Auf ein Wort mit… Christoph Kuckelkorn

„Nur zesamme sin mer Fastelovend“ – das Sessionsmotto 2021 wird sicherlich so manchen Jecken in Wehmut versetzen. Doch auch wenn wir erst in der nächsten Session wieder gemeinsam schunkeln können – so ganz ohne Karneval soll niemand diese besondere Session verbringen, sagt Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval.

Karneval in einer Pandemie ist anders als je gedacht. Keine Straßenzüge, keine Sitzungen, keine Lieder und gemeinsames Schunkeln. Dennoch möchten Sie Karneval zu den Menschen bringen, z.B. über die digitalen Möglichkeiten. Warum ist Ihnen das so wichtig? Karneval gleich Freude am Leben in dieser besonderen Zeit?

Karneval mag manch einer vielleicht vor allem mit lauter Musik, vollen Kneipen, viel Alkohol und komisch angezogenen Menschen in Verbindung bringen. Für den Kölner ist sein Fastelovend aber viel, viel mehr als das. Wenn Sie mal durch die Straßen laufen oder sich in eine urige Kneipe setzen und sich mit alteingesessenen Kölschen unterhalten, ich bin mir sicher, jeder wird Ihnen mindestens eine schöne, persönliche Anekdote aus dem Karneval erzählen können. Natürlich ist Fastelovend auch Feiern und gute Laune, aber er hat vor allem auch einen großen sozialen Charakter und dem Kölner schon aus der einen oder anderen Krise geholfen. Das war 1949 schon so, als der erste Rosenmontagszug durch die Straßen ging, um die Menschen, die nach dem Krieg sehr niedergeschlagen waren, abzuholen, mitzureißen und zumindest für einen Moment ihre Sorgen vergessen zu lassen. Und das ist in einer pandemiegeplagten Session, wie wir sie 2021 haben, nicht anders. Corona ist allgegenwärtig, ja, und natürlich können wir nicht so feiern wie bisher, das ist auch klar – aber viele Menschen fühlen sich durch die Entwicklungen der vergangenen Monate stark belastet. Und deshalb haben wir es uns als Festkomitee zur Aufgabe gemacht – natürlich immer im Rahmen des Möglichen, denn die Gesundheit aller geht vor – auch in dieser Session zumindest für ein wenig Fastelovendsjeföhl zu sorgen.

Das Motto der Kölner Karnevalssession 2021 lautet „Nur zesamme sin mer Fastelovend.” Wie verstehen Sie dieses Motto in dieser aktuellen Situation?

Zusammenhalt ist im Fastelovend ja generell ein wichtiges Thema. Ich glaube, es gibt wenige gesellschaftliche Ereignisse dieser Größenordnung, die so viele verschiedene Menschen anziehen. Hier schunkelt der Anwalt mit dem Bäcker, hier feiert das Dreigestirn mit wirklich allen – sei es im Krankenhaus, Seniorenheim oder der JVA. Jeder darf und soll Teil des Karnevals sein. Und das ist für mich auch die Kernaussage des aktuellen Sessionsmottos. Dieser Zusammenhalt wird natürlich in solch besonderen Zeiten, wie wir sie momentan durchleben, ordentlich auf die Probe gestellt. Aber ich muss sagen, bis jetzt haben die kölschen Jecken mich nicht enttäuscht. „Nur zesamme sin mer Fastelovend“, wir hätten es wahrscheinlich thematisch in dieser Session nicht besser treffen können – und dieses Feedback erhalte ich von allen Seiten. Unsere Gesellschaften haben viele alternative Ideen erarbeitet, wie z.B. digitale Mitgliederstammtische, Sitzungskonzepte zum Streamen oder die Übergabe der Orden auf Distanz. Und auch wir vom Festkomitee arbeiten seit Monaten auf Hochtouren an Alternativen, um trotzdem ein wenig Fastelovendsjeföhl in die noch so entlegenste Ecke Kölns zu transportieren. Dazu gehören Open-Air-Auftritte vor den Seniorenheimen oder eine digitale Karnevalsfeier für die Kölner Grundschulen. Wir haben die Proklamation des Kölner Dreigestirns als coronakonformes Roadmovie gedreht und zeigen den Rosenmontagszug als Puppenformat. Zudem haben wir mit großer Unterstützung einen Hilfsfonds ins Leben gerufen, um den in Not geratenen Karnevalskünstlern und den Menschen hinter den Kulissen unter die Arme zu greifen.

Schunkeln, Singen und eng beieinander stehen…, man kann sich zurzeit gar nicht vorstellen, dass das wieder möglich sein wird. Glauben Sie, dass das Karnevalfeiern 2022 wieder so sein wird wie 2020?
Ich glaube, dafür braucht es keine Glaskugel, um sagen zu können, dass sich die Jecken wahnsinnig freuen werden, wenn wir 2022 – hoffentlich – wieder eine normale Session durchleben können. Und ich denke, dass wir es auch dann schaffen, wieder viele schöne und vor allem unvergessliche Momente zu kreieren. Aber was sich ändern wird, ist vielleicht der Blick auf den Karneval. Diese Session zeigt auch Außenstehenden: Der Kölner Karneval ist wirklich viel mehr als nur Party. Fastelovend war immer die Konstante im gesellschaftlichen Leben Kölns, war immer da, hat den Menschen Trost gespendet. Deshalb denke ich, dass wir das, was wir 2022 und alle weiteren Sessionen darauf dann wiederhaben, viel mehr schätzen und pflegen werden, als wir es jetzt ohnehin schon tun. Aber an der Ausgelassenheit, am Schunkeln, Feiern und Bützen – daran wird sich aber nichts ändern, sobald es wieder möglich ist.

Sehr geehrter Herr Kuckelkorn, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen eine gute Karnevalsession 2021.
Das Interview führte Anne Pesch, Akademiereferentin.

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Festkomitee Kölner Karneval

ein Gespräch mit Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval