St. Ursula Koeln - Ursulabuesten und Schreine
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Konkurrenz der Heiligen

Ursulaverehrung und Drei Könige in Köln

Sowohl das Heer der 11.000 ursulanischen Jungfrauen als auch die Gruppe der Drei Könige fanden Eingang in das Kölner Stadtwappen. Dessen Entwicklungsgeschichte und die unterschiedlichen Verehrungspraktiken gegenüber den Heiligen zeigen jedoch ein Konkurrenzverhältnis. Waren in Kölns reichsstädtischer Zeit die Ursulaverehrung mehr Sache „des Volks“ und die der Drei Könige von obrigkeitlichem Interesse, so verschob sich seit dem 19. Jahrhundert die kollektive Erinnerung zuungunsten der weiblichen Gesellschaft in Richtung männlicher Führung. Als die eigentlichen Stars kölscher Identität leben Ursula und ihre Gefährtinnen und Gefährten allerdings fort.

Mittwoch, 28. September 2022
Treffpunkt vor der Kirche St. Ursula in Köln (10.00 Uhr).

St. Ursula
Bauanlass für den heutigen Kirchenbau (um 1135) waren massenhafte Reliquienfunde und die damit einhergehende und im nachantiken Europa erstmalige Ausbildung eines kollektiven politischen Selbstverständnisses der Stadtbevölkerung. Die Ausstattung von Kirche und Goldener Kammer dokumentieren eine geradezu marianische Verehrung Ursulas.

Kölner Dom
Hier finden sich die ältesten Darstellungen des Kölner Stadtwappens (um 1300) – drei Kronen, keine Flammen! Es bleibt unentschieden, ob die Entwicklung des Dreikönigswappens von Seiten der erst wenige Jahre alten Patrizierherrschaft oder vom bis dato regierenden Erzstift veranlasst wurde. Ursula jedenfalls spielt im Dom eine untergeordnete Rolle.

Rathaus
Die Dreikönigswappen an Hansasaal (um 1330) und Ratsturm (1407-14) sind Ausdruck von Konkurrenz und militärischem Sieg der Kölner Stadtherrschaft über das Erzstift und seine Bischöfe zu verstehen. Der Hansasaal bildet sogar den in der Schlacht von Worringen (1288) erbeuteten Streitwagen des Erzbischofs nach.

Wallraf-Richartz-Museum/Fondation Corboud
Die Verehrung der Drei Könige entsprang ihrem reichspolitischen Nutzen zuzeiten Friedrich Barbarossas (um 1162/64). Kölner Bildwerke des 15. und 16. Jahrhunderts dokumentieren die Vorrangstellung der Ursulaverehrung im Heiligen Köln. Die Drei Könige warfen monarchischen Glanz auf die Stadt. Ursula und ihre 11.000er-Schar plus x aber garantierten Sicherheit und Prosperität der Bürgerinnen und Bürger.

Ende der Veranstaltung am Gürzenich (ca. 17.00 Uhr).

Änderungen im Programmverlauf und in der Organisation bleiben vorbehalten.

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