversulzbach seine Mutter. Die Räume im Erdgeschoss dienten vorwiegend wirtschaftlichen Zwecken, im ersten Stock lebten Schillers Frau und seine vier Kinder, er selbst hatte sein Schlaf- und Arbeitszimmer im zweiten Stock, um sich größtmögliche Unabhängigkeit zu sichern. Dieser Raum vermittelt einen unmittelbaren Eindruck der Strenge und Konzentration, wie sie Schillers künstlerische Arbeit kennzeichnen.
Dr. habil. Jochen Golz, Weimar

Gelegenheit zur Mittagspause

14.45 Uhr
Fahrt mit einem Reisebus zum Nietzsche-Archiv

15.00 Uhr
Besuch mit Führung
Hier lebte Nietzsche – hier starb er
Die Villa „Silberblick“
Angeregt durch Harry Graf Kessler beauftragte Elisabeth Förster-Nietzsche den belgischen Architekten und Designer Henry van de Velde, die Erdgeschossräume zu gestalten. Mit der 1902 entstehenden Inneneinrichtung zählen diese heute zu Van de Veldes gelungensten Kreationen. Die Memorialräume tragen mit ihrem Bildprogramm zum Nachruhm des kranken Künstlerphilosophen bei.
Brigitta Ulferts, Weimar
Referat Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, Klassik Stiftung Weimar

anschließend Weiterfahrt nach Bad Berka

„Wenn die Ilme, still im Tale, / Manchen goldnen Traum gegängelt …“
Bad Berka und Saalfeld
In Berka, an der Ilm oberhalb von Weimar, hielt sich Goethe im Mai und Juni 1814 zur Kur auf und gründete hier den Kurbetrieb mit. In Goethes poetischer Landschaft spielt die Ilm keine geringe Rolle. Davon zeugt sein Gedicht „An den Mond“, auch fallen die Anfänge seiner „Divan“-Dichtung in Goethes Berkaer Kuraufenthalt.
Dr. habil. Jochen Golz, Weimar

17.45 Uhr
Abendessen in einem Restaurant in Saalfeld

19:30 Uhr   
Klangvoll!
Konzertbesuch im „Meininger Hof“
Programm
Valery Gavrilin: Suite aus dem Ballett „Anjuta“ (1982)
Nikolai Rimsky Korsakov: Capriccio Espagnol op. 34 (1887)
Peter I. Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1b-Moll op. 23 (1874-1875)
Klavier: Daniel Kharitonov
Musikalische Leitung: Oliver Weder

Rückfahrt mit dem Reisebus nach Weimar

Sonntag, 17. September 2017

Frühstück

10.00 Uhr
Vortrag und Gespräch
„Und so lang du das nicht hast, / Dieses: Stirb und werde!“
Polarität und Steigerung als Lebensprinzipien Goethes
In seinem „Divan“-Gedicht „Selige Sehnsucht“ hat Goethe seine Auffassung vom Werden und Vergehen in der Natur auf eine denkbar knappe polare Formel gebracht. Nur aus dem Widerstreit der Gegensätze, so Goethe, kann sich steigernd neues Leben entwickeln. Der Tod ist der große Kunstgriff der Natur, mehr Leben zu haben. Dieses Lebensprinzip bildet in Goethes Werk einen Cantus firmus, dessen Melodie sich variationsreich von den großen
Jugendhymnen an bis in die Dichtungen des Alters
verfolgen lässt.
Prof. Dr. med. Rainer M. Holm-Hadulla, Heidelberg

12.00 Uhr
Mittagsimbiss

13.00 Uhr
Bis zur nächsten Goethe Akademie!
Verabschiedung

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.